Startseite
Icon Pfeil nach unten
Wirtschaft
Icon Pfeil nach unten

Augsburg: Mehr als die Betriebsrat-Kündigung: Weltbild erlebt turbulente Zeiten

Augsburg

Mehr als die Betriebsrat-Kündigung: Weltbild erlebt turbulente Zeiten

    • |
    Von der Glanzzeit des Weltbild–Verlages sind die Weltbild-Filialen übrig geblieben – wie diese hier in der Augsburger City-Galerie.
    Von der Glanzzeit des Weltbild–Verlages sind die Weltbild-Filialen übrig geblieben – wie diese hier in der Augsburger City-Galerie. Foto: Bernhard Weizenegger

    Ein Freitagmittag, draußen ist es sommerlich heiß, in der Einkaufspassage im Augsburger Zentrum ist es angenehm kühl. Mütter mit Kinderwagen, Väter, Jugendliche bummeln durch die City-Galerie. Im Erdgeschoss ist der Eingang eines der Geschäfte rot gerahmt, darüber leuchtet der Schriftzug „Weltbild“. Innen gibt es Bestseller wie den neuen Kluftinger-Krimi, Backbücher, Ratgeber, aber auch Deko-Artikel. Solarlichter für den Garten oder das Schwimmtier „Einhorn“ für 24,99 Euro. An der Kasse wird man freundlich bedient. „Der kürzeste Weg zwischen zwei Menschen ist ein Lächeln“ steht auf dort angebotenen Anhängern. Ein junges Pärchen kommt herein. „Da gibt es doch immer nette Sachen“, sagt sie zu ihm.

    Verfahren um Betriebsrat-Kündigung vor Gericht

    Dass das Weltbild-Geschäft genauso wie die anderen über 140 Filialen in Deutschland, Österreich und der Schweiz noch existiert, darauf hätte nicht jedermann im Jahr 2014 gewettet. Damals musste der Konzern Insolvenz anmelden. Das Unternehmen hat inzwischen eine harte Sanierung durchlaufen und sich neu aufgestellt. Doch ganz zur Ruhe gekommen ist es nicht. Zuletzt sorgte die Nachricht für Aufsehen, dass Weltbild dem Betriebsratschef kündigen will. Diesen Montag beginnt vor dem Arbeitsgericht Augsburg ein Verfahren. Wie also geht es Weltbild wirklich?

    An der Spitze steht heute Christian Sailer. „Wir freuen uns, dass es Weltbild wieder gut geht“, sagt er. „Die schwarze Null ist geschafft, das ist die Basis für weiteres Wachstum im Rahmen der Digitalisierung und dafür gebührt allen Mitarbeitern ein Danke für ihre tolle Leistung und ihren Einsatz.“ Ist alles also auf einem guten Weg? Nicht überall teilt man diese Meinung.

    Thomas Gürlebeck, 42, drückt auf einen Knopf, Kaffee rinnt aus einer Maschine. Gürlebeck arbeitet bei der Gewerkschaft Verdi. Hier, im Gewerkschaftshaus in Augsburg, hat er über Jahre das Drama rund um Weltbild verfolgt. Er hat sich für die Mitarbeiter eingesetzt, Demonstrationen organisiert. Jetzt schüttelt er wieder den Kopf. „Weltbild war so eine tolle Plattform“, sagt er. „Heute ist die Führung desolat, es gibt keine Vision, es fehlt ein richtiger Händler, der die Branche kennt und der Netzwerke hat.“

    Die Kündigung des Betriebsratschefs ist für Thomas Gürlebeck nicht der einzige Missstand: „Der Betriebsrat bekommt seit Monaten keine Zahlen mehr, keine Informationen, nichts“, sagt er. Die Neuordnung der Büros am neuen Standort südlich der Innenstadt plage aktuell viele Beschäftigte zusätzlich. Teilweise werden die Büros „viel zu klein“ sein, sagt Gürlebeck. Weltbild weist das zurück: Das Unternehmen verstehe, dass der interne Umzug die Mitarbeiter bewege. „Eines können wir aber schon jetzt sagen: Es sind vor und nach dem Umzug gleich viele Mitarbeiter auf gleichviel Fläche und die gesetzlichen Regelungen werden eingehalten“, teilt die Firma mit.

