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Kommentar: Armin Laschet schaltet zu spät in den Angriffsmodus

Kommentar

Armin Laschet schaltet zu spät in den Angriffsmodus

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    Armin Laschet (rechts), Kanzlerkandidat der Union, sitzt neben Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und Markus Söder beim zentralen Wahlkampfauftakt von CDU und CSU.
    Armin Laschet (rechts), Kanzlerkandidat der Union, sitzt neben Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und Markus Söder beim zentralen Wahlkampfauftakt von CDU und CSU. Foto: Michael Kappeler, dpa

    Armin Laschets Schlafwagen ist beim offiziellen Wahlkampfauftakt der Union nicht zum ICE geworden. Zwar hielt der Kanzlerkandidat der Union eine ordentliche Rede, doch für den erhofften Knalleffekt sorgte er keineswegs. Von seinem Widersacher Olaf Scholz von der SPD, der ihn in den Umfragen inzwischen eingeholt hat, wird sich der CDU-Mann damit kaum absetzen können.

    Es ist nicht so, dass sich Laschet nicht redlich bemüht hätte im Berliner Tempodrom. Doch wirklich souverän wirkte er nicht, seinen Attacken auf den Gegner, die sich viele schon weit früher gewünscht hätten, haftete etwas Verzweifeltes an. SPD und die Grünen, mit denen man im Bund entweder regiert oder das gern würde, als linke Schreckgespenster darzustellen, ist argumentativ gefährlich. Viele Optionen hat die Union ja selbst nicht. Für Schwarz-Grün dürfte es durch die Schwäche beider Lager kaum reichen. Da müsste dann noch die FDP aushelfen. Doch Christian Lindner und die Seinen würden notfalls auch Argumente finden, als wirtschaftsfreundliches Korrektiv in eine Ampel mit SPD und Grünen einzutreten.

    Armin Laschets Horror-Show: Das linke Schreckgespenst

    Laschets Strategie ist nun, ein mögliches rot-grün-rotes Bündnis der angeblichen Steuererhöher, Wirtschaftszerstörer, Enteigner und Wohlstandsvernichter als Horrorszenario aufzubauen. Ob das verfängt, ist unklar. Denn die Linkspartei ist schwach und auch für Olaf Scholz kein Wunschpartner.

    Dass die Lage für die Union fünf Wochen vor der Wahl so ernst ist, ist nicht allein die Schuld ihres Kandidaten. Vieles, was gerade passiert, verunsichert und ängstigt die Menschen, die dabei natürlich auch auf die Rolle der Union blicken, die ja seit 16 Jahren das Sagen im Land hat. Versäumnisse zeigten sich in der Corona-Pandemie, im Kampf gegen die Klimakatastrophe oder beim Katastrophenschutz während der verheerenden Flut. Gerade verfolgen die Deutschen fassungslos die schrecklichen Bilder aus Kabul. Beim Afghanistan-Debakel muss sich eben nicht nur SPD-Außenminister Heiko Maas, sondern die gesamte Regierung einschließlich CDU-Kanzlerin Angela Merkel fragen lassen, warum sie, trotz vieler Warnsignale, unvorbereitet war.

    Merkels Rezept taugt nicht für Armin Laschet

    Niemanden mit unangenehmen Tatsachen verprellen, Gefahren kleinreden – für Angela Merkel mag das gut funktioniert haben, in einer derart turbulenten Situation reicht das aber nicht. Doch genau an dieser Schlafwagen-Strategie haben die CDU-Strategen viel zu lange festgehalten. Überhaupt zeigt sich, dass die Zustimmung, die Angela Merkel in weiten Teilen der Bevölkerung genießt, nicht automatisch auf Laschet überspringt. Andere profilierte Persönlichkeiten, die Laschet jetzt helfen könnten, sind in der CDU dünn gesät. Bände spricht, dass die aktuellen Unionsministerinnen und -minister beim Wahlkampfauftakt noch nicht einmal als Statisten auftreten durften. Auch ein „Schattenkabinett“ oder „Kompetenzteam“ hätte für neue Akzente oder zumindest Diskussionsstoff sorgen können. Doch auch diese Chance wurde nicht genutzt.

    Austausch von Armin Laschet gegen Markus Söder: Wohl trotzdem nicht

    CSU-Chef Markus Söder, der sich selbst bekanntlich für den besseren Kandidaten hält, stellte sich zwar hinter Laschet, aber nur, um ihn einmal mehr nach vorn zu stoßen. Zwischen den Zeilen ist der Frust über die Versäumnisse der CDU und ihres Kandidaten deutlich durchgeklungen. Würde die Union auf der Zielgeraden aber doch noch Söder für Laschet einwechseln, Olaf Scholz erschiene erst recht als Garant der Stabilität. Laschet muss also noch einmal deutlich nachlegen, will er nicht am 26. September die Union nach 16 Jahren in die Opposition führen. Immerhin eines ist bis dahin garantiert: Spannung pur.

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