Nach einer Viertelstunde bekamen es die Bayern sichtbar mit der Nervosität zu tun. Wie es eben so ist, wenn Vieles für einen spricht, aber erst einmal nichts gelingen will. Die Münchner hatten sich mit dem 2:1 bei Celtic Glasgow in der vergangenen Woche in eine ausgezeichnete Position gebracht, um ins Achtelfinale der Champions League einzuziehen. Ein Ergebnis, das für das Rückspiel nicht allzu viel Spannung verhieß. Den Münchnern allerdings mangelte es zunächst an der richtigen Haltung für dieses K.-o.-Spiel. Statt mit mutiger Kontrolle die Partie früh entscheiden zu wollen, fielen die Münchner rasch in jene passive Rolle, die vor wenigen Tagen beinahe zu einer Niederlage gegen Leverkusen geführt hatte.
Die Schotten brauchten kurz, um die sich ihnen bietende Gelegenheit zu erkennen, sorgten dann aber durch druckvolles Anlaufen für zahlreiche Fehler in der Münchner Defensive. Die Bayern ihrerseits wussten nicht, wie sie auf die eigene Nervosität zu reagieren hatten. So boten sich Nicolas Kühn und gleich zweimal Daizen Maeda binnen weniger Minuten hervorragende Chancen, ihre Mannschaft in Führung zu bringen. Die Möglichkeiten blieben ungenutzt. Nun aber war immerhin allen Beteiligten klar, dass sich dieser Abend zu einer kniffligen Veranstaltung auswachsen könnte.
Bayern-Trainer Kompany setzt auch gegen Glasgow auf Rotation
Trainer Vincent Kompany hatte daran Anteil, indem er in Josip Stanisic, Raphael Guerreiro und Serge Gnabry drei Spieler von Beginn an aufbot, die gewiss schon bessere Karrierephasen hatten. Bei Spielen im Dreitages-Rhythmus ist Rotation allerdings ein probates Mittel, um die Belastung gleichmäßig auf sämtliche Spieler zu verteilen.
Für Beruhigung der flatterhaften Münchner hätte Harry Kane sorgen können, wenn er kurz vor der Halbzeit seinen Schuss statt an die Latte ins Tor gesetzt hätte. So aber gingen die Münchner mit dem Gefühl in die Pause, noch ein erhebliches Stück Arbeit vor sich zu haben. Weil Kompany den angeschlagenen Kane auswechseln musste, fehlte es den Münchnern zudem fortan an einem klaren Mittelstürmer. Kingsley Coman kam für ihn, Gnabry rückte ins Offensivzentrum an die Seite von Jamal Musiala.
Leon Goretzka vergibt kurz nach der Pause die große Chance auf Erleichterung
Leon Goretzka verpasste kurz nach Wiederanpfiff alleine vor Torhüter Kasper Schmeichel die große Chance auf die Führung. Die Münchner drückten nun vehementer, das Tor aber wollte so schnell nicht fallen, die Nervosität blieb ein ständiger Begleiter. Und weil sich dann Stanisic und und Minjae Kim zwei wirre Fehler leisteten, konnte Kühn nach 63 Minuten zur gar nicht einmal außergewöhnlich überraschenden Führung Glasgows einschieben. Nun begann die Spätschicht eine wirklich unangenehme Wendung zu nehmen. Die Zeichen standen auf Verlängerung. Goretzka und der eingewechselte Leroy Sané vergaben die Möglichkeiten, das Spiel auszugleichen und so befanden sich die Bayern zeitweise in dem unangenehmen Zustand, dass ein weiterer Gegentreffer dieser Saison eine überaus bittere Note erteilen könnte.
In der Nachspielzeit erlöste der ebenfalls eingewechselte Alphonso Davies die Münchner doch noch, als er den Ball aus kurzer Distanz ins Tor bugsierte. Das Zittern hatte ein spätes Ende.
FC Bayern Neuer – Stanisic, Upamecano, Kim, Guerreiro (64. Davies) – Kimmich, Goretzka – Gnabry (64. Gnabry), Musiala, Olise – Kane (46. Coman) Tore 0:1 Kühn (63.), 1:1 Davies (90.+4)
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