    Das ist die Geschichte von Weltbild

    Eine Kündigung, Ärger um Büros. Vielleicht kann man die immer wiederkehrende Aufregung bei Weltbild besser verstehen, wenn man einen Blick in die Geschichte wirft. Darauf, welches stolze Unternehmen sich einmal anschickte, den Buchmarkt aufzumischen. Und darauf, wie schmerzhaft und turbulent die Insolvenz 2014 erlebt wurde.

    Es beginnt kurz nach dem Krieg. Im Jahr 1948 gründet Josef Hall zusammen mit dem Katholischen Männerwerk in Fulda die Winfried-Werk GmbH. Dieser Verlag gibt das katholische Magazin Mann in der Zeit heraus. Als die Zeitschrift im Jahr 1957 eine Auflage von 500.000 Exemplaren erreicht, zieht die Redaktion nach Augsburg – in ein historisches Gebäude in der Frauentorstraße, nahe am Dom. Im Jahr 1967 kauft der Verlag die Zeitschrift Feuerreiter, im Jahr 1968 gibt man den sperrigen Titel Mann in der Zeit mit Feuerreiter zugunsten des Titels Weltbild auf. Die Zeitschrift war ein richtiges katholisches Männermagazin. Die Journalisten in den verwinkelten Redaktionsgebäuden erleben die 1970er und 80er Jahre als wunderbare Zeiten. Sie können quer durch die Republik reisen und schreiben. Der Verlag wächst und erwirbt andere Zeitschriften, darunter Frau im Leben.

    Das Unternehmen Weltbild

    Zahlen und Fakten zur Augsburger Weltbild-Gruppe:

    Weltbild beschäftigte einst insgesamt rund 6800 Mitarbeiter, davon 2200 am Standort Augsburg.

    Weltbild gehörte den zwölf katholischen Bistümern, dem Verband der Diözesen Deutschlands und der Soldatenseelsorge Berlin.

    Weltbild startete 1948 als Winfried-Werk in Augsburg. Der Verlag gab katholische Zeitschriften heraus. Als zusätzlichen Service gab es einen Bücherdienst.

    In den 1980er Jahren blühte das Unternehmen auf, es kaufte Verlage und Zeitschriften dazu. 1994 eröffnete man die ersten Filialen.

    Seit 1997 gibt es den Onlinehandel. Während das Buchgeschäft floriert, kränkelte das Zeitschriftengeschäft. 2008 stieß Weltbild den kompletten Bereich ab.

    Unter dem Dach der Holding DBH waren die Buchhandlungen Hugendubel, Weltbild und Jokers gebündelt. Zum Konzern gehörten auch die Vertriebsmarken Weltbild, Jokers, Kidoh und buecher.de.

    2012 verkündete die Verlagsgruppe 1,59 Milliarden Euro Umsatz.

    In den vergangenen Jahren geriet das Unternehmen unter Druck - die Konkurrenz von Amazon und anderen machte Weltbild zu schaffen.

    Im Januar 2014 meldete Weltbild Insolvenz an.

    In den folgenden Monaten bekamen hunderte Beschäftigte die Kündigung ausgesprochen.

    Im Mai kündigte Investor Paragon an, Weltbild zu übernehmen.

    Wenig später stieg Paragon wieder aus. Anfang August übernahm dann die Beratungs- und Investmentgruppe Droege die Mehrheit an Weltbild.

    Der Online-Medienhändler bücher.de gehört ab August 2014 vollständig zur Weltbild-Gruppe.

    September 2014: Nach der Mehrheitsübernahme durch den Düsseldorfer Investor Droege gibt es eine neue Geschäftsführung: Gerd Robertz, Patrick Hofmann und Sikko Böhm.

    Nach nur sieben Wochen tritt Gerd Robertz ab und widmet sich wieder nur dem Onlinegeschäft bücher.de.

    Im November kündigt die Geschäftsführung von Weltbild an, in der Verwaltung rund 200 Arbeitsplätze zu streichen.

