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Afghanistan: Bundeswehr bricht auf, um Deutsche vor den Taliban zu retten

Afghanistan

Bundeswehr bricht auf, um Deutsche vor den Taliban zu retten

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    In der Nacht auf Montag sollen Transportflugzeuge der Bundeswehr vom Typ A400M nach Kabul aufbrechen.
    In der Nacht auf Montag sollen Transportflugzeuge der Bundeswehr vom Typ A400M nach Kabul aufbrechen. Foto: Julian Stratenschulte, dpa (Symbolbild)

    Es ist ein Wettlauf gegen die Zeit: Nachdem die Taliban faktisch die Macht in Afghanistan übernommen haben, hat die Bundeswehr damit begonnen, deutsche Staatsbürger und einheimische Helfer vor den Islamisten in Sicherheit zu bringen. Nach den Worten von Außenminister Heiko Maas sollten noch am Sonntag die ersten Angehörigen der deutschen Botschaft in Kabul aus der afghanischen Hauptstadt ausgeflogen werden. Außerdem sollten noch in der Nacht Transportflugzeuge der Bundeswehr aus Deutschland aufbrechen, um möglichst schnell möglichst viele Menschen retten zu können.

    Präsident Aschraf Ghani soll vor Taliban nach Tadschikistan geflohen sein

    „Wir setzen jetzt alles daran, unseren Staatsangehörigen und unseren ehemaligen Ortskräften eine Ausreise in den kommenden Tagen zu ermöglichen“, sagte Maas am Abend. „Die Umstände, unter denen das stattfinden kann, sind aber derzeit schwer vorherzusehen.“ Deshalb stehe die Bundesregierung in engem Austausch mit den USA und anderen Ländern: „Wir haben uns verständigt, dass wir uns bei den Evakuierungsmaßnahmen in den kommenden Tagen gegenseitig und wechselseitig unterstützen werden.“

     Die deutsche Botschaft in Kabul ist bereits geschlossen. Nach Informationen des Spiegel wurden etwa 20 Mitarbeiter und Bundespolizisten, die zu deren Schutz abgestellt sind, zum besser gesicherten Flughafen gebracht. Von dort aus sollen einige Diplomaten dann eine Art Notbetrieb aufrechterhalten. Nach bislang noch nicht bestätigten Informationen müssen mindestens 57 Botschaftsangehörige und 88 weitere Deutsche ausgeflogen werden.

    Dazu kommt eine größere Anzahl bedrohter afghanischer Ortskräfte, nachdem die Taliban alle großen Städte des Landes erobert haben, bis Kabul vorgerückt sind und dort den Präsidentenpalast eingenommen haben. Präsident Aschraf Ghani hat das Land verlassen. Angeblich ist er nach Tadschikistan geflohen.

    Innenminister Seehofer befürchtet steigende Zahl an Flüchtlingen aus Afghanistan

    Innenminister Horst Seehofer zieht eine bedrückende Bilanz des Bundeswehreinsatzes. „Was im Moment in Afghanistan geschieht, ist ein Desaster“, betonte der CSU-Politiker im Interview mit unserer Redaktion. „Das große Ziel war es, die Lebensbedingungen für die Menschen zu verbessern und Stabilität ins Land zu bringen. Heute muss man leider festhalten: Das ist gescheitert.“ Ein erneutes militärisches Eingreifen schließt Seehofer aus. Er befürchtet, dass die Zahl der Flüchtlinge deutlich ansteigen wird: „Man muss damit rechnen, dass sich Menschen in Bewegung setzen, auch in Richtung Europa. Das ist keine Angstmache, sondern eine realistische Beschreibung der Situation.“

    Die Wehrbeauftragte des Bundestages, die SPD-Politikerin Eva Högl, forderte eine „schonungslose Bilanz“ des Afghanistan-Einsatzes. „Wir haben als Gesellschaft zu wenig darüber diskutiert, was unsere Bundeswehr in den Auslandseinsätzen leistet und leisten soll“, betonte sie gegenüber unserer Redaktion. „Ich wünsche mir, dass die Gesellschaft die große Wertschätzung für die Hilfe der Bundeswehr im Kampf gegen die Pandemie und Flutkatastrophen auch überträgt auf das, was die eigentliche Aufgabe der Bundeswehr ist und was sie leistet, wenn sie in schwierige und gefährliche Einsätze geht.“

    Die für 31. August geplanten Feiern zum Abzug aus Afghanistan und dem Gedenken an die gefallenen Bundeswehrsoldaten will Högl nun verschieben: „Feierlichkeiten und ein würdiges Gedenken sind angesichts der dramatischen Entwicklungen und dem Vormarsch der Taliban derzeit nicht möglich.“

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