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„Eigentümlich, arrogant und nicht sehr glaubwürdig“- Skisprungskandal weitet sich aus

Skisprung-Skandal

„Eigentümlich, arrogant und nicht sehr glaubwürdig“

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    Der Trainer der norwegischen Skisprung-Nationalmannschaft, Magnus Brevig (links), und Sportdirektor Jan-Erik Aalbu (rechts) stehen in der Kritik.
    Der Trainer der norwegischen Skisprung-Nationalmannschaft, Magnus Brevig (links), und Sportdirektor Jan-Erik Aalbu (rechts) stehen in der Kritik. Foto: Terje Pedersen/NTB, dpa

    Der Verdacht fliegt mit: Wenn die norwegischen Skispringer am Donnerstag bei der Raw Air in Oslo starten, ist alles anders: Das Team ist am Samstag bei der WM in Trondheim wegen manipulierter Anzüge aufgeflogen. Bei einer Pressekonferenz wurde am Sonntag eingestanden, dass der Verband bei zwei Anzügen wissentlich betrogen habe. Es gibt weiterhin viele Fragen – und einige Antworten.

    Was weiß man über die Videos?

    Sie zeigen für Laien unspektakuläre, wackelige Aufnahmen, die vermutlich durch ein mit schwarzen Tüchern verhangenes Fenster aufgenommen wurden. An einer Nähmaschine werden Teile zu einem Anzug vernäht, der norwegische Cheftrainer Magnus Brevig beobachtet die Arbeit. Wer die Aufnahmen gemacht und geteilt hat, ist nicht bekannt. Die Disqualifikationen am Samstag von Marius Lindvik und Johann André Forfang können jedenfalls als Beleg für ihre Authentizität gelten.

    Dürfen Skisprunganzüge verändert werden?

    „Ja, man darf den Anzug anpassen, denn der Körper ist nicht jeden Tag gleich“, erklärt der deutsche Skispringer Karl Geiger. „Der Anzug kann sich auch im Laufe der Zeit weiten. Deshalb darf nachgearbeitet werden.“ Seit diesem Winter stehen jedem Athleten pro Saison nur noch zehn Anzüge zur Verfügung. In ihnen werden sieben Chips angebracht, die zur Identifizierung dienen. Der grundsätzliche Schnitt und die Luftdurchlässigkeit dürfen, wenn einmal im Wettkampf eingesetzt, nicht mehr verändert werden.

    Gab es in Trondheim noch andere Verdachtsfälle?

    Ja. Aus Polen kam der Verdacht, dass der Anzug von Karl Geiger, der auf der Normalschanze überraschend Vierter geworden war, zu groß sei – was für bessere Flugeigenschaften und weitere Sprünge sorgen würde. „Mein Anzug wurde nachgemessen, alles wurde noch einmal gecheckt.“ Alles hat gepasst. „Das macht etwas mit einem, wenn man verdächtigt wird. So eine Unterstellung ärgert einen“, so Geiger

    Gab es nicht auch einen spektakulären Fall während der Olympischen Spiele 2022 in Peking?

    Ja, mehrere. Im Mixed-Wettbewerb wurden fünf Frauen wegen zu großer Anzüge disqualifiziert, darunter Katharina Schmid und somit das deutsche Team. Der damalige Kontrolleur Mika Jukkara wurde im Sommer danach durch Christian Kathol ersetzt. Der Österreicher entdeckte am Samstag die eingenähten steifen Bänder, die zwischen Knie und Schritt den Anzug straffen. Aber erst im zweiten Versuch, nach dem Aufschneiden der Anzüge.

    Wie groß ist der Vorteil?

    „Das bringt sicher nicht zehn Meter“, erklärt der österreichische Cheftrainer Andreas Widhölzl. „Aber natürlich bringt das einen Vorteil. Und es ist eine Gefühlssache: Wenn der Athlet merkt, dass der Anzug gut ist, dann baust du ein ganz anderes Vertrauen auf.“

    Was weiß man über den Trainer und angeblichen Drahtzieher Magnus Brevig?

    Der 41-Jährige ist seit Juli Nachfolger von Alexander Stöckl. Magnus Brevig gehört seit 2009 zum norwegischen Trainerteam. Etwa zur selben Zeit übernahm Jan Erik Aalbu das Amt des Sportdirektors. Brevig habe ihn hintergangen, sagte Jan Erik Aalbu am Sonntag bei der Pressekonferenz, die ohne Cheftrainer stattfand. Der sei schon auf dem Weg nach Oslo gewesen, wo es am Donnerstag mit dem Weltcup, der viertägigen norwegischen Serie Raw Air weitergeht.

    Wie sind die Reaktionen auf die Pressekonferenz?

    „Es gab null Einsicht. Das war sehr eigentümlich, arrogant und nicht sehr glaubwürdig“, sagte Christian Scherer, Geschäftsführer des Österreichischen Skiverbandes nach Aalbus skurrilem Auftritt. Auf die wesentlichen und offensichtlichsten Fragen habe Aalbu keine Antworten gegeben. Der 61-Jährige betonte, vorab nichts von den Machenschaften gewusst zu haben. Die Österreicher fordern, dass Norwegen im Skispringen und der Nordischen Kombination alle WM-Medaillen aberkannt werden.

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