Mit Trommeln und Trillerpfeifen haben am Samstagnachmittag rund 2000 Menschen in Wertingen für das örtliche Krankenhaus demonstriert. Von dieser Zahl spricht die Polizei, nachdem die Organisatoren zuvor von rund 6000 Beteiligten ausgegangen sind. „Wir sind hier, wir sind laut, weil ihr uns die Klinik klaut.“ Mit diesem Ruf führte Organisatorin Maria Knab den langen Protestzug der Demonstrierenden vom Marktplatz zum Gymnasium an. Gemeinsam machten sie darauf aufmerksam, was sie ärgert: dass es für die Kreiskliniken Dillingen-Wertingen zur geplanten Insolvenz gekommen ist. Und dass damit massive Änderungen einhergehen.
Überall in der Innenstadt waren Feuerwehr- und Polizeiautos zu sehen. Organisatorin Knab bat bereits im Vorfeld darum, die städtischen Parkplätze zu nutzen. Zwei Lkw sperrten die Einfahrt zum Wertinger Marktplatz ab, um den Protestzug zu sichern. Der Leiter der Polizeistation Wertingen, Josef Mayer, war mit seinen Kollegen und Kolleginnen sowie Unterstützungskräften aus Dillingen und Augsburg im Einsatz.

Krankenhaus-Demo in Wertingen heute: Dafür kämpft der Protestzug
Vor dem Gymnasium folgten die Ansprachen. Die Stimmung war aufgeheizt. Landrat Markus Müller wurde ausgebuht, weil er „das Todesglöckchen für das Wertinger Krankenhaus“ läute, wie Hermann Buhl, ehemaliger Dritter Vorsitzender des Krankenhaus-Fördervereins, in seiner Rede sagte. Er und seine Frau versprachen dem Publikum, alles zu tun, um die Einrichtung samt Notaufnahme zu erhalten. Es folgte großer Jubel. Weitere Reden gab es von Ottilie Probst als ehemalige Betriebsrätin und Werner Hafner als Vorsitzender des Deutschen Gewerkschaftsbunds (DGB), Ortsverband Dillingen. Auch Leon Florian als Kreissprecher der Linken und Betriebsseelsorger Georg Steinmetz sprachen ein paar Worte. Daneben äußerte sich Landrat Markus Müller. Knab, Krankenschwester und Hauptorganisatorin der Veranstaltung, moderierte. Sie forderte im Vorfeld nicht nur die Belegschaften, sondern auch die Bevölkerung dazu auf, gemeinsam zu demonstrieren.
Was die Demonstrierenden ärgert, ist unter anderem, dass in Wertingen die Notaufnahme wegfallen soll. Und es wird Kündigungen geben. Gleichzeitig sei die Kommunikation vonseiten der Geschäftsführung unzureichend, wie Maria Knab im Vorfeld der Aktion sagte. Sie habe noch nie so viele entsetzte Gesichter gesehen wie bei der Mitarbeiterversammlung, in der vom Insolvenzverfahren informiert wurde. Nötig wurde der Schritt, weil der Landkreis Dillingen die Kreiskliniken finanziell so nicht mehr stemmen kann. 18 Millionen Euro wird der Kreis in seinem diesjährigen Haushalt für den Defizit-Ausgleich einstellen müssen. Und dann sind da noch Schulden von rund 26 Millionen Euro aus den vergangenen 20 Jahren.
Hauptorganisatorin Knab zeigte sich im Anschluss an die Demo im Klaren darüber, dass sich am laufenden Insolvenzverfahren wohl nicht rütteln lasse. Doch: „Es tut gut, wenn man merkt, dass viele das Gleiche denken. Das gibt Kraft.“
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