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Landwirte und Hundebesitzer: Kann Hundekot tatsächlich Kühen schaden?

Landwirte und Hundebesitzer

Kann Hundekot tatsächlich Kühen schaden?

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    Ist Hundekot eine Gefahr für Kühe? Darüber diskutierten unsere Leser anregt.
    Ist Hundekot eine Gefahr für Kühe? Darüber diskutierten unsere Leser anregt. Foto: Thorsten Jordan

    Die Geschichte ist schnell erzählt: Drei Frauen gehen mit ihren Hunden spazieren. Als ihnen ein Auto entgegenkommt, weichen sie aus - durch eine Lücke im Zaun über die Wiese eines Landwirts. Dem passt das gar nicht: Er beschimpft und bedroht die Spaziergängerinnen. Geschehen so in Untermeitingen.

    Nachdem wir den zugehörigen Artikel veröffentlicht hatten, entbrannte im Forum und auf Facebook eine heftige Diskussion. "Hundekot ist Gift für manche Tiere", so der Tenor vieler Leser. Stimmt das wirklich? Wir sind der Sache auf den Grund gegangen - und haben mit Dr. Andreas Randt, Tierarzt und Geschäftsführer des tiergesundheitsdienst bayern e.V. gesprochen.

    Durch Hundekot können sich Rinder mit Parasiten infizieren

    Aus seiner Sicht handle es sich bei Hundekot auf Viehweiden in erster Linie um ein hygienisches Problem, sagt Randt. Denn Kot im Futter für Tiere, "das will keiner". Daneben bestehe tatsächlich die Gefahr, dass Kühe - aber auch andere Tiere wie Pferde, Schafe oder Ziegen - sich mit Parasiten infizieren, wenn sie Hundekot fressen.

    Nämlich so: Im Falle des Parasiten Neospora caninum - darum geht es im Fall von Hundekot hauptsächlich - ist der Hund der sogenannte Endwirt. Das bedeutet, er trägt den Parasit in sich, ohne dass das von außen zu erkennen ist. Nimmt beispielsweise eine Kuh verseuchten Hundekot mit dem Futter auf, wird sie zum sogenannten Zwischenwirt. Sie infiziert sich also. Und das kann allerhand negative Folgen haben: Aborte - also Fehlgeburten -, Missbildungen oder die Geburt lebensschwacher Kälber.

    Neospora caninum: Die größte Gefahr geht vom Hofhund aus

    Doch wie können sich Hunde infizieren und von welchen Hunden geht eine Gefahr aus? Hunde als Fleischfresser können sich infizieren, wenn sie rohes Fleisch fressen, erklärt Randt. Sicherer sei daher konventionelles Futter wie Konserven, die zuvor erhitzt wurden. Ist ein Hund infiziert, scheidet er zwei bis drei Wochen lang mit seinem Kot jene Eier aus, mit denen sich die Kuh anstecken kann.

    "Ist der Parasit einmal im landwirtschaftlichen Betrieb angekommen spielt, der Hofhund bei der Verbreitung im Bestand eine entscheidende Rolle", sagt Tierarzt Randt. Nicht nur halte er sich am ehesten in der Nähe des eigenen Viehs auf. Auch bestehe konkret die Gefahr, dass ein Hofhund Aborte frisst - und dann wiederum den Parasit ausscheide. Von Fuchskot gehe im Übrigen - anders als oft behauptet - keine Gefahr aus, so der Tierarzt: "Das ist ein Krampf".

    Randt: Ich verstehe den Unmut voll und ganz

    Wenngleich das Hauptrisiko vom Hofhund ausgehe, könne auch ein Stadthund Erreger eintragen, erklärt Randt. Nämlich dann, wenn er sich zuvor infiziert hat. Ist wiederum eine Kuh einmal infiziert, "gibt es kein Mittel, den Parasiten wieder rauszubringen". Manchmal sei eine Schlachtung notwendig. Randt habe schon von Höfen gehört, auf denen 70 Prozent des Viehs getötet werden musste, erzählt er.

    "Deswegen verstehe ich den Unmut voll und ganz", sagt der Tierarzt. Unter den Hundebesitzern gebe es nur wenig Problembewusstsein. "Auch weil die Krankheit beim Hund unsichtbar verläuft." Ob Hinweisschilder der Landwirte etwas bringen würden - da ist Randt skeptisch. Wer tagsüber die Haufen seines Hundes entsorge, tue dies beispielsweise nachts oder auf dem Land nicht mehr unbedingt, so der Tierarzt.

    "Man muss ein Problembewusstsein in die Köpfe reinbringen", sagt Randt. Denn: "Kot hat im Futter von Lebensmitteltieren nichts verloren. Hochwertige Nahrungsmittel lassen sich nur mit sauberen Futtermitteln erzeugen."

    Linktipp: Wie groß ist das Risiko, dass Rinder sich durch Hundekot infizieren und einen Abort erleiden? Eine entsprechende Studie finden Sie unter diesem Link.

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