Das ist ja ein cleveres Rezept, das sich Christian Rach und RTL haben einfallen lassen. Man nehme als Zutaten verkrachte Existenzen und seltsame Freaks, vermischt sie alle gleichmäßig, nehme etwas Extremsituation hinzu und würzt das Ganze mit einer Prise Druck. Et voilà - fertig ist die neue Dokusoap "Rachs Restaurantschule".
Zwölf Männer, Frauen, Jungen und Mädchen hat sich TV-Restauranttester Christian Rach unter den vielen Bewerbern in der ersten Folge ausgesucht. Ihnen will er die Chance auf einen neuen Arbeitsplatz oder einen Ausbildungsplatz geben - und zwar in einem eigenen Restaurant in Hamburg. Das existiert bislang buchstäblich nur in Bruchstücken. Die zwölf Mitstreiter können sich also nicht ins gemachte Nest setzen. Im Gegenteil, sie sollen das Restaurant von Grund auf mit aufbauen. Und damit von der schiefen Bahn herunterkommen
Beim Zuschauer tauchen da berechtigte Zweifel auf, ob die Zwölf dafür geeignet sind. Doch Christian Rach, wie immer unausgeschlafen dreinblickend dafür umso wilder gestikulierend, glaubt natürlich an seine Schäfchen. Zweifel contra Glaube - Zuschauer contra Rach - dieses Konzept verspricht Spannung. Wird sich zeigen, ob die Einschaltquote das genauso sieht.
Um die passenden Teilnehmer für Rachs Restaurantschule zu finden, wurde tief in den sozialen Sumpf gegriffen. Rena, die seit sie 15 Jahre alt ist, allein lebt, weil sie es zuhause nicht mehr aushielt. Rena lebt von Kindergeld und HartzIV, hat keinen Job, steht täglich zwischen 10 und 12.30 Uhr auf, um sich dann vor den Computer zu setzen. "Ich will zeigen, dass ich nicht die faule Sau bin", sagt sie über ihre Motivation, bei Rachs Restaurantschule teilzunehmen. Und fügt trotzig hinzu: "Ich bin 1,75 groß und wiege 135 Kilo - so." Was ihr von RTL folgende Bauchbinde einbringt, sobald die Kamera auf sie zuhält: "Rena (20) wiegt 135 Kilo und will in den Service."
Nacheinander werden Christian Rachs Zöglinge, mit denen er innerhalb zwei Monaten das Restaurant aufbauen will, porträtiert. Es ist eine Freakshow. Der 28-jährige Collin wurde von seiner schwangeren Freundin rausgeworfen und ist seitdem obdachlos. Tim saß wegen Betrügereien bereits im Knast, die 44-jährige Angelika lebt allein mit über 100 Stofftieren, mit denen sie sich natürlich auch unterhält, und der 18-jährige Paul stammt aus reichem Hause und hat in der Schule bereits 400 Fehlstunden. Ach ja und nochmal zu erwähnen Rena ("... wiegt 135 Kilo und will in den Service..."), die aus Geldenkirchen außer zur Klassenfahrt noch nie rauskam. Jetzt schon. Eben nach Hamburg zu Christian Rach.
Während man das unweigerliche Gefühl hat, dass diese Menschen von RTL regelrecht vorgeführt werden, nimmt man umso lieber Christian Rachs Aufrichtigkeit ab. Wenn er die kunterbunte Meute antreibt und motiviert, als ginge es um sein eigenes Schicksal und dabei leidenschaftlich ausruft: "Ich möchte spüren, wer von Euch den Job wirklich will."
Und so gibt es in der ersten Folge von Rachs Restaurantschule für die Teilnehmer einiges zu bewältigen. Da man in der Gastronomie des Schreibens und Rechnens fähig sein muss, ruft Christian Rach gleichmal zum Diktat, zur Textaufgabe und einer Wissensfrage (An welchem Fluss liegt Frankfurt am Main?). Danach müssen Rachs Zöglinge Kräuter, Gemüse, Fisch und Fleisch bestimmen. Was zur gegenseitigen und zugegeben auch zur Belustigung des Zuschauers führt. Einer der Teilnehmer zum Staudensellerie (da hatte er von den anderen den Begriff "Stauden" schon aufgeschnappt): "Das ist Staudensalat." - Christian Rach: "Bitte?" - "Äh, Staudsalat." Eine andere kommt ihm zu Hilfe: "Nein, das ist Rhabarber."
Natürlich wurden die Zwölf irgendwann auch an den Herd losgelassen. Und kugelten sich beim Eiweißschlagen nahezu die Arme aus. Und ließen Zwiebeln und Scampis anbrennen. Alles ausbaufähig also.
Mal sehen, ob das Rezept von Rachs Restaurantschule bei den Zuschauern ankommt. Es ist jedenfalls eine Mixtur von schon einigen auf Privatsendern dagewesenen Dokusoaps. Ina Kresse