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Krankenhaus-Demo in Wertingen (29.3.2025): Das sagt die Organisatorin

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Zug geht vom Marktplatz zum Gymnasium: So ist die Wertinger Krankenhaus-Demo geplant

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    Am Samstag findet für das Krankenhaus in Wertingen eine Demonstration statt.
    Am Samstag findet für das Krankenhaus in Wertingen eine Demonstration statt. Foto: Laura Gastl

    „Ich habe noch nie so viele geschockte Menschen gesehen. So viele entsetzte Gesichter.“ Mit diesen Worten beschreibt Krankenschwester Maria Knab, was sie vor knapp zwei Wochen erlebt hat, als die Belegschaft der Kreiskliniken Dillingen-Wertingen in einer Mitarbeiterversammlung vom geplanten Insolvenzverfahren erfuhr. Klar ist: Es wird Kündigungen geben und ein Konzept, das unter anderem vorsieht, die Notaufnahme in Wertingen zu schließen. Das möchten sich längst nicht alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter gefallen lassen. Deshalb findet am Samstag, 29. März, um 14 Uhr eine Demo in Wertingen statt.

    Die Hauptorganisatorin der Protestaktion unter freiem Himmel ist Maria Knab. Seit 2000 arbeitet sie als Krankenschwester in der Wertinger Einrichtung, erst in Vollzeit, dann in Teilzeit und inzwischen als Minijobberin. Wegen der Kinder, und weil sie selbstständig eine Praxis für Naturheilkunde betreibt. „Ganz viel Herzblut“ hänge für sie am Krankenhaus, in dem sie selbst auch geboren ist. Knab vermutet, dass sie dazugehören wird, wenn die ersten Kündigungen anstehen. Und möchte jetzt für sich und ihre Kolleginnen und Kollegen kämpfen.

    Krankenschwester bemängelt „ungenaue“ Informationen vonseiten der Geschäftsführung

    Konkret geplant ist ein Demozug. Dieser startet am Marktplatz und führt zum Gymnasium, wo es mehrere Reden geben wird. Knab selbst wird moderieren. Außerdem werden Ottilie Probst als ehemalige Betriebsrätin und Werner Hafner als Vorsitzender des Deutschen Gewerkschaftsbunds (DGB), Ortsverband Dillingen, sprechen. Daneben werden Landrat Markus Müller und Hermann Buhl als ehemaliger Dritter Vorsitzender des Krankenhaus-Fördervereins Ansprachen halten. „Plakate und Trillerpfeifen sind erwünscht“, sagt Knab. Sie rechnet mit rund 500 Beteiligten. Nicht nur die Belegschaft, sondern auch die Bevölkerung und Freunde der Klinik sind dazu aufgerufen, mitzumachen.

    Was sich die Organisatorin von der Demonstration erhofft? „Das Insolvenzverfahren läuft bereits. Daran noch etwas zu ändern, wird schwierig“, ist sich Knab bewusst, die mehrere Gründe anführt, dennoch zu demonstrieren. Laut Konzept sind in Wertingen etwa eine geriatrische Reha und ein medizinisches Versorgungszentrum vorgesehen. Knab hofft, diese Dinge in ihrer genauen Umsetzung noch bestmöglich beeinflussen zu können.

    „Kleine Landkrankenhäuser sind politisch nicht mehr erwünscht“, sagt sie. Deshalb sieht Knab auch das Dillinger Haus als Einrichtung der Grundversorgung in Zukunft nicht als gesichert an. Dass dieses bestehen bleibt, sei jedoch wichtig. Die Krankenschwester fragt sich, wie sich die Verantwortlichen eine weitere Pandemie vorstellen oder die Versorgungsmöglichkeiten, sollte es in Deutschland einmal zu einem Krieg kommen. Apropos Pandemie: Während Corona hätte das Wertinger Personal gezeigt, was es kann, hätte die Abteilungen „zu den Zeiten, in denen es am heftigsten war, allein gestemmt“, so Knab. Sie ergänzt verärgert: „Und jetzt stehen wir da, als würden wir schlecht arbeiten.“

    Dann erzählt die Krankenschwester noch vom Engpass im Rettungsdienst. Weil es zu wenig Notärzte gebe, dürften die Ärzte im Krankenhaus während ihrer Arbeitszeit Notarzteinsätze fahren. „Wenn der Piepser geht, sind sie weg“, beschreibt Knab eine alltägliche Situation in der Wertinger Klinik. Doch finden hier erst einmal keine Operationen mehr statt, gibt es auch keine Anästhesisten mehr, die Rettungsdienste fahren. „Wie stellen die sich das künftig vor?“, fragt sich Knab. Sie ist außerdem im Förderverein und berichtet von vielen Mitgliedern, die nun austreten würden – weil sie verärgert seien über viel Geld, das sie in das Haus gesteckt hätten und die künftig dennoch fehlende Grundversorgung.

    Demo an der Wertinger Klinik beim Landratsamt angemeldet

    Obendrein kritisiert die Demo-Organisatorin den Informationsfluss vonseiten der Geschäftsführung. Diesen bezeichnet sie als „ungenau“. Viele Kolleginnen und Kollegen hätten Angst, fragten sich, wie es weitergeht, und hingen in der Luft. Innerhalb weniger Tage musste das Personal eine Einverständniserklärung unterschreiben, damit die Agentur für Arbeit drei Monatsgehälter zwischenfinanziert. Dieses Insolvenzgeld ist gängige Praxis in einem solchen Verfahren und sorgt dennoch für Verunsicherung bei den Mitarbeitenden. „Keiner weiß genau, was wir dürfen“, begründet Knab. Denn wer selbst kündige, weil er eine freie Stelle in einem der umliegenden Krankenhäuser antreten möchte, bekomme diese Ersatzzahlung womöglich nicht. Von der Geschäftsführung werde das Personal ungenügend informiert. Und dann ist da noch die Wertschätzung für die Pflege im Gesamten. „Es ist schlimm, wie mit uns umgegangen wird“, sagt Knab, die mit der Demo eine Plattform schaffen möchte, um darauf aufmerksam zu machen. Viel Frust liege in der Luft. „Wir müssen uns äußern, sonst gehen wir unter.“

    Die geplante Demo ist beim Landratsamt angemeldet. Landrat Markus Müller ist am Wochenende darüber informiert worden, wie er auf Nachfrage mitteilt. Die große Betroffenheit könne er nachvollziehen und verstehen. „Selbstverständlich respektiere ich, wenn vom Recht der freien Meinungsäußerung Gebrauch gemacht wird“, so der Landrat. „Gleichwohl werbe ich dafür, die schwierigen Rahmenbedingungen zu sehen, die vor allem die Krankenhausreform Kliniken im ländlichen Raum gesetzt hat.“ Der Landkreis sei an der Grenze seiner Leistungsfähigkeit angelangt. Deshalb habe die Geschäftsführung keine andere Wahl gehabt, als den Antrag auf ein Schutzschirmverfahren zu stellen. Dieses Verfahren gebe die Chance, das vom Kreistag beschlossene Medizinkonzept im Verbund mit den Donau-Ries-Kliniken umzusetzen.

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