    2015: Weltbild verkauft 67 Filialen an die kleine Kette "Lesenswert".

    Juli 2015: Rund ein halbes Jahr nach der Übernahme der 67 Filialen ist der Käufer pleite.

    Juli 2015: Knapp ein Jahr nach der Übernahme des Weltbild-Konzerns durch den Düsseldorfer Investor Droege muss der Logistikbereich von Weltbild erneut Insolvenz anmelden.

    Nachdem der Gründer Josef Hall bereits 1963 gestorben ist, übernimmt sein Sohn Winfried Hall die Verlagsleitung. Später geht Weltbild ganz an die katholische Kirche. Bis zur Krise 2014 sind zwölf Bistümer, der Verband der Diözesen Deutschlands und die katholische Soldatenseelsorge in Berlin die Eigentümer.

    Carel Halff machte Weltbild zu einem der größten Buchhändler Europas.
    Carel Halff machte Weltbild zu einem der größten Buchhändler Europas.

    In dieses katholische Haus platzt 1975 der unkonventionelle Niederländer Carel Halff – damals 24 Jahre alt, lange Haare. Ein Mann, der so gar nicht hineinpasst in den katholischen Weltbild-Verlag und einen in die Jahre gekommenen Porsche fährt. Halff wird Chef der Weltbild Bücherdienst GmbH. Seit 1972 konnten Weltbild-Leser als Zusatzservice Bücher bestellen. Anfangs sind es dünne Blättchen, die der Zeitschrift als Werbung beigelegt werden. Später entsteht ein monatlich erscheinender Katalog. In den ersten Jahren steht Halff selbst am Packtisch, um Bücher in Pakete für die Kunden zu schichten. Der Hausmeister fährt die Kartons dann zusammen mit dem Verlagslehrling zum Bahnhof.

    Halff ist geschickt: Er kauft Restposten und günstige Bücher auf und verkauft sie an die Leser. Für den Erlös bezieht er neue Ware. „Bücher waren seine Welt“, erinnert sich eine frühere Mitarbeiterin. „Halff hat alles verkauft, was sich verpacken und verkaufen lässt.“ Sein Bereich wächst explosionsartig. Die Räume in der Nähe des Doms sind bald zu klein. Der Versand zieht erst in die Böheimstraße, dann an die Steinerne Furt nach Augsburg-Lechhausen. Aus einem kleinen Team werden dort schnell mehrere hundert Leute. Wer im Weihnachtsgeschäft als Aushilfe angeheuert wird und sich gut anstellt, hat bald einen festen Vertrag in der Tasche. Im November 1995 soll Weltbild erstmals pro Monat über eine Million Pakete ausgeliefert haben. Zur Einweihung des neuen Logistikzentrums 2001 kommt der damalige bayerische Ministerpräsident Edmund Stoiber. Nach dem Zusammenschluss mit Hugendubel beherrscht Weltbild den Markt und betreibt im Jahr 2010 rund 500 Filialen. Doch plötzlich geriet etwas aus der Spur.

    Kurt Sauerlacher und Andrea Karl arbeiteten bei Weltbild, heute betreiben sie das Kolonial.
    Kurt Sauerlacher und Andrea Karl arbeiteten bei Weltbild, heute betreiben sie das Kolonial. Foto: Ulrich Wagner

    Das Ehepaar Andrea Karl, 53, und Kurt Sauerlacher, 62, kann sich gut erinnern. Beide sind heute in ihrem Geschäft in der Augsburger Innenstadt anzutreffen – dem Kolonial, gelegen zwischen Rathaus und Fuggerei. In den historischen, gemütlichen Ladenräumen gibt es Literatur, sorgfältig ausgewählte Kinderbücher, aber auch Wein, Tee, Öle, Gin. Bevor sie den Laden eröffneten, hatten Andrea Karl und Kurt Sauerlacher bei Weltbild gearbeitet, er 21 Jahre lang, sie 28 Jahre.

