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Berlin-Marathon: „Ich bin der Hase“

Berlin-Marathon

„Ich bin der Hase“

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    Oberstdorf/Berlin Niels Bubel hat alles, worauf Frauen stehen: Er ist schlank, schnell und selten um einen Spruch verlegen. „Ich bin der Hase der besten Damen“, sagt der 25-Jährige Berliner und Allgäu-Liebhaber vor dem Start des Berlin-Marathons am kommenden Sonntag.

    Mit einer besonderen Aufgabe reiht sich der Medieninformatik-Student unter die 40000 Teilnehmer ein, zu denen zahlreiche Läufer aus unserer Region gehören. Als Tempomacher, im Fachjargon „Hase“ genannt, soll er die beste Deutsche auf der 42,195 Kilometer langen Distanz, Irina Mikitenko aus Frankfurt, zu einem Podestplatz führen. Die 41-Jährige blieb heuer als einzige Läuferin hierzulande mit einem dritten Platz in Tokio (2:26:41) unter 2:30 Stunden. In Berlin peilt sie eine Zeit um 2:25 Stunden an – und damit einen neuen Weltrekord in der Altersklasse ab 40 Jahren.

    „Ich bin aufgeregter als vor einem eigenen Rennen. Ich habe eine große Verantwortung für Irina – und die ganze Szene guckt auf mich“, sagt der Berlin-Brandenburgische-Halbmarathonmeister (1:07:50) Bubel vor seinem Auftritt vor einer Million Zuschauer am Streckenrand. Um die 30 Kilometer lang wird er sich als Schrittmacher und Bodyguard in den Dienst der deutschen Top-Athletin stellen.

    Seine Aufgabe: Ein exaktes Tempo laufen und seine Chefin bei etwaigen Scharmützeln mit anderen Läufern verteidigen – notfalls mit Ellenbogeneinsatz. „Vor allem am Start wird es brenzlig. Da werde ich hinter Irina laufen, um sie von den heranstürmenden Massen abzuschirmen. Danach mache ich vor ihr das Tempo. Da wird wenig geredet. Das ist Vertrauenssache“, sagt Bubel, der als „Hase“ bereits Erfahrung hat. Im Vorjahr ebnete er den Weg für die Äthiopierin Tola Fate, die in 2:25:14 Fünfte wurde.

    Diesmal bat ihn Renndirektor Walter Mark Milde um einen Einsatz für Mikitenko. Ehrensache für Bubel. „Laufen ist nun mal meine Leidenschaft. Deshalb mach’ ich das ohne Honorar“, sagt der Pacemaker, der bei Deutschlands größtem Lauf-Event immerhin gute Chancen hat, sich auch einem großen Publikum an den TV-Geräten zu präsentieren. Wenn es nach Bubel geht, soll das so bleiben: Bei der deutschen Marathon-Meisterschaft am 13. Oktober in München will er mit einer Zielzeit von 2:22 Stunden erstmals aufs Podium stürmen – und seinen eigenen Rekord um vier Minuten verbessern.

    Um sich nicht völlig zu verausgaben, wird er deshalb in Berlin nur etwa 30 Kilometer das Tempo machen. Das Finish auf den letzten Kilometern bestreiten die Läufer traditionell allein – losgelöst von jedweder Taktik. So wie der Kenianer Patrick Makau, der vor zwei Jahren in Berlin in 2:03:38 den seither gültigen Weltrekord aufstellte. Diesmal fehlt der Top-Star wegen einer Knieverletzung.

    Hochkarätig besetzt ist der Berlin-Marathon mit einer Siegprämie von mindestens 40000 Euro dennoch: Neben dem zweitschnellsten Läufer aller Zeiten, Wilson Kipsang (Kenia/2:03:42), sind dessen Landsleute Eliud Kipchoge (2:05:30) und Geoffrey Kipsang (2:06:12) die Favoriten.

    Gegenüber den meist afrikanischen Begleitläufern der Stars sieht sich Bubel im Vorteil: „Ich bin zwar nicht so schnell. Aber ich kenn’ auf der Strecke jeden Gully-Deckel – und kann Irina entsprechend warnen“, sagt der aufstrebende Athlet, der sich im Allgäu auf sein Saisonfinish vorbereitete. Nach seinem Sieg im Halbmarathon im Rahmen des Allgäu Voralpenmarathon in Sonthofen (1:11:25) im August hat er im September zum zweiten Mal in der Saison ein mehrwöchiges Trainingslager bei Oberstdorf absolviert. „Die Region ist für mich etwas ganz besonderes. Zumal ich hier als Bub Ski fahren gelernt habe. Jetzt hoffe ich, dass die Allgäuer und die schwäbischen Läufer meine Heimatstadt genauso positiv erleben.“ Der Mann ist selten um einen passenden Spruch verlegen.

    Im Internet präsentiert Niels Bubel die Strecken-Highlights in einer vierteiligen Fotoreportage unter www.allgaeu-ausdauer

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