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Interview mit Wertingens Pfarrerin Schobel: Wertinger Bethlehemkirche: „Hier schlägt das Herz für eine Kirche mit offenen Türen“

Interview mit Wertingens Pfarrerin Schobel

Wertinger Bethlehemkirche: „Hier schlägt das Herz für eine Kirche mit offenen Türen“

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    Marie-Catherine Schobel ist die Pfarrerin in Wertingen.
    Marie-Catherine Schobel ist die Pfarrerin in Wertingen. Foto: Laura Gastl

    Auch die evangelische Kirche hat mit Austritten zu kämpfen. Wie ist die Situation in der Wertinger Bethlehemgemeinde, die jetzt das 75-jährige Bestehen feiert?
    PFARRERIN MARIE-CATHERINE SCHOBEL: Die Menschen machen hier bei uns gute Erfahrungen. Und es ist wichtig, Vertrauen immer wieder bei ganz unterschiedlichen Menschen neu wachsen zu lassen. Beim gemeinsamen Feiern wollen wir Türen öffnen.

    Gibt es konkrete Maßnahmen, um Kirchenaustritte zu vermeiden oder Menschen, die die Kirche verlassen haben, wieder zurückzuholen?
    SCHOBEL: Auch in kirchlich schwierigen Zeiten kann man so manches tun, um sich auf unseren Auftrag als Kirche zurückzubesinnen – egal ob haupt-, neben- oder ehrenamtlich. Alle sind willkommen. Es braucht weiterhin diejenigen, die das Evangelium im Alltag weitersagen und bekennen: Kirche ist mir wichtig. Und – auf ganz unterschiedlichen Wegen, ob zu Hause, in der Arbeit, als Bürger und Bürgerinnen deutlich machen, warum Kirche das Leben und Handeln positiv prägt. Es ist ein Segen, dass viele Menschen in unserer Gemeinde in ihrem Alltag die frohe Botschaft weitergeben und untereinander Verbindung schaffen.

    Wie nehmen Sie die gegenwärtige Situation wahr?
    SCHOBEL: Die klassische Glaubensweitergabe in den Familien ist in vielen Fällen nicht mehr gesichert. Spätestens nach der Konfirmation hört bei vielen das religiöse Leben auf. Die evangelische Kirche steht vor einem tiefgreifenden Strukturwandel. Diesen wollen wir zusammen im Kirchenvorstand und gemeinsam mit den Kirchengemeinden der Nachbarschaft in der Region angehen. Dankbar bin ich über die ausgesprochen positive, vertrauensvolle und optimistische Zusammenarbeit hier bei uns im Dekanat Augsburg.

    Was leisten Ihre engagierten Laien, um die Kirche vor Ort lebendig zu gestalten?
    SCHOBEL: Wir stecken als evangelische Kirche nicht den Kopf in den Sand, sondern versuchen immer wieder nach bestem Wissen und Gewissen für heute, aber auch für die Herausforderungen in der Zukunft zu handeln. In einer Zeit großer und kirchlicher Veränderungen reizt es den Kirchenvorstand und mich, an der künftigen Gestalt der Kirche mitzuwirken und mit den Nachbargemeinden zu prüfen, welche Wege in der Zusammenarbeit gangbar sind. Was da ist, wollen wir pflegen. Was in Zukunft im Umbruch sein wird, wollen wir hier begleiten. Evangelische Christen verstehen die Kirche durchaus auch als nicht fertige Baustelle – die Kirche bleibt im besten Sinne immer reformbedürftig. Bei allem ist aber unsere frohe Botschaft wichtig: Wir dürfen nicht den Mut verlieren, sondern möchten weiterhin ausstrahlen, dass wir befreite Christenmenschen sind.
    Welche Impulse gehen von dem Jubiläum „75 Jahre Bethlehemgemeinde Wertingen“ aus?
    SCHOBEL: Wir erinnern mit dem Jubiläum an so viel Gutes, Gemeinschaft, Seelsorge untereinander als Christinnen und Christen, Begleitung, Vertrauen und Wärme, die Menschen hier über 75 Jahre erfahren haben und erfahren. Dies ist so wichtig in Zeiten, in denen Menschen so verunsichert sind. Bei unseren Veranstaltungen im Kirchenjubiläumsjahr wollen wir den vielen evangelischen Menschen, der Ökumene für das geschwisterliche Miteinander hier in der Diaspora Wertingen – Laugnatal – Zusamtal danken. Und wir danken Gott dafür. Gott ist es, der die Saat all dieser Menschen hat wachsen lassen. Es lag und liegt in Gottes Hand. Für all das, was Gott hat wachsen, wärmen und blühen lassen – bei allem Schweren und Herausforderungen – sind wir hier tief dankbar. Christus ist unser Haupt. Er und seine frohe Botschaft sind unser Zentrum, das wollen wir mit ganz vielen in und für die Gemeinde ausstrahlen. Beim gemeinsamen Feiern wollen wir Türen öffnen. Denn das habe ich sofort gemerkt bei meiner Ankunft hier– in der Bethlehemgemeinde schlägt das Herz für eine Kirche mit offenen Türen.

    Was spüren Sie bei diesem Jubiläum?
    SCHOBEL: Dass die Gemeinde seit 75 Jahren lebendig ist und positiv in die Zukunft schaut. Dass viele gerne mithelfen, ob konstant, ob spontan, ob projektbezogen oder vereinzelt – das ist ein Geschenk. Und ich spüre: Die Freude am Herrn ist ihre Stärke. (nach Nehemia 8, 10). Das berührt mich, dass ich das als Pfarrerin miterleben und mitgestalten darf.

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