    Ein Tag markiert für sie die Zeit, ab der es bei Weltbild unruhiger wurde: Das Ehepaar sitzt im Flugzeug zurück aus dem Urlaub, als neben ihnen ein Passagier einen Artikel in der Zeitung liest: „Weltbild soll verkauft werden“. Zwischen 2008 und 2011 erschüttert eine Debatte um erotische und esoterische Bücher das Unternehmen. Bereits zuvor verschwand im Lager manches erotisch angehauchte Buch in hinteren Ecken, wenn der Bischof seinen Besuch ankündigte. Als später öffentlich über Titel wie das „Schlampeninternat“ diskutiert wird, überlegt die Kirche, Weltbild zu verkaufen.

    Andrea Karl und Kurt Sauerlacher führten bei Weltbild zusammen mit einem Kollegen den Mitarbeiter-Buchladen an der Steinernen Furt. „Es war ein Treffpunkt“, sagt Andrea Karl. „Viele kamen zwischen zwei Meetings vorbei, schauten sich die neuen Bücher an, aßen ein Eis.“ Wie viele andere Mitarbeiter haben sie die meisten Jahre bei Weltbild als „gute Zeit“ in Erinnerung. „Es war familiär, jeder hatte bei der Arbeit viel Freiheit.“

    Bald aber ballen sich immer mehr Probleme. Die Umsätze im stationären Handel sinken, die Kosten wachsen, die Technik ist teuer, die Schulden steigen. Um die Weihnachtszeit 2013 spitzt sich die finanzielle Situation zu. In einer dramatischen Sitzung ziehen die Bischöfe die Notbremse, sie schießen die geforderten, hohen Summen nicht mehr nach. Im Januar 2014 ist Weltbild insolvent.

    Andrea Karl und Kurt Sauerlacher erleben ihre Entlassung als eine Sache von fünf Minuten. „Man hat uns in einen Besprechungsraum gerufen, zusammen mit 20 anderen Leuten. Dann wurde gesagt, dass wir an unserem Arbeitsplatz noch die privaten Sachen holen und dann gehen können“, sagen sie. Drei halbe Tage bleiben sie noch, machen im Buchladen klar Schiff, dann verabschieden sie sich. „Am Schluss war es mir zu viel“, sagt Andrea Karl. „Die Sache ist mir auf den Magen geschlagen.“

    Betriebsratschef gekündigt - Verdi kündigt Demo an

    Entlassungen, Schließungen: Für die einst 6300 Mitarbeiter im Konzern beginnt eine schwere Zeit. Hugendubel wird abgespalten, erste Interessenten für die Firma springen ab – bis der Düsseldorfer Berater Walter Droege Weltbild übernimmt. Droeges Strategie ist umstritten. Viele Läden werden an einen Investor verkauft, der selbst bald pleite ist. Aus den Gebäuden an der Steinernen Furt zieht man aus. Die Logistik in Augsburg wird geschlossen. Heute befindet sie sich im tschechischen Bor. Für Gewerkschafter Thomas Gürlebeck war die Schließung der Logistik in Augsburg ein großer Fehler: Denn bis der neue Versand in Tschechien funktionierte, habe es lange gedauert, berichtet er.

    Jetzt der Prozess gegen den Betriebsratschef. Verdi macht gegen die Kündigung mobil. Für Montag ist vor dem Augsburger Arbeitsgericht eine Demo angekündigt. „Es ist erschreckend, mit welcher Aggressivität die Weltbild Geschäftsführung um den Düsseldorfer Gesellschafter Droege gegen den Betriebsratsvorsitzenden vorgeht“, sagt Gürlebeck. „Am liebsten hätte man ihn nach altem Gutsherrenstil einfach an die Luft gesetzt. Die haltlosen Behauptungen werden sich als Rohrkrepierer der Geschäftsleitung rausstellen“, meint er.

