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Zsolt Löw: Von Tuchels Dauer-Assistenten zum Leipziger Hoffnungsträger

Fußball

Wer ist dieser Zsolt Löw, der bis zum Saisonende RB Leipzig trainiert?

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    Bis Sommer gibt er bei RB Leipzig die Kommandos: Zsolt Löw.
    Bis Sommer gibt er bei RB Leipzig die Kommandos: Zsolt Löw. Foto: Tom Weller/dpa

    Löw übernimmt RB Leipzig – liest sich erstmal nach einer großen Schlagzeile. Es handelt sich bei genanntem Coach aber nicht um den ehemaligen Bundestrainer, sondern um Zsolt Löw. Dennoch wird es in Leipzig von nun an des Öfteren um den „Jogi“ gehen, was wiederum der Spitzname des neuen Cheftrainers ist. In seiner Zeit als Co-Trainer beim FC Bayern erklärte Löw das so: „Als ich 2002 nach Cottbus gekommen bin, konnte niemand meinen Vornamen Zsolt richtig aussprechen, deshalb wurde ich nach dem späteren Bundestrainer benannt. Jeder hat mich bei all meinen Stationen so genannt.“ Und dabei ist es geblieben. Allerdings teilen sich Jogi und Zsolt Löw wenig mehr als Spitz- und Nachnamen. Während der ehemalige Bundestrainer erkennbar wenig Probleme damit hatte, in der ersten Reihe zu stehen, ist die Cheftrainerrolle für Zsolt eine neue Erfahrung – die zudem auch nur eine vorübergehende Phase sein soll. Am Saisonende will der Mann, der bislang ausschließlich als Assistent gearbeitet hatte, wieder zu seinem Posten als strategischer Mitarbeiter im Red-Bull-Kosmos zurückkehren.

    Löw, der den Großteil seiner Zeit als Spieler in Deutschland verbracht hatte, lief für Cottbus, Rostock, Hoffenheim und Mainz auf. Bei den Rheinhessen beendete der 25-malige ungarische Nationalspieler 2011 seine Karriere. Der Trainer der 05er war damals Thomas Tuchel – eine Begegnung, die seinen weiteren beruflichen Weg bestimmen sollte. „Schon als ich 2009 in Mainz sein Spieler war, hat die Chemie zwischen uns gepasst. Wir sind auf der gleichen Wellenlänge“, sagte Löw. Zwar ging es nach dem Karriereende erstmal nach Österreich, wo er als Co-Trainer beim FC Liefering, dem Farmteam von Red Bull Salzburg, startete. In Salzburg war er Assistent des damaligen Chefs Adi Hütter, in Leipzig assistierte er zwischen 2015 und 2018 Ralf Rangnick und Ralph Hasenhüttl. Großer Vorteil für seine jetzige Rückkehr nach Leipzig: Viele Spieler aus dem RB-Kosmos – darunter Yussuf Poulsen, Peter Gulacsi oder Kevin Kampl – kennt er noch aus seiner ersten Zeit, auch die eng verzweigten Abläufe in Leipzig und Salzburg sind ihm noch bekannt.

    Mit Tuchel gewann Löw die Champions League

    Mit Tuchel blieb Löw aber während dieser Zeit in Kontakt – und wechselte 2018 in dessen Stab, als dieser bei Paris St. Germain startete. Auch beim FC Chelsea und den Bayern bildeten die beiden ein Gespann. Die Arbeit mit Tuchel beschrieb Löw so: „Ich schätze sehr, wie er mich einbezieht – bei der Trainingsplanung, Matchplanung, Trainingsleitung, Taktik. Wir treffen viele Entscheidungen zusammen und arbeiten als Team.“

    Ein Team, das es bei Tuchels Start als englischer Nationalcoach erstmals seit Jahren nicht mehr gab. Jürgen Klopp hatte Löw als eine seiner ersten Amtshandlungen als „Head of Soccer Development“ in sein Team geholt. Löws Aufgabe ist es, ein einheitliches Konzept – im nicht für Untertreibungen bekannten Fußball gerne mal als Spielphilosophie bezeichnet – für die weltweit acht RB-Standorte zu entwickeln. Ab Sommer wird das wieder seinen Arbeitsalltag bestimmen.

    Ein weiterer Klopp-Intimus ist Löws Assistent bei RB Leipzig

    Bis dahin soll Löw aber erst einmal die Saison der Leipziger retten. Ihm zur Seite steht dabei Peter Krawietz, der in Dortmund und Liverpool der Assistent Klopps war. In Mainz arbeitete Krawietz zudem als Chefscout, bevor es mit Klopp 2008 zum BVB ging. In Leipzig sollen die beiden ewigen Assistenten die Saison retten. Erstmals seit dem Bundesliga-Aufstieg droht den Sachsen eine Platzierung fernab der Europapokal-Ränge. Ein erster Schritt soll das Erreichen des Pokalfinales gegen den VfB Stuttgart am Mittwochabend (20.45 Uhr, live auf ZDF und Sky) sein. Letztlich ist der Pokal, dessen Gewinn zur Teilnahme an der Europa League berechtigen würde, für die ambitionierten Leipziger aber nur ein Trostpflaster. Die Teilnahme an der Champions League sollte es da schon eher sein – derzeit liegen die Leipziger als Sechster drei Punkte hinter Rang vier. Das Restprogramm hat es in sich: Mit Frankfurt, Bayern und Stuttgart warten in der Liga noch drei Schwergewichte.

    Letztlich geht es aber in Leipzig eben nie nur um die Saison von RB Leipzig, sondern um die Bewertung des kompletten Fußballprojektes von Red Bull. Das hat mit Jürgen Klopp als Chefstrategen erst kürzlich eine prominente wie mutmaßlich kostenintensive Aufwertung erfahren. Und auch, wenn es RB-Standorte in Brasilien, Japan und den USA gibt: Der prominenteste Standort ist der in Leipzig, alles in der Fußball-Pyramide des Brauseherstellers ist auf die Sachsen gemünzt. Dort half es dem gebürtigen Leipziger Marco Rose am Ende auch nicht mehr, dass mit Jürgen Klopp sein Mentor der neue Chefstratege ist. Rose wurde zum ersten Trainer, dessen Entlassung Klopp mitverantworten musste. Die Fußball-Romantik ist endgültig vorbei. Das weiß nicht zuletzt Zsolt „Jogi“ Löw.

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