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IHK-Konjunkturgespräch: Ifo-Chef Clemens Fuest empfiehlt Reaktion auf Trump und Co.

Konjunktur

Deutschlands Exportabhängigkeit: Ifo-Chef Fuest warnt vor internationalen Handelsrisiken

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    Clemens Fuest: Der Ifo-Chef sieht viele Baustellen in der deutschen Wirtschaftspolitik.
    Clemens Fuest: Der Ifo-Chef sieht viele Baustellen in der deutschen Wirtschaftspolitik. Foto: Stefan Winterstetter

    Die Zeit zum Atemholen in der Weltpolitik ist knapp geworden, seit Donald Trump wieder ins Weiße Haus eingezogen ist. In kurzer Zeit hat der Republikaner viele Gewissheiten ins Wanken gebracht. Ifo-Präsident Clemens Fuest formuliert es am Donnerstag beim Konjunkturgespräch der IHK Schwaben in Augsburg so: „Man hat den Eindruck, dass die USA sich als geopolitischer Gegner der EU positionieren. Ich bin dafür, den Ankündigungen der Trump-Administration Glauben zu schenken.“

    Doch die deutsche Wirtschaft ist in keiner guten Ausgangslage, um drohende Einbußen in den Geschäften mit den USA zu kompensieren. Die Konjunktur lahmt und auch Fuest sieht nur geringe Chancen auf mehr Wachstum im kommenden Jahr.

    Deutschland und die EU als Ganze sind deutlich stärker in internationale Wertschöpfungsketten eingebunden als die USA und China. „Mehr als 30 Prozent der deutschen Wertschöpfung wird ins Ausland exportiert“, erklärt Fuest. Mit über 60 Prozent ist die Exportabhängigkeit der Industrie besonders hoch.

    Die Globalisierung ist schon länger ins Stocken geraten

    Was über Jahrzehnte gut gegangen ist und Deutschland enorme Wohlstandgewinne gebracht hat, wird immer mehr zum Risiko. Schon seit Anfang der 2000er-Jahre ist die Globalisierung auf den Gütermärkten ins Stocken geraten, sagt Fuest. Nun droht die Kehrtwende.

    Die angekündigten Einfuhrzölle der USA könnten deutsche Unternehmen hart treffen. Denn die USA haben im vergangenen Jahr China erstmals wieder als wichtigsten deutschen Handelspartner abgelöst. China betreibt eine starke Industriepolitik und will auch hochwertige Güter lieber selbst produzieren. Fuest warnt dennoch vor übertriebener Sorge. „Der wichtigste Markt für deutsche Güter ist die EU.“ Die USA stehen nur für zehn Prozent der deutschen Exporte.

    Die Abhängigkeit von fossilen Energieträgern ist weiter hoch

    Deutschland ist aber auch in anderen Bereichen stark abhängig vom Ausland. So dominierten beim Primärenergieverbrauch in Deutschland weiterhin die fossilen Energieträger. Auch viele kritische Rohstoffe für Schlüsseltechnologien müssen importiert werden, nicht selten aus China oder anderen autokratischen Ländern.

    Als Ausweg empfiehlt Fuest keine Abkopplung vom Welthandel, aber ein besseres Management der Risiken. Dass etwa Solarzellen beinahe ausschließlich in China gefertigt werden, sei kein Problem. Bei Medikamenten sehe es anders aus.

    Wachstumspotenzial gäbe es durchaus noch: „Der europäische Binnenmarkt ist noch da und er ist unvollendet“, sagt Fuest. Doch ausgerechnet im immer wichtiger werdenden Bereich der Dienstleistungen werde der grenzüberschreitende Austausch noch immer behindert. „Ein Abbau der Handelshemmnisse für Dienstleistungen im EU-Binnenmarkt könnte die Wertschöpfung um einen halben Prozentpunkt steigern. Das entspricht 77 Milliarden Euro jedes Jahr“, sagt Fuest.

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    1 Kommentar
    Richard Markl

    Herr Fuest beschreibt sehr deutlich die Risiken unseres extrem exportabhängigen Geschäftsmodells. Klar ist: Insbesondere mit den USA wird es so nicht weitergehen. China kauft uns schon jetzt viel weniger unserer Autos und Maschinen ab, da sie diese mittlerweile lieber selber produzieren und entsprechend auf anderen Märkten (z.B. auch auf dem deutschen Markt) als starker Konkurrent auftauchen. Der Export nach China wird immer weiter schrumpfen und zwar schnell (anders als die Importe aus China). Bei der Risikominimierung ist China viel weiter als wir. Herr Fuest bietet als einzige Lösung eine Optimierung des EU-Binnenmarktes an um hier noch was rauszuquetschen. Das ist natürlich zu wenig um zu einem nennenswerten Wachstum zu kommen, da es nicht mal die Verlust im Geschäft mit China und USA ausgleichen wird. Und jetzt?

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