    Weltbild weist die Vorwürfe zurück. „Der Arbeitgeber musste so reagieren“, teilt die Firma mit. Weltbild sei von besorgten Mitarbeitern mitgeteilt worden, dass der Betriebsratschef „einen anderen Mitarbeiter zum Betrug (durch Vortäuschung einer Erkrankung) aufgefordert habe“. Das Unternehmen wirft Verdi zufolge dem Betriebsratschef vor, einem gekündigten Mitarbeiter im tschechischen Logistik-Werk geraten zu haben, sich krankzumelden. „Daraufhin musste der Arbeitgeber tätig werden und hat beim Betriebsratsgremium einen Antrag zur fristlosen Kündigung eingereicht. Diese Vorgehensweise hat nichts mit dem Betriebsrat als Gremium zu tun und war unabhängig von der Person notwendig“, berichtet Weltbild. Ansonsten sieht man sich auf gutem Kurs: Die Gruppe hat 2017 rund 440 Millionen Euro Umsatz erwirtschaftet und beschäftigt 1350 Mitarbeiter, davon 350 in Augsburg. Der Konzern will in den nächsten fünf Jahren wieder wachsen und hat zuletzt ein Outlet in Bremen und zwei neue Filialen eröffnet.

    Dieses Jahr feiert Weltbild seinen 70. Geburtstag. Für Andrea Karl und Kurt Sauerlacher hat längst das Leben nach Weltbild begonnen. Ein Jahr nachdem sie sich arbeitslos gemeldet hatten, eröffneten sie mit ihrer erstrittenen Abfindung das Kolonial. Drei Jahre ist das her. An diesem Vormittag schauen sich viele Kunden im Laden um. Das Ehepaar ist zufrieden. Die Augsburger nehmen ihren Laden an, „wir bekommen viel Lob“, sagen sie. Auch Carel Halff sei schon vorbeigekommen.

    Diese Stellenstreichungen erschütterten die Region

    2023 Tubesolar: Dem Augsburger Start-up, das sich auf Agri-Photovoltaik spezialisiert hatte, geht das Geld aus. Dabei galt Tubesolar lange Zeit als Hoffnungsträger der deutschen Solar-Industrie. 140 Menschen verlieren ihren Job. Manche von ihnen hatten bereits die Werksschließung von Ledvance mitgemacht. 

    2022 Premium Aerotec: IG Metall, Betriebsräte und Airbus-Führung einigen sich nach fast einjährigen Verhandlungen auf ein Zukunftskonzept. Dies beinhaltet den Erhalt des Standorts als Ganzes, eine zunächst von Airbus angestrebte Zerschlagung, ist vom Tisch. Betriebsbedingte Kündigungen sind bis 2030 ausgeschlossen. 2022/23 werden mehr als 500 neue Beschäftigte eingestellt.

    2021 Premium Aerotec: Der Stellenabbau beim Luftfahrtzulieferer ist angelaufen. Über ein Freiwilligenprogramm sind bei Premium Aerotec rund 500 Beschäftigte mit teils hohen Abfindungen bis zu 350.000 Euro aus dem Unternehmen ausgeschieden. Weitere betriebsbedingte Kündigungen soll es vorerst entgegen erster Pläne nicht geben. Dafür plant Airbus eine Umstrukturierung und die Aufspaltung des Standorts.

    2021 Kuka: Wie die Automobilindustrie profitiert der Augsburger Roboter- und Anlagenbauer Kuka von einer starken Nachfrage in China und in den USA. Dieser Rückenwind hilft auch den Beschäftigten. Im November 2020 hatte der Konzern noch angekündigt, in Augsburg nach mehreren Job-Abbaurunden weitere bis zu 270 Stellen streichen zu wollen. Jetzt ist noch von gut 50 Stellen die Rede, für die vornehmlich eine sozialverträgliche Lösung gesucht wird.

    2021 MT Aerospace: Das Raum- und Luftfahrtunternhemen wird im Produktionsbereich weitere rund 100 Arbeitsplätze abbauen. Zuvor wurden schon etwa 70 auf noch rund 480 Stellen gestrichen. Im August letzten Jahres hieß es, dass sogar der gesamte Standort in Gefahr sei, würden sich nicht rasch positive Entwicklungen einstellen. Dieses Szenario ist jedoch aktuell vom Tisch.

