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Rechtsextremismus: Nach Verbot: Wie gefährlich ist die Neonazi-Zelle „Nordadler“?

Rechtsextremismus

Nach Verbot: Wie gefährlich ist die Neonazi-Zelle „Nordadler“?

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    Razzia gegen Rechtsextremisten in Niedersachsen.
    Razzia gegen Rechtsextremisten in Niedersachsen. Foto: Markus Scholz, dpa

    Die jungen Neonazis machen aus ihrer rechtsextremistischen Gesinnung kein Geheimnis. Einer der Köpfe, der aus Schleswig-Holstein stammende Patrick Sch., zitierte auf seine Facebook-Seite offen den SS-Obergruppenführer und frühen Organisator des Holocausts, Reinhard Heydrich, als Losung: „Die Lösung aller Probleme ist nur möglich, wenn man als kompromissloser Nationalsozialist an sie herangeht.“

    Neonazi-Zelle „Nordadler“: Internetseite nannte sich „SS-Hauptamt“

    Der mutmaßliche Kopf der Gruppe, der 24-jährige Wladislav S. aus Niedersachsen, gab sogar einem ARD-Fernsehteam ein Interview, in dem er sich als „Nationalsozialist“ bezeichnete. Im Internet betrieb der Rechtsextremist eine Seite, die sich „SS-Hauptamt“ nannte.

    Zuletzt soll er in einer offenen Chat-Gruppe den rechtsextremen Halle-Attentäter Stephan B. für dessen Angriff auf die Synagoge gelobt haben. Andere mutmaßliche Mitglieder unterzeichneten Posts im Internet mit „Heil Deutschland“.

    Rechtsextremisten auch als „Völkische Jugend“ unterwegs

    Jetzt verbot Bundesinnenminister Horst Seehofer die Gruppe, die Experten als ausgeprägt antisemitisch beschreiben. Die Rechtsextremisten firmierten unter anderem auch unter den Bezeichnungen „Völkische Revolution“ und „Völkische Jugend“. Die Mitglieder bekennen sich laut Seehofers Ministerium zu Adolf Hitler und anderen wichtigen Vertretern des Nazi-Regimes und nutzen einschlägige Symbole und Sprache.

    Es ist das dritte Verbot einer rechtsextremistischen Vereinigung in diesem Jahr. Im Januar verbot Seehofer den militanten Verein „Combat 18“ und im März die Reichsbürger-Vereinigung „Geeinte deutsche Völker und Stämme“.

    Neonazi-Zelle „Nordadler“ soll Anschläge erwogen haben

    Die Neonazi-Zelle „Nordadler“ stand 2018 im Mittelpunkt zweier Antiterrorrazzien. Die Bundesanwaltschaft ermittelt gegen vier Mitglieder wegen des Verdachts der Bildung einer rechtsterroristischen Vereinigung. Die Verdächtigen hätten versucht, Waffen, Munition sowie Materialien zum Bau von Brand- und Sprengvorrichtungen zu beschaffen und Anschläge auf politische Gegner erwogen.

    Die Polizei beschlagnahmte vor zwei Jahren Schreckschuss-, Schlag- und Stichwaffen, sowie zahlreiche Feuerwerkskörper, aus deren Schwarzpulver Material zum Bau von Bomben verwendet werden könnte.

    Ein dringender Tatverdacht habe sich bei den Durchsuchungen nicht ergeben, hieß es damals. Auch an diesem Dienstagmorgen rückten in Nordrhein-Westfalen, Sachsen, Brandenburg und Niedersachsen Spezialkommandos zu Razzien bei sieben führenden Vertretern der Gruppe an.

    Waffen oder Sprengstoff fanden die rund 300 Beamten diesmal nicht. „Beschlagnahmt wurden in erster Linie PCs, Laptops und Handys“, sagte ein Ministeriumssprecher. „Darüber hinaus wurden NS-Literatur, Reichskriegsflaggen und andere Devotionalien wie Stahlhelme gefunden.“ Festnahmen gab es nicht.

    Gericht bestätigt Rechtsextremismusverdacht gegen „Identitären Bewegung“

    Mitglieder der „Nordadler“ sollen im Netz auch für Seiten der „Identitären Bewegung“ geworben haben. Die sich als junge Aktivsten präsentierende „Identitäre Bewegung“ wird vom Bundesverfassungsschutz als inzwischen „gesichert rechtsextrem“ eingestuft. Zurecht, wie das Verwaltungsgericht Berlin am Dienstag entschied. Die Richter wiesen einen Antrag des eingetragenen Vereins gegen die Einstufung im letzten Verfassungsschutzbericht zurück.

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