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Analyse: Glück und Hitz: Wie der FCA die Punkte festhält

Analyse

Glück und Hitz: Wie der FCA die Punkte festhält

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    Marwin Hitz hat den Ball sicher in Händen.
    Marwin Hitz hat den Ball sicher in Händen. Foto: Peter Steffen, dpa

    317 Minuten hat Marwin Hitz dieses Gefühl nicht mehr gespürt, diese Ohnmacht des Torhüters, wenn er den Ball hinter sich aus dem Netz holen muss. Drei Spiele hintereinander ohne Gegentor hatte der FC Augsburg zuvor nur in der Saison 2013/2014 geschafft. Damals ließ Hitz gegen die TSG Hoffenheim (2:0), Hertha BSC (0:0) und den Hamburger SV (1:0) die gegnerischen Stürmer verzweifeln und blieb insgesamt 318 Minuten ohne Gegentor. Wenn Hitz am Samstag bei Schalke 04 (15.30 Uhr) die ersten beiden Spielminuten übersteht, ist der Rekord gebrochen. Die Null steht derzeit beim FCA.

    Neugewonnene Souveränität in der Defensive

    Der Blick in den Statistikteil verrät: Der FCA hat seine defensive Stabilität wiedergewonnen und kann nach zehn Punkten aus den vergangenen vier Spielen vor dem Saisonendspurt durchatmen. FCA-Manager Stefan Reuter stellte nach dem 0:0 gegen den 1. FC Köln fest: „Die Mannschaft hat sich an ihre alte Stärke erinnert. Sie steht kompakt, verteidigt gut und versucht, erst dann schnell umzuschalten.“ Was sind die Gründe für die neugewonnene Souveränität in der Defensive?

    Systemumstellung „Beunruhigt war ich das letzte Mal nach dem elften Spieltag, als wir gegen Bremen verloren haben und Letzter waren“, blickte Torhüter Hitz nach dem 0:0 gegen Köln relativ entspannt Richtung Saisonende. Danach stellte FCA-Trainer Markus Weinzierl sein Spielsystem um. Weg vom Versuch, mit viel Ballbesitz dem Gegner das eigene Spiel aufzuzwingen. Wieder hin zum kompakten 4-4-2-System bei gegnerischem Ballbesitz und im eigenen Ballbesitz zum schnellen Konterspiel. Beim 0:0 gegen Köln hat man aber auch gesehen, dass der FCA sich schwertut, wenn der Gegner kaum Räume für dieses Spiel öffnet. Dann werden solche Partien kein optischer Leckerbissen. Kritiker sagen dann: dem FCA fällt nichts ein. Man kann es aber auch so sehen: Im Abstiegskampf kann jeder Punkt entscheidend sein, darum muss man nicht mit höchstem Risiko auf Sieg spielen.

    Geschicktes Anlaufen Was auffällt: Seit Halil Altintop, 33, wieder in die Startelf zurückkehrte (Bremen auswärts), läuft das Anlaufen der Gegner strukturiert und geordnet ab. Er dirigiert, geht aber auch selbst weite Wege. Für die Defensivarbeit ist der Routinier derzeit sehr wichtig. Genauso wie Stürmer Alfred Finnbogason. Der Isländer geht auch lange Wege zurück und gehörte zuletzt fast immer zu den laufstärksten Augsburgern.

    Überragender Torhüter Marwin Hitz spielte eine starke Saison und hat im Saisonendspurt noch einmal zugelegt. Der Schweizer, schon immer stark auf der Linie, hat sich gerade in der Strafraumbeherrschung enorm gesteigert. In der Kicker-Rangliste liegt er mit einem Notenschnitt von 2,65 auf Platz zwei punktgleich mit René Adler (HSV) und nur ganz knapp hinter Loris Karius (Mainz) mit 2,64. Noch eine interessante Statistik: Hitz, 28, hat von allen Schweizer Torhütern in der Bundesliga die beste Fangquote. Er kommt auf 72,9 Prozent gehaltene Bälle. Roman Bürki (25/Dortmund) steht bei 68,4 Prozent, Yann Sommer (27/Gladbach) bei 66,7 Prozent, und Diego Benaglio (Wolfsburg) bei 61,8 Prozent. In der Nationalmannschaft ist Hitz hinter Sommer und Bürki Nummer drei. Bei der Europameisterschaft im Juni droht Hitz die Zuschauerrolle.

    Starke Innenverteidiger Ragnar Klavan, 30, hat sein Zwischentief überwunden. Gegen Köln gewann er fünf von sechs Zweikämpfen, hatte 106 Ballkontakte und brachte über 90 Prozent seiner Pässe an den Mann. Zusammen mit seinem Kollegen Jeffrey Gouweleeuw, 24, verurteilte er Kölns Stürmer Anthony Modeste zur Bedeutungslosigkeit. Gouweleeuw steigert sich auch immer mehr und hat seinen Konkurrenten Hong derzeit auf die Ersatzbank verdrängt.

    Effektivität Vor dem Köln-Spiel hatte der FCA in den letzten zwölf Spielen immer mindestens ein Tor erzielt. Gepaart mit der besseren Defensive sorgt dies dafür, dass der FCA in der Rückrundentabelle mit 18 Punkten auf Platz zehn steht, was wohl auch dem Leistungsvermögen entspricht. Ein Torgarant ist derzeit Alfred Finnbogason. In der Winterpause erst gekommen, erzielte der 27-Jährige in zwölf Spielen sechs Tore. Er brauchte für ein Tor 158,8 Minuten. Zum Vergleich. Anthony Modeste (1. FC Köln, 14 Tore) benötigte 192,3 Minuten pro Tor.

    Glück Beim 2:1-Auswärtssieg in Bremen oder beim 2:0-Sieg in Wolfsburg hätte das Ergebnis durchaus anders lauten können. Aber der FCA hat sich in diesen Spielen durch Kampfgeist und Willen den Erfolg verdient. Es war das Glück des Tüchtigen.

    Ausblick Am Samstag gastiert der FCA auf Schalke. Das Spiel wird wohl komplett in den Hintergrund gedrängt. Es wird das Duell der Trainer. Geht es nach den Vorhersagen der Medien, trifft dann FCA-Coach Markus Weinzierl an seinem voraussichtlich künftigen Arbeitsplatz auf seinen wahrscheinlichen Vorgänger André Breitenreiter.

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