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Krieg in der Ukraine: Jens Stoltenberg fordert von Nato-Mitgliedern mehr Munition für die Ukraine

Krieg in der Ukraine

Jens Stoltenberg fordert von Nato-Mitgliedern mehr Munition für die Ukraine

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    Nato-Generalsekretär Jens Stoltenberg appelliert an die Mitglieder der Allianz, die Ukraine möglichst schnell mit neuer Munition zu unterstützen.
    Nato-Generalsekretär Jens Stoltenberg appelliert an die Mitglieder der Allianz, die Ukraine möglichst schnell mit neuer Munition zu unterstützen. Foto: Olivier Matthys, AP/dpa

    Heftige Kämpfe in der Stadt Bachmut, erbitterte Gefechte in Charkiw – die Ankunft der Nato-Verteidigungsminister im Brüsseler Hauptquartier wurde begleitet von düsteren Nachrichten aus der Ukraine. Immerhin gibt es Anzeichen dafür, dass die russischen Angreifer keine größeren Geländegewinne verzeichnen konnten. Sind die jüngsten Angriffe der Beginn der russischen Offensive, vor der Kiew sowie westliche Geheimdienste seit Monaten warnen? 

    Nato-Generalsekretär Jens Stoltenberg äußerte sich am Dienstag deutlich: "Wir sehen keine Anzeichen dafür, dass Präsident Putin sich auf den Frieden vorbereitet." Das Gegenteil sei der Fall. "Er bereitet sich auf mehr Krieg vor, auf neue Offensiven und neue Angriffe." Deshalb forderte der Norweger die 30 Mitglieder des transatlantischen Militärbündnisses auf, die Munitionsproduktion für die Ukraine zu erhöhen. "Das ist auch ein Logistikrennen." Ähnlich drückte es der neue deutsche Verteidigungsminister aus. Die Frage der Nachlieferung von Munition sei "die große Herausforderung in den nächsten Monaten", sagte Boris Pistorius (SPD) bei seinem ersten Auftritt in diesem Kreis.

    Hat die Nato Warnungen vor einer russischen Offensive nicht ernst genug genommen?

    Obwohl es schon im Herbst Warnungen vor einer russischen Frühjahrsoffensive und vor schwindenden Munitionsvorräten der Ukraine gegeben hatte, wie Beobachter einräumen, scheinen diese von den Alliierten kaum wahr- oder zumindest nicht ernst genug genommen worden zu sein. Nun herrschte jedenfalls ein anderer Ton bei den Ministern als noch vor einigen Wochen. Stoltenberg etwa betonte, dass die Produktionskapazitäten hochgefahren werden müssten für einerseits die Lieferung in die Ukraine und andererseits, um die eigenen Bestände wieder auffüllen zu können. 

    Hinter den Kulissen schieben sich Politik und Industrie offenbar gegenseitig die Schuld zu. Dass das Thema Nachlieferung von Munition jetzt Fahrt aufnehme, sei laut Pistorius richtig und notwendig – "und hoffentlich nicht zu spät". Für die Ukraine gehe es derzeit darum, den Luftraum nicht an die russische Luftwaffe zu verlieren und nicht noch mehr Bombardierungen und Angriffe auf kritische Infrastruktur hinnehmen zu müssen, erklärte Pistorius. Er kündigte an, dass Deutschland wieder in die Produktion von Munition für den Flugabwehrpanzer Gepard einsteigen werde. "Druckfrisch" unterschrieben seien die Verträge mit dem Rüstungskonzern Rheinmetall. Damit will die Bundesrepublik nicht nur die schnellere Belieferung der Ukraine sicherstellen, sondern sich auch unabhängig von der Schweiz machen. Die Regierung in Bern weigert sich mit Verweis auf den neutralen Status des Landes, eine Lieferung von Munition aus heimischer Produktion für die von

    Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) vor einem Exemplar des deutschen Schützenpanzers Gepard, der in die Ukraine geliefert wurde. Jetzt geht darum, Kiew mehr Munition für  den Panzer zur Verfügung zu stellen.
    Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) vor einem Exemplar des deutschen Schützenpanzers Gepard, der in die Ukraine geliefert wurde. Jetzt geht darum, Kiew mehr Munition für den Panzer zur Verfügung zu stellen. Foto: Marcus Brandt, dpa

    Warum aber kommen die eiligen Bestellungen aus Berlin erst jetzt? Die Fertigstellung dürfte Monate dauern, zuletzt war die Rede von Juli. "Das ist eine gute Frage", sagte Pistorius, die er aber nicht beantworten könne. Er sei erst seit etwas mehr als drei Wochen im Amt. Pistorius betonte am Dienstag zudem die Bedeutung von Ausbildung, sowohl an den Waffensystemen als auch jene von Feldwebeln, die er als "Seele der Führungsfähigkeiten einer Armee" bezeichnete. Deutschland habe bis heute 1200 Soldaten speziell geschult. 

    Offenbar wollte man den negativen Schlagzeilen aus dem kriegsgebeutelten Land etwas Optimismus entgegenhalten. "Wir werden der Ukraine helfen, sich der russischen Frühjahrsoffensive entgegenzustellen und voranzukommen", kündigte der US-Verteidigungsminister Lloyd Austin an. Der Kreml setze vergeblich darauf, dass er die Entschlossenheit des Westens "aussitzen" könne. 

    Das Thema Kampfjets spielte nur am Rande eine Rolle

    Die Forderungen nach Kampfjets spielten nur am Rande eine Rolle. Der ukrainische Verteidigungsminister Oleksij Resnikow zog nach seiner Ankunft im Nato-Gebäude zwar eine Zeichnung eines Kampfjets aus der Brusttasche seines Jacketts und hielt diese in die Kameras. Doch sein deutscher Amtskollege Pistorius winkte ab. "Alle haben verstanden, dass die Frage der Luftverteidigung und die Frage der Munitionsnachbeschaffung viel wichtiger sind im Augenblick als die Diskussion um Kampfjets, bei der alle wissen, dass die Ausbildung allein zum Fliegen schon mehrere Monate dauert."

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