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Formel 1: Warum ist McLaren Ferrari so überlegen?

Formel 1

Alarmstufe rot bei Ferrari: Warum ist McLaren so überlegen?

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    Für die Ferrari-Piloten Lewis Hamilton (links) und Charles Leclerc läuft es noch nicht rund.
    Für die Ferrari-Piloten Lewis Hamilton (links) und Charles Leclerc läuft es noch nicht rund. Foto: Andy Wong, dpa

    Natürlich werde man nicht aufgeben. Oder anders gesagt, wie es Formel-1-Piloten so gerne tun: „Wir werden weiter pushen“. Druck machen also und Fortschritte erzwingen. Formuliert hatte diesen Allgemeinplatz Lewis Hamilton am Sonntagnachmittag in Shanghai, als er noch davon ausgegangen war, das Rennen in China als Sechster beendet zu haben. Also vor der Disqualifikation für ihn und seinen Ferrari-Kollegen Charles Leclerc. Danach dürfte ihm bewusst geworden sein, dass es mit ein bisschen Druck machen längst nicht getan ist.

    Die Plätze fünf und sechs hatten noch als Schadensbegrenzung gegolten, wenngleich der Abstand zur Spitze gewaltig war. Ferrari fuhr also auch im zweiten Rennen nach dem frustrierenden Auftakt in Australien hinterher, eine Enttäuschung. Hätte doch mit der Verpflichtung von Hamilton der Angriff auf den WM-Titel gestartet werden sollen. Der aber ist bereits jetzt in weiter Ferne. Damit nicht genug, blamierten sich die Italiener noch mit zwei Nachlässigkeiten, die zur nachträglichen Streichung beider Autos aus den Ergebnislisten führte.

    Der Auftakt in Shanghai war noch gut gewesen

    Bei Hamiltons Dienstwagen war der Unterboden zu stark abgenutzt, Leclercs Fahrzeug verpasste das geforderte Gesamtgewicht von 800 Kilogramm nach dem Rennende um ein Kilogramm. „Unfähigkeit“ sei der Grund für die Verfehlungen, urteilte Sky-Experte Ralf Schumacher. Dabei hätten die chaotischen Zeiten bei der ruhmreichen Scuderia doch der Vergangenheit angehören sollen.

    So aber stürzte der italienische Rennstall in einen Abgrund, aus dem er sich nun mühsam befreien muss. Dabei war zu Beginn des Wochenendes der Sprintsieg von Hamilton noch als ein Signal des Aufbruchs gewertet worden. Hamiltons erster Sieg mit dem roten Renner hatte für Optimismus gesorgt. Jetzt aber ist der vermeintliche Heilsbringer als Schadensbegrenzer gefragt. Weil Ferrari in die Muster längst vergangen geglaubter Zeiten zurückfällt und sich selbst im Weg steht.

    Nach dem Erfolg vom Samstag war Hamilton im Rennen am Sonntag chancenlos. Er war sogar langsamer als Teamkollege Leclerc, dessen Bolide nach einer Berührung mit Hamiltons Auto mit gebrochenem Frontflügel unterwegs war. Über den Boxenfunk war Hamilton aufgefordert worden, seinen Teamkollegen überholen zu lassen. Verzweifelt fragte der Brite nach, wo er denn die Zeit verliere. Was er tun müsse, um schneller zu fahren. Die Antwort: Ratlosigkeit. „Nach dem Sprint haben wir die Balance verändert, danach fuhr sich das Auto schrecklich. Ich hatte große Probleme“, sagte Hamilton nach dem Rennen ernüchtert und fügte an: „Ich hoffe, dass wir so einen Fehler nicht noch mal machen.“

    Hamilton hatte sich mit dem Wechsel zu Ferrari einen Traum erfüllt. Er hatte seine Langzeitbeziehung mit Mercedes beendet, weil eine neue Verführung lockte. Ferrari ist für jeden Rennfahrer attraktiv. Sebastian Vettel war schon der Versuchung erlegen, auch Fernando Alonso. Allerdings hielt die Beziehung nicht, was sie versprochen hatte. Beide scheiterten im Versuch, Ferrari zum WM-Titel zu führen. Die Folge war eine vorzeitige Trennung. Ist der einst erfolgreichste Rennstall einfach nicht gut genug für den Titelkampf?

    Aktionismus hat noch selten geholfen

    Nur 17 Punkte hat Ferrari bislang in dieser Saison gesammelt, was Rang fünf in der Teamwertung bedeutet. Weit weg von Dominator McLaren, aber auch Mercedes. Vor allem die Entscheidung, Hamiltons Wagen nach dem erfolgreichen Sprint so sehr umzubauen, wirft Fragen auf. Und lässt die Schlussfolgerung zu, dass keiner bei Ferrari so recht weiß, wo nun ansetzen mit der Fehlersuche. Aktionismus hat selten geholfen.

    Was aber tun? Ralf Schumacher ist überzeugt, dass bei Ferrari „kein Stein auf dem anderen bleiben werde“. Der ehemalige Formel-1-Fahrer hatte dabei weniger an Umbaumaßnahmen der Zentrale in Maranello gedacht, sondern an eine intensive Fehlersuche. Ferrari braucht schnelle Lösungen. Und Hamilton Vertrauen ins Team. Der Rekordweltmeister muss sich wohlfühlen, sollte er tatsächlich um seinen achten Titel kämpfen wollen. Rückschläge wie in Shanghai sind da wenig hilfreich. Dabei hatte der Brite gerade in der Anfangsphase der Zusammenarbeit davon geschwärmt, wie stolz er sei, für Ferrari fahren zu dürfen.

    Das Hinterherfahren vom Sonntag plus die Fehler, die zur Disqualifikation führten, dürften allerdings das Vertrauen geschmälert haben. Weniger hilfreich scheint dabei Ferraris unmittelbare Reaktion nach dem Ausschluss der beiden Fahrer. „Wir werden daraus lernen, was heute passiert ist, und sicherstellen, dass diese Fehler nicht noch mal passieren“, teilte der Rennstall mit. Das sollte das Mindeste sein.

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