Startseite
Icon Pfeil nach unten
Wirtschaft
Icon Pfeil nach unten

Atomausstieg: Der hohe Preis für die Energiewende

Atomausstieg

Der hohe Preis für die Energiewende

    • |
    2022 soll das letzte Kernkraftwerk in Deutschland vom Netz gehen.
    2022 soll das letzte Kernkraftwerk in Deutschland vom Netz gehen. Foto: Julian Stratenschulte/Archiv (dpa)

    Vor sechs Jahren erschütterte das Atomunglück im japanischen Kernkraftwerk Fukushima die Welt. Seit die Bundesregierung 2011 den Atomausstieg nach dem heute gültigen Fahrplan beschlossen hat, sind die erneuerbaren Energien in Deutschland stark gewachsen. Der Umweltforscher Ernst Ulrich von Weizsäcker bezeichnet die Energiewende im Gespräch mit unserer Redaktion als „Erfolgsprojekt“. Doch Industrie und Verbraucher sehen sie auch mit Sorgen. Denn längst sind nicht alle Probleme gelöst. Ein Grund dafür: die massiv gestiegenen Strompreise.

    Eine Gefahr für Wohlstand und Jobs?

    „Wir haben bereits die zweithöchsten Strompreise in Europa“, warnt Hartmut Wurster, Vizepräsident der Industrie- und Handelskammer Schwaben. Seine Befürchtung: dass die Industrie deshalb weniger hierzulande investiert. Das kann Wohlstand und Jobs gefährden. Die Politik müsse deshalb die „Stromkosten-Explosion“ in den Griff bekommen.

    Privatleute zahlen heute rund ein Viertel mehr für ihren Strom als 2011. Das liegt zu einem großen Teil an den Umlagen, die auf die Energiewende zurückgehen. Ein Durchschnittshaushalt mit einem Jahresstromverbrauch von 3500 Kilowattstunden gibt inzwischen rund 270 Euro im Jahr für die Umsetzung der Energiewende aus. Das hatte das arbeitgebernahe Institut der deutschen Wirtschaft vor gut einem Jahr berechnet.

    Dafür kann immer mehr Atomstrom durch Strom aus Wind, Sonne, Wasser und Biomasse ersetzt werden, berichtet die Agentur für Erneuerbare Energien. Von 17 deutschen Atommeilern vor Fukushima sind heute nur noch acht am Netz. Die restlichen sollen bis zum Jahr 2022 abgeschaltet werden. Dieses Jahr ist Block B in Gundremmingen an der Reihe. Fast ein Drittel des erzeugten Stroms stammte im vergangenen Jahr in Deutschland schon aus erneuerbaren Quellen. Bayern liegt sogar noch weiter vorn: Hier kommen die Erneuerbaren bereits auf 39,6 Prozent, berichtet das bayerische Wirtschaftsministerium.

    Kein Blackout

    Der befürchtete Blackout durch den Atomausstieg blieb bisher aus. „Die deutsche Stromversorgung zählt im internationalen Vergleich zu den zuverlässigsten“, sagt Philipp Vohrer, Geschäftsführer der Agentur für Erneuerbare Energien. Tatsächlich fiel 2014 für deutsche Kunden im Schnitt nur 13,5 Minuten der Strom aus, bestätigt der Wissenschaftliche Dienst des Bundestags. Zum Vergleich: Im Atomstromland Frankreich waren es mehr als 50 Minuten.

    Doch in Bayern gelingt diese Stabilität nur durch massive Eingriffe ins Stromnetz. Der Grund: „ein Netzengpass zwischen Nord- und Süddeutschland, der durch die Abschaltung der Kernkraftwerke noch verstärkt wird“, sagt ein Sprecher des bayerischen Wirtschaftsministeriums. Die Industrie ist alarmiert: „Der Leitungsbau Richtung Norden kommt nur schleppend voran“, sagt IHK-Vize Wurster. Dies gelte vor allem für die Stromautobahnen, die Windstrom von der Küste nach Bayern bringen sollen. „Ich persönlich glaube nicht mehr, dass 2025 schon Strom durch die Leitungen fließt“, sagt Wurster. Habe unsere Region früher Strom exportiert, müssten nach dem Atomausstieg rund 60 Prozent des Stroms importiert werden. Für die Industrieregion Schwaben sei das „nicht gerade beruhigend“.

    Dagegen kritisieren Umweltverbände, dass der Ausbau der Erneuerbaren gebremst wurde. Sie fordern nach dem Atomausstieg auch den Ausstieg aus der Kohle. Zudem müsse die Energiewende auch die Bereiche Heizen und Verkehr einschließen. Der Physiker von Weizsäcker ruft dazu auf, Energie viel effizienter zu nutzen.

    Lesen Sie auch: Atomdeal mit Schönheitsfehlern

    Diskutieren Sie mit
    0 Kommentare
    Dieser Artikel kann nicht mehr kommentiert werden