    2020 Faurecia: Erneut ist es ein Automobilzulieferer, der der Lage in der Branche - verstärkt durch die Corona-Pandemie - Tribut zollen muss. Am Standort in Augsburg (Geschäftsbereich Faurecia Clean Mobility, übersetzt: saubere Mobilität) sollen 140 der insgesamt 1400 Stellen gestrichen werden. Dazu wird der Standort neu ausgerichtet, um noch stärker als bisher in Zukunftsfeldern aktiv sein zu können. 

    2020 Wafa: Der Automobilzulieferer, der auf Spritzguss, Galvanik und Lackierung spezialisiert ist, gibt die Schließung seines Werks in Haunstetten bekannt. Das bereits 2019 eingeleitete Insolvenzverfahren in Eigenregie sei gescheitert, heißt es zur Begründung. Nach der Krise in der Automobilindustrie sei die Corona-Pandemie maßgeblich dafür verantwortlich, dass die Pläne nicht wie gewünscht umsetzbar waren. Rund 200 Mitarbeiter sind betroffen.

    2020 MAN Energy Solutions: Der Motorbauer, der zu Volkswagen gehört, gibt bekannt, dass am Stammsitz in Augsburg bis zu 1800 Arbeitsplätze in Gefahr seien. Schon vor Bekanntgabe wurde über ein Restrukturierungsprogramm gemunkelt. Dass dieses eine solche Dimension haben könnte, kam für Beschäftigte und Arbeitnehmervertreter völlig überraschend. Nun wird nach Alternativen gesucht, um die Zahl der bedrohten Stellen deutlich nach unten zu korrigieren. Mittlerweile wurde die Zahl auf 800 bedrohte Stellen gesenkt. Die meisten können ohne betriebsbedingte Kündigungen gestrichen werden.

    2020 Premium Aerotec: Erneut macht der Luftfahrtzulieferer Schlagzeilen in Sachen Stellenabbau. Weil unter anderem wegen der Corona-Krise eine Auslastungslücke entsteht, sind bis zu 1000 Arbeitsplätze bedroht, wenn keine neuen Arbeitspakete gefunden werden.

    2020 Showa Denko: In Meitingen wird die Produktion von Grafitelektroden-Teilen eingestellt, wie der japanische Konzern bekannt gibt. 140 Stellen fallen weg, rund 50 Arbeitsplätze außerhalb der Produktion sollen erhalten bleiben. Ursprünglich hatten die Eigentümer eine Standortsicherungs- und Beschäftigungsgarantie bis ins Jahr 2022 zugesichert.

    2019 Audi: In den Werken in Neckarsulm und Ingolstadt fuhr der Autobauer seine Kapazitäten herunter. Es sollten 9500 Stellen bis 2025 abgebaut werden, aber ohne betriebsbedingte Kündigungen. In anderen Bereichen sollte dafür investiert werden.

    2019 Voith Turbo: Der Technologiekonzern gab bekannt, dass sein Werk in Sonthofen im Jahr 2020 schließen würde. 420 Mitarbeiter sind betroffen, ebenso das Werk in Sachsen. 230 Arbeitsplätze sollten wegfallen, 370 an andere Standorte verlegt werden.

    2019 Premium Aerotec: Der Luftfahrtzulieferer gab bekannt, dass bis zum Jahr 2023 bis zu 1100 Arbeitsplätze wegfallen könnten. Zwar galt diese Zahl als Worst-Case-Szenario, falls es nicht gelingen sollte, bis dahin ausreichend neue Arbeitspakete an den Standort zu holen, verunsicherte in ihrer Höhe aber dennoch die Belegschaft. Vorerst sollen ab 2021, so lange gilt ein Kündigungsschutz, 500 Stellen abgebaut werden.

    2018 Fujitsu: Es war ein Tiefschlag für Hunderte Beschäftigte und den gesamten Wirtschaftsraum Augsburg: Der japanische IT-Konzern Fujitsu würde sein Werk in Augsburg bis 2020 schließen.

    2018 Premium Aerotec: Von den bundesweit geplanten Stellenstreichungen bei Airbus war auch die Augsburger Tochterfirma Premium Aerotec betroffen - das wurde im März 2018 bekannt. Bis Ende 2019 würden 500 Leiharbeiterjobs wegfallen. Ab 2020 könnte es auch die Stammbelegschaft treffen.

