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Zukunft des Deutschlandtickets: Es wird deutlich teurer

Bahnfahren

Worauf sich die Nutzer des Deutschlandtickets einstellen müssen

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    Vorsicht am Bahnübergang: Das Deutschlandticket wird nach den Plänen von Union und SPD im Preis merklich steigen.
    Vorsicht am Bahnübergang: Das Deutschlandticket wird nach den Plänen von Union und SPD im Preis merklich steigen. Foto: Julian Stratenschulte, dpa

    Zugfahren wird in Zukunft spürbar mehr Geld kosten. Darauf müssen sich die 13 Millionen Nutzer des Deutschlandtickets einstellen. Die Verkehrspolitiker von Union und SPD haben das während der laufenden Koalitionsverhandlungen vereinbart. Der CSU-Abgeordnete Ulrich Lange bekannte sich grundsätzlich zu einem unkomplizierten, deutschlandweiten Ticket, es brauche jedoch deutliche Änderungen bei der Finanzierung. Dies bedeute, „dass diese solide und unter deutlich stärkerer Beteiligung der Nutzer aufgestellt werden muss“, sagte Lange unserer Redaktion.

    Die preisgünstige Abokarte für 58 Euro pro Monat wird jährlich mit drei Milliarden Euro von Bund und Ländern bezuschusst. Dabei streiten beide Seiten über den Anteil, den sie aufbringen müssen. „Es ist doch kein Zustand, wenn Bund und Länder sich wie bisher jeden Monat über ihre Beteiligung streiten müssen. Alle Beteiligten brauchen Planungssicherheit“, meinte Lange. Die Bahnfahrer bekommen nach dem Willen der Verhandler eine Übergangszeit. Erst ab 2027 sollen sie dann merklich mehr bezahlen müssen. Gestartet war das Deutschlandticket Mitte 2023 zum Preis von 49 Euro monatlich, seit dem ersten Januar werden 58 Euro fällig.

    Deutschlandticket nur noch für Studenten und Rentner?

    Die Allianz pro Schiene – ein Zusammenschluss von Bahnunternehmen und Gewerkschaften – fordert angesichts der bevorstehenden Preissteigerung, dass das Deutschlandticket um einen billigeren Sozialtarif ergänzt wird. Will heißen, dass Schüler, Studenten, Rentner und Leute mit kleinem Geldbeutel einen Rabatt erhalten. „Wenn ab 2027 die Preise ,sozialverträglich‘ erhöht werden sollen, kann das nur bedeuten, dass das lange geforderte Sozialticket eingeführt wird“, sagte Allianz-pro-Schiene-Chef Dirk Flege unserer Redaktion.

    Der Geschäftsführer der Allianz pro Schiene, Dirk Flege, rechnet mit einer Umwidmung des Deutschlandtickets.
    Der Geschäftsführer der Allianz pro Schiene, Dirk Flege, rechnet mit einer Umwidmung des Deutschlandtickets. Foto: Monika Skolimowska, dpa

    Die Verhandler von CDU/CSU und SPD haben sich in ihrer Arbeitsgruppe Verkehr außerdem darauf geeinigt, dass der Bahnkonzern nicht zerschlagen wird, wie es die Union vorhatte. Damit bleiben Gleisnetz, Bahnhöfe und die rollenden Einheiten unter dem Konzerndach. Die Unternehmensbereiche werden aber dem Kompromiss zufolge stärker entflechtet. „Es bestätigt sich immer wieder, dass die Bahn kein Geld mehr bekommen darf ohne Reformen. Schließlich können wir nicht länger akzeptieren, dass die Mittel im Konzern versinken, aber nicht zielgerichtet für die Schieneninfrastruktur ausgegeben werden“, meinte Verkehrsexperte Lange.

    Der Hintergrund: Bis 2030 sollen mehrere Dutzend stark belastete Korridore des Gleisnetzes generalüberholt werden, was Milliarden verschlingen wird. Das Geld dazu soll unter anderem aus dem Sondervermögen Infrastruktur kommen, das das Parlament vergangene Woche beschlossen hat.

    Die Luft für den Bahnchef wird dünner

    Im Zwischenpapier der Arbeitsgruppe heißt es außerdem, dass für die Entflechtung „personelle, rechtliche als auch organisatorische Maßnahmen“ zu ergreifen seien. In Berlin wurde das als Angriff auf Bahnchef Richard Lutz gewertet, dessen Rücktritt nach dem Bahn-Chaos während der Fußball-EM im vergangenen Jahr Lange mehrfach gefordert hatte. Die Einigung der Verkehrspolitiker steht unter dem Vorbehalt der Spitzen von SPD und Union, die kommende Woche über jedes einzelne Politikfeld entscheiden werden.

    An diesem Donnerstag legt der Schienenkonzern seinen Geschäftsbericht für 2024 vor. Bereits durchgesickert ist, dass unter dem Strich ein weiteres Mal rote Zahlen stehen. Die mangelnde Pünktlichkeit ist weiter ein großes Problem. Im Februar kam laut Unternehmensangaben jeder dritte Fernzug zu spät. Ein Sanierungsprogramm soll die Bahn bis 2027 profitabel machen. Um dieses Ziel zu erreichen, werden 30.000 Stellen sozialverträglich abgebaut. Vor allem in Management und Verwaltung wird Personal gekürzt.

    Anmerkung: In einer früheren Fassung des Artikels hieß es, dass die Allianz pro Schiene eine schrittweise Umwandlung des Deutschlandtickets in ein Sozialticket erwartet. Das ist nicht richtig. Die Allianz pro Schiene fordert die Einführung eines gesonderten Sozialtarifs im Deutschlandticket für Leute mit kleinem Geldbeutel, damit die Monatskarte für alle erschwinglich ist.

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