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Brexit: Zehntausende demonstrieren in London gegen Brexit

Brexit

Zehntausende demonstrieren in London gegen Brexit

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    Die Veranstalter fordern, dass das Parlament das Votum des EU-Referendums aufhebt.
    Die Veranstalter fordern, dass das Parlament das Votum des EU-Referendums aufhebt. Foto:  Sean Dempsey (dpa)

    "Wir lieben Dich, EU": Mit europafreundlichen Slogans und geschmückt in den Farben der

    Der Phantasie der EU-freundlichen Demonstranten waren am Samstag keine Grenzen gesetzt. Viele waren gelb und blau bemalt, trugen Kleidung in den Farben der EU-Flagge oder schwenkten die Fahne in den Händen. Sie sangen "Wir lieben Dich, EU" und texteten Lieder wie "Never gonna give you up" von Rick Astley in "Never gonna give EU up" um.  

    Verlassen die Briten endgültig die EU?
    Verlassen die Briten endgültig die EU? Foto: Odd Andersen/AFP

    Der von den Organisatoren "Marsch für Europa" getaufte Protestzug startete im Londoner Hyde Park und zog friedlich durch die Straßen der britischen Hauptstadt. Als die Menge in der Downing Street vorbeikam, riefen einige Demonstranten "Schande über Dich" - in der Hausnummer Zehn hat Premier Cameron seinen Amtssitz. Die Demonstration endete schließlich am Parlament.

    Die Briten hatten am Donnerstag vergangener Woche überraschend mit knapp 52 Prozent für einen EU-Austritt ihres Landes gestimmt und den gesamten Kontinent mit dem Votum geschockt. Inzwischen unterzeichneten mehr als vier Millionen Menschen eine Petition, die ein neues Referendum über die Zukunft Großbritanniens in der EU fordert.

    Brexit: Zehntausende demonstrieren in London gegen EU-Austritt

    "Die 'Leave'-Kampagne hat die Menschen in die Irre geführt", sagte die 37-jährige Demonstrantin Casey, die gelbe und blaue Blumen im Haar trug. "Ich möchte die EU nicht verlassen." Der frühere TV-Produzent Nicholas Light forderte eine neue Volksabstimmung. "Jeder weiß, dass wir dann für einen Verbleib stimmen werden." Auch der in den EU-Farben gekleidete Demonstrant David sagte: "Wir können noch etwas tun, solange Artikel 50 noch nicht aktiviert ist." 

    EU-Parlamentspräsident Schulz hat zusammen mit Parteichef Gabriel einen 10-Punkte-Plan zu einer EU-Reform erarbeitet.
    EU-Parlamentspräsident Schulz hat zusammen mit Parteichef Gabriel einen 10-Punkte-Plan zu einer EU-Reform erarbeitet. Foto: Bernd Thissen/Archiv (dpa)

    Artikel 50 der EU-Verträge regelt den Austritt eines Landes aus der EU. Damit er zum Tragen kommt, muss die britische Regierung aber erst einmal offiziell einen Austrittsantrag stellen. Wann das nach dem historischen Brexit-Referendum geschieht, ist allerdings unklar. Cameron hatte nach der Volksabstimmung seinen Rücktritt bis zum Herbst angekündigt. Mehrere potenzielle Nachfolger ließen bereits erkennen, dass sie es mit dem Antrag nicht allzu eilig haben.

    Queen Elizabeth II. sagte am Samstag im schottischen Parlament: "Wir alle leben in einer zunehmend komplexen und fordernden Welt." Vor dem Hintergrund dieser sich rasch entwickelnden Welt sei es wichtig, "ruhig und gefasst" zu bleiben. Eine gute Führung zeichne sich auch dadurch aus, dass sie genügend Raum für "ruhiges Nachdenken und Einkehr" gebe. Dies ermögliche "tiefere, kühlere Überlegungen" darüber, wie "Herausforderungen und Möglichkeiten" am besten angegangen würden.

    Brexit: Das sagt die Queen

    Die Queen äußert sich grundsätzlich nicht zu politischen Entwicklungen - ihre Worte wurden aber trotzdem als Aufruf zur Besonnenheit nach dem Brexit-Votum gedeutet.

    SPD-Chef Sigmar Gabriel sagte unterdessen in Berlin, das Ergebnis des Referendums sei "eindeutig und darum muss es auch vollzogen werden". Er warnte zudem davor, mit den Briten gleichzeitig über den EU-Austritt und neue Beziehungen zur EU zu verhandeln.

    Skeptisch zur Möglichkeit eines Exit vom Brexit äußerte sich auch Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD). "Wenn wir uns an den Fakten orientieren", dann "müssen wir ernst nehmen, dass es bei dem Brexit bleibt", sagte er der Deutschen Welle. AZ/AFP

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