    2017 Kuka: Der Roboter- und Anlagenhersteller gab im November bekannt, dass es im Bereich Anlagenbau Probleme gebe. Kuka-Geschäftsführer Till Reuter wollte daraufhin den Bereich umstrukturieren. Das bedeutete den Verlust von 250 Stellen.

    2017 Ledvance: Kurz vor Weihnachten erlebten die Arbeitnehmer bei Lampenhersteller Ledvance (früher Osram) eine böse Überraschung: Ledvance will das Werk in Augsburg schließen. 650 Stellen sind betroffen. Die Mitarbeiter kämpften - doch das Unternehmen lehnte Rettungspläne ab.

    2017 MAN Diesel & Turbo: 140 Arbeitsplätze fielen im März 2017 bei MAN Diesel & Turbo weg. Allerdings kam das Unternehmen ohne betriebsbedingte Kündigungen aus. Durch Altersteilzeit, Aufhebungsverträge und andere Mittel gelang der Abbau.

    2017 UPM: Der finnische Papierhersteller (früher Haindl) fasste Anfang des Jahres 2017 den Entschluss, eine komplette Papiermaschine in Augsburg zu schließen. Der Grund: geringe Papiernachfrage. 150 Mitarbeiter waren von den Stellenkürzungen betroffen. Doch wie bei MAN kamen die Verantwortlichen ohne betriebsbedingte Kündigung aus.

    2014 Manroland: Beim Augsburger Druckmaschinenhersteller gab es in der Vergangenheit gleich mehrfach schlechte Nachrichten für die Arbeitnehmer: Nach der Insolvenz 2011, bei der 750 Arbeitnehmer ihren Job verlieren sollten, strich Manroland im Oktober weitere 250 Stellen in Augsburg.

    2014 Horex: Die Motorrad-Marke Horex hatte ihren größten Erfolg in den 1950er-Jahren. Daimler-Benz übernahm den Hersteller 1960 und löste die Marke auf. 2010 wagte das Unternehmen mit 30 Mitarbeitern einen Neuanfang in Augsburg. Doch dann ging das Geld aus. 2014 ging das Unternehmen in die Insolvenz.

    2014 Strenesse: Die Nördlinger Modemarke Strenesse hat bis heute einen guten Ruf. Von der Glanzzeit mit einem Jahresumsatz von über hundert Millionen Euro ist allerdings nur noch wenig zu spüren. Derzeit arbeiten 230 Mitarbeiter bei Strenesse, davon 120 in Nördlingen. Eigentümerin der neuen GmbH ist eine Schweizer Holding. Die frühere Familie ist nicht mehr an dem Unternehmen beteiligt. Strenesse meldete im Jahr 2014 Insolvenz an.

    2014 Reifen Ihle: Die Günzburger Firma musste mit zwölf Niederlassungen zwischen Ulm und Augsburg 2014 Insolvenz anmelden. Zunächst trat Prolimity Capital Partners mit Sitz in Ummendorf als Käufer auf den Plan. Seit September 2017 ist das Sontheimer Unternehmen Hörger Besitzer des Reifenherstellers, der jetzt Rigdon (kurz für „Reifen Ihle Günzburg Donau“) heißt und 80 Mitarbeiter beschäftigt. Zum Zeitpunkt der Insolvenz hatte das Unternehmen 120 Mitarbeiter

    2014 Wafa: Für die Mitarbeiter des Augsburger Unternehmens Wafa gab es Ende 2015 eine betrübliche Nachricht: Das Unternehmen, das unter anderem Kühlergrills für Autos herstellt, gab bekannt, dass im Zuge des im Februar 2014 eingeleiteten Insolvenzverfahrens knapp die Hälfte der rund 330 Mitarbeiter das Unternehmen verlassen müssten. Als Käufer der Wafa wurden die Demmel-Gruppe aus dem Allgäu, ein Zusammenschluss mittelständischer Familienunternehmen, sowie der Schweizer Finanzinvestor Aetna Partners präsentiert. 

