Für Sascha Franz wird das Spiel beim FC Augsburg eine Reise in die Vergangenheit: Der Co-Trainer des Fußball-Bundesligisten SV Darmstadt 98 war von 2007 bis 2009 in gleicher Funktion bei den Schwaben tätig. Augsburg sei ein Stück weit auch Vorbild für den SV 98, findet Franz.
Der FC Augsburg ist mittlerweile ein etablierter Fußball-Bundesligist. Das findet zumindest Sascha Franz. Die Lilien spielen am Samstag in Augsburg (15.30 Uhr), dann allerdings in einem Stadion, in dem Franz nicht mehr tätig war. Denn seit 2009 heißt die Heimspielstätte der Schwaben WWK-Arena. Zuvor spielten die Schwaben im Rosenaustadion.
Den Stadionbau hat Franz, der von 2007 bis 2009 in Augsburg angestellt war, noch miterlebt. „Es gab sogar schon Autogrammkarten, auf denen auch das neue Stadion zu sehen war. Den Rohbau habe ich noch mit eigenen Augen gesehen, doch trainiert habe ich die Mannschaft dort nicht mehr.“ Denn 2009 verließ er Augsburg, gemeinsam mit Holger Fach führte ihn der Weg zum FC Astana nach Kasachstan.
"In Augsburg stand zuerst das Fundament, dann kam der Erfolg"
„In Augsburg stand zuerst das Fundament, dann kam der Erfolg. In Darmstadt ist es genau umgekehrt“, sagt der 41 Jahre alte Franz. In Augsburg habe es zu seiner Zeit schon „eine tolle Jugendarbeit und eine gute Infrastruktur“ gegeben. Der Knackpunkt sei aber das neue Stadion gewesen, das das in die Jahre gekommene Rosenaustadion ersetzte. „Das war bestimmt wie bei vielen Vereinen der entscheidende Schritt, der auch zu neuen finanziellen Mitteln geführt hat. Erstmals gab es zum Beispiel auch Logen. Die ganze Infrastruktur hat sich komplett verändert.“
Das Fundament war gelegt, seit 2011 spielt der FCA in der ersten Liga. In der vergangenen Saison qualifizierte er sich gar für die Europa League – davon ist der FCA als aktueller Tabellen-16. allerdings ein Stück entfernt. Vater des Erfolgs war für Franz vor allem Walther Seinsch, der dem Verein bis Dezember 2014 vorstand und aus der Bayernliga mit viel Engagement und Geldeinsatz nach oben führte.
In Darmstadt wird jetzt an der Zukunft gebaut. Man sei dabei, ein neues Leistungszentrum zu errichten auch in die Jugendarbeit werde investiert. „Entscheidend aber war, dass die erste Mannschaft große Erfolge gefeiert hat. Das Fundament in Darmstadt wird erst erstellt.“ Der schnelle Erfolg habe dazu geführt, dass die Infrastruktur ein Stück weit hinterherhinke. Nicht schlimm sei das mit Blick auf den enorm rasanten Aufstieg, findet Franz.
Sascha Franz freut sich auf den Besuch in Augsburg
Ein besonderes Spiel sei es für ihn übrigens nicht, auch wenn er zwei Jahre in Augsburg gelebt habe und sich freue, mal wieder dort hinzukommen. „Ich kenne noch viele Leute dort – die Ärzte, den Torwarttrainer, die Betreuer, die Physiotherapeuten und auch den Pressesprecher.“ Es sei toll zu sehen, wie sich der Verein in der Bundesliga schlage, „sie haben immer auch in schwierigen Phasen die Ruhe bewahrt“. Auch das könne Vorbildcharakter haben für den SV 98.
Jürgen Seeberger war es, der Franz Ende 2012 als Co-Trainer nach Darmstadt holte, doch nach wenigen Wochen war Seeberger als Trainer schon wieder Geschichte – Dirk Schuster kam. „Seitdem ähnelt die Entwicklung in Darmstadt einer Rakete, es ging immer steil nach oben. So etwas habe ich in meinem ganzen Leben noch nie erlebt.“ Im Fußball sei generell aber wenig planbar, mahnt Franz.
Es gebe schließlich auch Beispiele wie Alemannia Aachen oder den SSV Ulm, die nach ihrer Zeit in der ersten Liga steil abstürzten. Das will der SV 98 vermeiden, und auch da könne der FC Augsburg mit der von Franz angesprochenen Ruhe durchaus ein Vorbild sein. Treffen wird Sascha Franz in Augsburg auch auf zwei Spieler, die noch zu seiner Zeit verpflichtet wurden: Daniel Baier, Sohn des ehemaligen Darmstädter Spielers Jürgen Baier und Bruder von Benjamin Baier (von 2011 bis 2014 in Darmstadt), kam vom VfL Wolfsburg, Tobias Werner von Carl Zeiss Jena. Auf sie freut sich Sascha Franz ganz besonders – noch mehr freuen würde er sich allerdings, wenn am Samstag drei Punkte mehr auf dem Konto der Lilien wären.
Einen Tipp mag er aber nicht abgeben – „ich bin da abergläubisch, ich tippe nie das Ergebnis der eigenen Mannschaft“.