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Verbraucher: Düfte und Farben - Wie Händler Kunden zum Geldausgeben verleiten

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Düfte und Farben - Wie Händler Kunden zum Geldausgeben verleiten

Düfte und Farben - Wie Händler Kunden zum Geldausgeben verleiten
Düfte und Farben - Wie Händler Kunden zum Geldausgeben verleiten

Wer von draußen in den Supermarkt kommt, den empfängt oft ein anregender Duft nach frischen Brötchen. Der Bäcker ist meist gleich am Markteingang. "Natürliche Zusatzstoffe werden mitgebacken, die den Duft noch verstärken", sagt der Werbepsychologe Franz Liebel aus Stuttgart über die Aufbackbrötchen. "Das sind erlaubte Marketingstrategien, die Emotionen wecken und das Unbewusste in uns ansprechen", erklärt Christiane Manthey, Leiterin der Abteilung Ernährung der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg. In Vorträgen macht sie auf solche und ähnliche Einkaufsfallen aufmerksam.

"Der Duft nach frischem Brot erinnert an die Kindheit, dadurch steigt die Stimmung", beschreibt Manthey die Wirkung des eingesetzten Duftes. Manche Supermärkte versprühten Orangen- oder Schokoladenduft über die Klimaanlage. "Mit Düften bekommt man einen direkten Zugang zum Gedächtnis", sagt Liebel. "Ein Duft, der positive Erinnerungen im Gehirn aktiviert, schaltet jeglich rationale Barriere aus. Zum Beispiel der Duft von einem Baby weckt instinktiv ein beschützendes, wärmendes Gefühl." Babygeruch in Dosen gebe es noch nicht, ähnliche Düfte seien aber in Pflegeprodukten.

Kaufhäuser, Supermärkte oder Autohändler steigern mit Düften ihren Umsatz, erläutert Liebel. In gebrauchten Autos werden Düfte versprüht, um die Wagen besser zu verkaufen. "Der Neuwagenduft riecht hochwertiger." Ein Schuhgeschäft rieche nach Leder - oft nur durch Sprays oder die Klimaanlage. Im Kaufhaus lockt der Parfümduft. "Die Parfümerieabteilung befindet sich an der Stelle, wo der Duft so viel wie möglich vom Kaufhaus ausfüllt, also in der Nähe des Eingangs."

Auch optisch tricksen die Läden: In der Obst- und Gemüseabteilung locken knackige Äpfel und leckere Zucchini. "Wir fühlen uns auf dem Markt, Obst und Gemüse sind in ein Licht getaucht, dass die Farben verstärkt und alles frischer aussehen lässt", sagt Alexandria Geiselmann, Ernährungsexpertin von der Verbraucherzentrale in Ulm. "Alle Sinne sind angesprochen. Wir werden in eine Wohlfühlatmosphäre verpackt." Der Kunde lasse sich mehr Zeit, bekomme mehr Appetit und kaufe mehr ein.

Kunden sollten sich solche Tricks bewusst machen und beim Einkauf kritisch hinschauen. Geiselmann rät, immer genau zu prüfen, was und zu welchem Preis man etwas einkauft. Die Verbraucherzentralen machen regelmäßig sogenannte Marktchecks und kontrollieren, ob etwa vorschrifsmäßig Grundpreise an den Regalen stehen und ob irreführende Werbung gemacht wird. Erlaubt ist die freie Regalanordnung: Teueres auf Augenhöhe, Günstigeres unten oder oben. "Es lohnt, sich mal zu bücken oder zu strecken", empfiehlt die Ernährungsexpertin. Auch bei Großpackungen wie zum Beispiel in der Süßigkeiten-Abteilung sollte man genauer hinschauen. Die seien nicht unbedingt billiger, wie Untersuchungen zeigten. (dpa)

Arno Burgi

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