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  3. Augsburg: Stadtrat gibt grünes Licht für Fortsetzung der Theatersanierung

Augsburg
23.06.2022

Stadtrat gibt grünes Licht für Fortsetzung der Theatersanierung

Das Staatstheater wird weiter wie ursprünglich geplant saniert. Das Behelfsdach über dem Zuschauerraum, das bis zum Herbst dort stehen soll, ist inzwischen durch eine Folie verkleidet.
Foto: Bernd Hohlen

Trotz Verzögerungen und Mehrkosten stimmt eine Mehrheit für den Fortgang von Bauarbeiten und Planung. Die Debatte dreht sich um die Frage, was die Stadt sich noch leisten kann.

Die schwarz-grüne Koalition hat am Donnerstag im Stadtrat die Fortsetzung der Theatersanierung trotz absehbarer Verzögerung und Mehrkosten beschlossen. Wie bereits vor zwei Jahren, als Umplanungen und ein erhöhter Kostenrahmen verabschiedet wurden, stimmten weite Teile der Opposition dagegen. "Wir machen Stadtentwicklung für die Zukunft, ohne gleichzeitig andere Belange wie sozialen Wohnungsbau zu vernachlässigen", so CSU-Fraktionsvorsitzender Leo Dietz. "Wir können die hohe Last der Sanierung nicht in astronomische Höhen wachsen lassen und alle finanziellen Spielräume für ein einzelnes Projekt opfern", konterte SPD-Stadträtin Jutta Fiener.

Wie berichtet geht die Stadt angesichts von Problemen mit einem Fachplanungsbüro, von dem man sich mittlerweile getrennt hat, von einem Jahr Verzögerung aus, zumal auch noch Umplanungen am Theater erfolgten. Konkret sollen die Bauarbeiter aus dem Großen Haus im Dezember 2027 abziehen, der Erweiterungsneubau sowie das Schauspielhaus an der Volkhartstraße sollen 2028 fertiggestellt werden. Baureferent Gerd Merkle (CSU) geht - Baukostensteigerungen von jährlich vier Prozent zugrunde gelegt - bis zum Projektende von 340 Millionen Euro aus, wobei noch Schwankungen möglich sind. Bisher waren 321 Millionen Euro als Ende der Fahnenstange bezeichnet worden, ganz zu Anfang des Projekts waren 187 Millionen Euro (allerdings ohne Baupreissteigerungen) die Maßgabe.

Was kann sich die Stadt noch leisten?

Ein zentraler Punkt in der Debatte war, inwieweit die Stadt angesichts der möglichen Kostensteigerungen genug andere Investitionen leisten und Aufgaben erfüllen kann. Bruno Marcon (Augsburg in Bürgerhand) sagte, es seien zwangsläufig Einsparungen in anderen Bereichen nötig, wenn die Kosten immer weiter steigen. "Das sollte man den Bürgern dann auch sagen. Wir haben kein Geld, um ein Römermuseum zu bauen und wir haben kein Geld für den Fuggerboulevard", so Marcon. Dies seien Projekte, die für die Identifikation der Bürger mit ihrer Stadt auch wichtig wären. Auch aus der Bürgerlichen Mitte kamen ähnliche Wortmeldungen. Man wolle im Übrigen klarstellen, dass man kein Theatergegner sei, nur weil man mit der Sanierung in dieser Form seine Probleme habe, so Regina Stuber-Schneider.

"Können wir weitermachen, ohne die Bürger zu fragen?"

Sauer stieß der Opposition insbesondere auf, dass die Stadt in derselben Sitzung den Verkauf des maroden Schullandheims in Zusamzell vorschlug. Das zeige doch klar, dass Geld nicht unbegrenzt vorhanden sei und wo die Prioritäten liegen, so Sozialfraktions-Chef Florian Freund. Roland Wegner (V-Partei) forderte gar ein Ratsbegehren, also dass der Stadtrat eine Bürgerabstimmung beschließt. "Können wir uns erlauben, weiterzumachen, ohne die Bürgerschaft um Erlaubnis zu fragen?", so Wegner. Schließlich hätten ja alle Parteien im Wahlkampf mehr Bürgerbeteiligung gefordert. Eine Verzögerung von einem Vierteljahr falle kaum mehr ins Gewicht. Eine Mehrheit fand sein Antrag allerdings nicht.