    2014 Weltbild: Weltbild hat wohl das Schlimmste hinter sich. Nach der Insolvenz im Januar 2014 hat mittlerweile die Düsseldorfer Droege Gruppe den Augsburger Verlag übernommen. Die Logistik wurde ausgegliedert und befindet sich mittlerweile in Tschechien. Am Standort Augsburg, wo einst 2300 Mitarbeiter beschäftigt waren, sind es jetzt noch 400 in Verlag und Handel. Weltbild setzt weiter auf Filialen und den Katalog, treibt aber massiv das Online-Geschäft voran und sieht sich selbst auf gutem Weg.

    2012 Leiser: Für die Schuhandelskette Leiser mit Sitz in Augsburg musste 2012 Insolvenz anmelden. 550 Arbeitsplätze fielen weg. Am Ende übernahm ein neuer Investor das Unternehmen und die etwa 900 verbleibenden Mitarbeiter. Im August 2017 schloss die letzte Filiale im Süden der Republik in der Augsburger Annastraße. Leiser befindet sich immer noch im Insolvenzverfahren.

    2011 Manroland: Noch 2008 lief es gut für den Augsburger Druckmaschinen-Hersteller Manroland. Doch die Digitalisierung schadete dem Markt. 2011 wurde das Unternehmen zahlungsunfähig. Standorte mussten schließen - in Augsburg selbst stieg aber die Lübecker Possehl-Gruppe ein. Heute heißt die Firma Manroland Websystems.

    2010 Böwe Systec: Der Augsburger Maschinenhersteller Böwe Systec geriet 2010 gleich in zwei Insolvenzen. Das Unternehmen hatte sich bei Zukäufen übernommen. Wie später bei Manroland sprang die Possehl-Gruppe ein. Allerdings verlor die Hälfte der einst 800 Mitarbeiter ihren Job.

    2009 Trevira: Nach der Zahlungsunfähigkeit im Jahr 2009 läuft es wieder besser für den Bobinger Faserhersteller Trevira. Das Unternehmen ist nun vollständig Teil des thailändischen Mutterkonzerns Indorama Ventures PCL (IVL). Die Zahl der Mitarbeiter ist seit 2011 von 1350 auf 1100 gesunken, in Bobingen von 600 auf 460.

    2004 Augsburger Kammgarn-Spinnerei (AKS): Die Augsburger Kammgarn-Spinnerei gehörte einmal zu den Großen auf dem Markt. Das Unternehmen hatte vor dem Zweiten Weltkrieg 2400 Mitarbeiter und in den 1990er-Jahren immerhin noch 900. Mit der zunehmenden Konkurrenz aus den Billiglohnländern konnte das Unternehmen aber nicht mithalten: 2004 musste es schließen.

    2005 Walter Bau-AG: Die Augsburger Walter Bau-AG war eines der größten Bauunternehmen Europas und hatte zu seinen Glanzzeiten etwa 50.000 Mitarbeiter. Doch 2005 musste die Firma Insolvenz anmelden und schließen. Gründer Ignaz Walter wirft der Deutschen Bank vor, am Niedergang seines Unternehmens mitverantwortlich zu sein.

    2005 Ibex: Das Affinger IT-Unternehmen Ibex ging 2005 unter. Obwohl es einst einen Jahresumsatz von 122 Millionen Euro vorweisen konnte, war die Firma nach einer zweiten Pleite nicht mehr zu retten. 80 Mitarbeiter verloren ihren Job.

    2005 Kieser: Neben Walter Bau und Ibex wurde 2005 auch die Neusässer Großdruckerei Kieser zahlungsunfähig. 130 Mitarbeiter waren betroffen. Am Ende übernahm ein österreichisches Unternehmen einen Teil der Firma und der Mitarbeiter.

    2004 Washtec: Der Waschanlagenhersteller baute 2004 180 Stellen ab. Im Jahr 2015 konnte das Unternehmen allerdings seinen Gewinn auf über 36 Millionen Euro steigern. Auch 2016 konnte Washtec ein erfolgreiches Jahr verbuchen.

    Diskutieren Sie mit
    0 Kommentare
    Dieser Artikel kann nicht mehr kommentiert werden