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Porträt: Magdalena Rogl ist das Gesicht der neuen Arbeitswelt

Porträt

Magdalena Rogl ist das Gesicht der neuen Arbeitswelt

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    Magdalena Rogl hat eine Ausbildung zur Erzieherin gemacht und zwei Kinder bekommen, bevor sie mit Mitte 20 noch einmal einen neuen Weg einschlug.
    Magdalena Rogl hat eine Ausbildung zur Erzieherin gemacht und zwei Kinder bekommen, bevor sie mit Mitte 20 noch einmal einen neuen Weg einschlug. Foto: Thomas Dashuber

    Eine Frage kann Magdalena Rogl nicht leiden. Da hilft es auch nicht, dass sie ihr so oft gestellt wird. Die Frage geht so: Wie, Frau Rogl, funktioniert das eigentlich, vier Kinder und eine Karriere? Rogl lächelt dann freundlich, weil sie nun mal ein freundlicher Mensch ist. Gleichzeitig aber sagt sie: „Eigentlich möchte ich diese Frage nicht beantworten, solange mein Mann sie nicht auch beantworten muss.“ Kinder und Karriere, das ist für sie kein reines Frauenthema, Rollenklischees sind ihr fremd.

    Rogl, 33 Jahre, weiße Turnschuhe, offenes Lachen, leitet die digitale Kommunikationsabteilung beim Software-Hersteller Microsoft. Sie kümmert sich um den Auftritt in Sozialen Medien oder auch die Zusammenarbeit mit Influencern. Rogl arbeitet im Europa-Hauptquartier, das vor zwei Jahren im Münchner Stadtteil Schwabing eröffnet hat und das sie hier ein wenig selbstironisch „Office mit Windows“ nennen. Im Foyer ist es hell und weitläufig, Besucher melden sich auf einem Tablet-PC an. Rogl holt sich im firmeneigenen Café noch einen Capuccino, bevor sie auf eine der zahlreichen Sitzecken zusteuert.

    Natürlich spricht sie an diesem Morgen dann doch über ihre Familie, über ihre Arbeit und wie das alles zusammengeht. Sie ist es gewohnt, darüber zu reden. Rogl sitzt oft auf Podien, sie wird zu Konferenzen eingeladen, Frauenzeitschriften schreiben genauso über sie wie Feminismus-Blogs. Auch wenn sie das selbst gar nicht so gerne hört: Für viele ist sie ein Vorbild. Das Gesicht einer modernen Arbeitswelt, Vertreterin einer neuen Generation von Frauen, die nicht mehr leben wollen wie ihre Mütter und Großmütter. Das hat auch viel mit Rogls eigener Geschichte zu tun. Denn die ist alles andere als alltäglich.

    Magdalena Rogl war früher Kindergärtnerin

    Rogl ist in München geboren, sie ist ein „echtes Münchner Kindl“, schiebt sie hinterher und lacht. Mit 16 bricht sie das Gymnasium ab, um eine Ausbildung zur Erzieherin zu machen. „Damals war das genau die richtige Entscheidung“, erzählt sie heute. Als sie mit der Ausbildung fertig ist, wird sie schwanger. Mit 19 bekommt sie ihr erstes Kind, vier Jahre später das zweite. Kinder, Mann, ein guter Job, alles ist gut – bis sich plötzlich alles ändert. Ihr Mann trennt sich von ihr, mit 24 Jahren ist Rogl alleinerziehend. „Das tat wirklich weh“, sagt sie. „Ich war in einer ziemlichen Krise.“ Wenn es im Leben Momente gibt, an denen sich der weitere Weg entscheidet, dann waren es bei ihr wohl diese Monate. In der Zeit des absoluten Tiefpunkts entscheidet sich Rogl für Optimismus. „Ich wollte einfach nicht mehr traurig sein“, sagt sie. Damals habe sie gelernt, dass Glück eine Entscheidung ist.

    In ihrer schwierigsten Zeit hilft ihr das, was sie ihre beste Eigenschaft nennt: die Fähigkeit zur Kommunikation. Rogl hat schon früh angefangen, sich für Soziale Medien zu interessieren. Sie legt einen Facebook-Account an, als die meisten ihrer Altersgenossen gerade erst StudiVZ entdecken, bald darauf hat sie ihr eigenes Twitter-Profil, auch heute ist sie quasi immer online. Neben ihrer Stelle im Kindergarten nimmt sie einen zusätzlichen Job beim Münchner Verlag Tomorrow Focus an. Drei Jahre lang ist sie Community-Managerin bei Focus Online, so etwas wie die Aufpasserin in den Kommentarspalten also. Sie steigt auf, wechselt innerhalb des Verlagshauses. 2016 fängt sie bei Microsoft an, mit gerade einmal 30 Jahren ist sie in einer Führungsposition – eine Karriere, die für Frauen immer noch vergleichsweise ungewöhnlich ist. Fragt man Rogl, was ihr Erfolgsrezept ist, bekommt man eine überraschend simple Antwort: „Freundlichkeit“, sagt sie. „Wer Ellenbogen ausfährt, bekommt auch Ellenbogen zurück.“ Dazu kommen: ein gutes Netzwerk und das Glück, zur richtigen Zeit am richtigen Ort zu sein.

    Bei Microsoft ist Rogl eine Quereinsteigerin

    Früher war es Rogl oft peinlich, kein Abitur zu haben. Heute sagt sie, sie sei „sehr, sehr stolz“ darauf, es als Quereinsteigerin geschafft zu haben. Die 33-Jährige wirkt wie jemand, der mit sich absolut im Reinen ist. Vor einigen Jahren hat sie wieder geheiratet, ihr Mann hat zwei Kinder mit in die Ehe gebracht. Beide kümmern sich gemeinsam darum, den Alltag der Patchwork-Familie zu gestalten.

    Das Geheimnis der beiden? „Ja sagen zum Chaos“, sagt Rogl. Für sie persönlich heißt das, dass sie sich damit abgefunden habe, nicht „100 Prozent Mutter und 100 Prozent Karrierefrau“ sein zu können. Es gebe Wochen, in denen sie viel Zeit mit den Kindern verbringen könne. Auch, weil Microsoft den Mitarbeitern Vertrauensarbeitszeit anbietet: Die Beschäftigten können sich ihre Arbeitszeit selbst einteilen.

    In anderen Wochen, sagt Rogl, sei sie dafür häufig unterwegs und nur wenig zu Hause. „Manchmal muss man Abstriche machen“, betont sie. Aber ihr Mann und sie würden sich gegenseitig unterstützen. „Es gibt bei uns keine Männer- und Frauenrollen.“ Rogl weiß aber auch, dass ihr Familienmodell nicht der Normalfall ist. „Leider“, sagt sie, „gibt es das immer noch viel zu selten“, zu oft seien Karriere und Familie Gegensätze. Weil sie das ändern will, wird Rogl auch künftig auf Podien sitzen, bei Konferenzen sprechen und alle, die sie fragen, freundlich daran erinnern, dass Kindererziehung nicht nur Frauen etwas angeht.

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