"Nicht Kleinredner des Projekts werden"

In der Sanierungsentscheidung setzte sich Schwarz-Grün gemeinsam mit einigen Oppositions- und Einzelstadträten durch. Mit 37 zu 18 Stimmen wurde die Fortführung der Planungen zum Erweiterungsneubau und der zweiten Spielstätte beschlossen. "Die Kosten sind immens, aber wir wollen mutig sein", so Grünen-Fraktionschefin Verena von Mutius-Bartholy. "Wir sollten nicht Zauderer und Kleinredner dieses Projekts werden." Von Mutius-Bartholy erinnerte auch daran, dass die Pläne das Resultat eines Bürgerbeteiligungsprozesses gewesen seien. Oberbürgermeisterin Eva Weber (CSU) hielt ein Plädoyer für die Theatersanierung: "Ich kann Kritiker verstehen, die sagen, dass es viel Geld ist." Zum einen müsse der jetzige Stadtrat aber eine Bürde schultern, die seine Vorgänger nie tragen wollten, nämlich die Generalsanierung. "Es gibt einen Sanierungsstau, genauso wie bei Schulen, Straßen und Verwaltungsgebäuden. Beim Theater gibt es jetzt nicht mehr die Möglichkeit, zu sagen, das geht schon noch ein paar Jahre", so Weber. "Wir müssen die Dinge jetzt anpacken." Zum anderen sei die Sanierung eine Investition, die sich in mehrerlei Hinsicht lohnen werde. "Wir schaffen mehr, als das Große Haus zu sanieren und eine neue Spielstätte zu errichten. Eine Stadt ohne Theater wäre eine arme Stadt. Das Theater ist auch Identifikationspunkt, Ankerpunkt für Diskussionen und nicht zuletzt ein Standortfaktor. Wir bekommen eine Rendite zurück, die nicht bezifferbar ist", so Weber. Das neue Theater stehe nicht nur für Kultur für alle Schichten, sondern auch für die Augsburger Aufbruchstimmung, die Mobilisierung der Innenstadt und für Lebensqualität, um Fachkräfte anzulocken. "Das ist eine großartige Chance für die Stadtentwicklung."

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Weber bedankte sich auch bei der Initiative "Theaterviertel jetzt", die unmittelbar vor der Abstimmung an die Öffentlichkeit getreten war. "Es ist ein ungewöhnliches Zeichen, wenn sich Bürger für etwas positionieren. Sonst geht es ja häufig darum, gegen etwas zu sein", so Weber. Mitinitiatoren sind Generation-Aux-Stadtrat Raphael Brandmiller, Theaterintendant André Bücker und Gastronom Sebastian Karner, Sprecher der Club- und Kulturkommission. Sie fordern neben der zügigen Theatersanierung eine Belebung des Theaterviertels durch Karlstraßen-Umgestaltung und Bau des Fuggerboulevards, aber auch durch Ansiedlung von Kultur, Gastronomie und Kreativwirtschaft in Leerständen im Theaterviertel. „Das Theaterviertel kann ein Markenzeichen werden und Lösungen für Innenstädte generell aufzeigen: Welche Funktionen sollen sie erfüllen, wie sehen sie künftig aus?“, so Brandmiller.

Die Stadtverwaltung wird den Stadtrat künftig jedes halbe Jahr über den aktuellen Stand der Sanierung informieren. Man gehe davon aus, dass man Mitte 2024 auch eine konkrete Berechnung für die Kosten des Erweiterungsneubaus vorlegen könne, wenn die Planungen weiter vorangeschritten sind. Baureferent Merkle sagte, die 340 Millionen Euro seien zum heutigen Tag ein Anhaltspunkt, aber kein gesicherter Wert. Die Stadt spricht selbst von unabsehbaren Folgen des Ukraine-Kriegs und Materialknappheit, andersrum könnte es aber auch sein, dass die Baukonjunktur durch Zinserhöhungen bei Krediten einen Dämpfer erhält.

Themen folgen

Die Diskussion ist geschlossen.

