Startseite
Icon Pfeil nach unten
Sport
Icon Pfeil nach unten

Holstein Kiel: Wie der Bundesliga-Aufsteiger den Klassenerhalt plant

Bundesliga-Serie

Holstein Kiel: Hoffen auf den Asterix-Effekt

    • |
    • |
    Der 11. Mai 2024 war einer der bemerkenswerteren Tage in der Vereinshistorie der Kieler. Durch ein 1:1 gegen Fortuna Düsseldorf sicherte sich der Klub den Bundesliga-Aufstieg.
    Der 11. Mai 2024 war einer der bemerkenswerteren Tage in der Vereinshistorie der Kieler. Durch ein 1:1 gegen Fortuna Düsseldorf sicherte sich der Klub den Bundesliga-Aufstieg. Foto: Axel Heimken, dpa

    Vor fast 25 Jahren begann in Kiel der Aufbruch in eine bessere Fußball-Zukunft. Die KSV Holstein kickte in der viertklassigen Oberliga Nord gegen Dassendorf oder Lägerdorf. Am 4. Dezember 2000 hatten die Kieler genug von der dörflichen Idylle. Sie beschlossen eine Kooperation mit den beiden regionalen Liga-Konkurrenten Altenholz und Felde, bündelten die besten Spieler und die wichtigsten Sponsoren in der Winterpause unter dem Dach von Holstein Kiel und stiegen in die Regionalliga auf. Nun fliegen die Störche in die großen Städte und Arenen der Republik und kennen nur ein Ziel: Klassenerhalt.

    Wie lautet die Kieler Philosophie? Die Kieler Sportvereinigung Holstein spielte bis zur Gründung der Fußball-Bundesliga stets in der höchsten deutschen Liga. Auf dieser Historie und etlichen nach der Zweitliga-Episode zwischen 1978 und 1981 folgenden Dürrezeiten basiert die jetzige Philosophie des deutschen Meisters von 1912, die Präsident Steffen Schneekloth so beschreibt: „Wir stehen für Bodenständigkeit und Unaufgeregtheit. Bei uns ist alles ein bisschen kleiner - wie etwa der Etat oder auch das Stadion. Der Aufstieg in die Erste Liga ist deshalb umso höher zu bewerten.“

    Keine VIP-Logen, zu kleine Umkleiden: Ein neues Stadion soll her

    Haben die Störche auch ein Problem? Die strukturellen Defizite sind an der Spielstätte gut zu erkennen. Seit sieben Jahren profitiert Schleswig-Holsteins erster Fußball-Bundesligist von einer Ausnahmegenehmigung der Deutschen Fußball-Liga, da das Mini-Stadion (15.034 Plätze) die Anforderungen der DFL nicht erfüllt. Ein Unikum ist die Haupttribüne von 1950, der damals nur eine Standzeit von 50 Jahren prophezeit wurde. Die Umkleideräume sind zu klein für Mannschaftsbesprechungen, VIP-Logen gibt es gar nicht. Nun plant die Stadt Kiel eine 25.000-Zuschauer-Arena für geschätzte Kosten von 75 Millionen Euro, Baubeginn bestenfalls nach dieser Saison.

    Welche Idee verfolgen die Kieler auf der Trainerbank? 2009 stieg der ehemalige Handball-Nationalspieler vom THW Kiel, Wolfgang Schwenke, als kaufmännischer Geschäftsführer bei den Störchen ein. Schneekloth, ein Kieler Rechtsanwalt und früherer Spielerberater, wurde 2017 Präsident. Personalentscheidungen sind seitdem überwiegend mit Sportvorstand Uwe Stöver, mit Anforderungsprofilen auf Basis intensiver Recherchen getroffen worden. So setzt der Klub seit 2016 mit Markus Anfang (U19 von Bayer Leverkusen), Tim Walter (U23 des FC Bayern), Ole Werner (eigene U23) und seit Oktober 2021 mit Marcel Rapp (U19 von Hoffenheim) auf Trainer aus dem Nachwuchsbereich. Einzige Ausnahme: Der Fehlgriff 2019 namens André Schubert. Die Pfiffigkeit der Kieler auf dem Trainersektor zeigt sich auch bei Spielerverpflichtungen. Marvin Duksch (Bremen), Salih Öczan (Dortmund) oder Atakan Karazor (Stuttgart) kamen an die Förde, um sich weiterzuentwickeln und sind längst gestandene Bundesliga-Profis.

    Trainer Marcel Rapp ist einer der Gründe für den Kieler Erfolg.
    Trainer Marcel Rapp ist einer der Gründe für den Kieler Erfolg. Foto: Daniel Karmann, dpa

    Hat Trainer Marcel Rapp Erfolg mit seiner Herangehensweise? Marcel Rapp, 45, hat es als Spieler nur auf neun Zweitliga-Einsätze für Oberhausen und den KSC gebracht („Ich war brutal ehrgeizig, aber einfach nicht gut genug“). Als Trainer gilt er als „Bessermacher“. Talente wie der von Borussia Dortmund für ein Jahr ausgeliehene Tom Rothe („Der Trainer erklärt immer wieder, wie man Situationen besser lösen kann“) oder Nicolai Remberg („Er will jeden Spieler besser machen, egal ob jung oder alt“) profitierten von Rapps Ansprachen. Auch den beim FC Bayern gescheiterte Jann-Fiete Arp brachte der gebürtige Pforzheimer wieder in die Spur, und mit Lewis Holtby und Steven Skrzybski blühten selbst Routiniers auf. 

     „Wir stehen in der Bundesliga am Ende der Nahrungskette“, sagt

    Carsten Wehlmann, Sportvorstand Holstein Kiel

    Ist ja alles schön und gut, aber wie sind denn nun die sportlichen Aussichten? Weniger die Qualität des Kaders als vielmehr das gute Miteinander in sämtlichen Bereichen gibt Anlass zur Hoffnung, dass der Aufsteiger nicht gleich wieder absteigt. Mit Kapitän Philipp Sander (zu Borussia Mönchengladbach) und Tom Rothe (zurück nach Dortmund) haben die Kieler nur zwei wichtige Kräfte verloren. Ergänzt wurde der Kader bislang aus finanziellen Gründen nur mit fünf jungen Akteuren ohne jegliche Bundesliga-Erfahrung. „Wir stehen in der Bundesliga am Ende der Nahrungskette“, sagt Sportvorstand Carsten Wehlmann. Laut Präsident Steffen Schneekloth wird es kein Umdenken geben: „Wir können und wollen keine teuren Stars verpflichten.“ Stattdessen setzen die Kieler lieber auf den Asterix-Aspekt. Sie wollen wie das kleine gallische Dorf sein, das sich gegen Branchengrößen wie Bayern oder Bayer pfiffig verteidigt.

    Diskutieren Sie mit
    0 Kommentare

    Um kommentieren zu können, müssen Sie angemeldet sein.

    Registrieren sie sich

    Sie haben ein Konto? Hier anmelden