24.06.2022

Hier wird Geld, dass die Stadt gar nicht hat, aus dem Fenster geworfen.
Anstatt die marode Infrastruktur in Stand zu halten und wo notwendig auszubauen, wird ein Vermögen für ein Luxusgut verschwendet.

24.06.2022

Schade, dass der Bürger bei solchen Projekten nicht gefragt wird. Ich bin sicher, dass sich der Großteil für diese irrsinnige Summe (bei der das Ende noch gar nicht absehbar ist) eher für Sanierungen von Schulen, Schwimmbäder und Straßen ausgesprochen hätte. Theater ist schön, aber auf einer Prioritätenliste stünde das sicher nicht ganz oben. Aber die, die sowas durchwinken, haben vielleicht den Blick für den "Normal-Bürger" verloren. Ich hoffe, die Quittung wird kommen.

24.06.2022

Da sieht man wo die Prioritäten liegen. Schulen und Sportanlagen vergammeln. Hier wird der Rotstift angesetzt. Aber bim Stadttheater wird Geld versenkt als gäbe es kein Morgen. Eine Schande was die Politik da abliefert.

23.06.2022

"Baureferent Merkle sagte, die 340 Millionen Euro seien zum heutigen Tag ein Anhaltspunkt, aber kein gesicherter Wert."

Nehme Wetten an, was das Theater zu seiner Eröffnung (voraussichtlich 2033) tatsächlich kosten wird.

Bitte den Betrag "mutig" kommentieren, aber ohne Zinslast bis zur vollständigen Rückzahlung der Kredite. Das erlebt eh keiner mehr, der diesen Kommentar schon lesen kann.

Meine Schätzung: 620 Mio.

Und das sollte uns eine "nicht bezifferbare Rendite" schon Wert sein, wo doch die "anderen Belange" gesichert sind. Wer braucht sanierte "Schulen, Straßen und Verwaltungsgebäude", Schwimmbäder, Spielplätze, öffentliche Toiletten, Grünflächen, Sportanlagen und Turnhallen, effizientere Verwaltung oder günstigere Gebühren und Abgaben, weil die Stadt weniger pleite ist, wenn man auch als durch das Theater neu angelockte "Fachkraft" in Augsburgs neuem "Markenzeichen" die "Aufbruchsstimmung" zusammen mit allen anderen Schichten, die gerade das Theater besucht haben, atmen und das herausragende Theaterviertel - eine Lösung für Innenstädte ganz generell - genießen kann. Das ist genau die mobilisierte "Lebensqualität", die Augsburg jetzt braucht. Kann ich nur unterschreiben, ehrlich.

23.06.2022

Eine Stadt, die derart pleite ist und ein derartiges Prestigeobjekt mit bald 500 Millionen Euro finanziert wird.
Das Verballern von Steuergeldern. Eva Weber, Pfui Deifi.

24.06.2022

Sie meinen Griebel. Weber hat nur den Scherbenhaufen geerbt.

23.06.2022

Nichts zum essen haben aber einen Schwimmigpool bauen. Ich gratuliere dem Augsburgerer Stadtrat zu dieser Entscheidung ein dauerhaftes Subventionsobjekt gefördert zu haben. Jährlicher Gesamtetat 2013 26,7 Millionen Euro Einnahmeseite 3,8 Millionen Euro.

23.06.2022

Kultur kostet eben und nicht jeder gibt sich mit Big Brother oder Dschungel Camp zufrieden. Allerdings hoffe ich, dass dann noch Geld für die maroden Sportanlagen, insbesondere Bolz- und Basketballplätze, wie auch ein Schwimmbad mit 50m Bahn übrig ist.

24.06.2022

@Peter M.
Kultur kostet eben?
Klar. Geld in bisher nicht abzusehender Höhe in ein Projekt investieren, was NIEMALS die Kosten wieder einspielen wid.

Auf der anderen Seite müssen sich die Ektern von schulpflichtigen immer wieder anhören das kein Geld für die Sanierung der Schulen vorhanden ist.

Hier sollte die Stadtregierung mal ganz stark überlegen, wo die Prioritäten liegen.

Was ist wichtiger?
Ein Theater, was auf Jahre hinaus NIE genutzt werden kann, oder die Bildung der Kinder.