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Naturkatastrophe: Mehr als 200 Menschen sterben bei Schlammlawine in Kolumbien

Naturkatastrophe

Mehr als 200 Menschen sterben bei Schlammlawine in Kolumbien

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    Soldaten helfen den Einwohnern der Stadt Moncoa (Kolumbien). Drei Flüsse hatten sich zu reißenden Strömen entwickelt, die wie Lawinen alles mitrissen.
    Soldaten helfen den Einwohnern der Stadt Moncoa (Kolumbien). Drei Flüsse hatten sich zu reißenden Strömen entwickelt, die wie Lawinen alles mitrissen. Foto: Uncredited/Colombian National Army/dpa

     Alexander Lopez rannte um sein Leben. Fünf Minuten lief er, so schnell er konnte, weg von den Wassermassen der Flüsse Mocoa, Sangoyaco, Taruca und Mulato, die zu einer gewaltigen Schlammlawine zusammengewachsen waren. Er entschied sich für die richtige Richtung – und überlebte. „Viele meiner Freunde haben ihre Familie und ihre Häuser verloren. Zumindest meine Leute sind noch am Leben“, berichtet er der Zeitung El Tiempo. Alles, was er noch besitzt, trägt er am Leib. „Aber: Ich lebe noch.“

    Die Katastrophe überrascht die Kolumbianer in der Nacht zum Samstag gegen 23 Uhr. Verwackelte Videos zeigen, wie die Menschen der 40.000-Einwohner-Stadt Mocoa zugleich erschrocken und fasziniert die ersten Wassermassen beobachten. Wenig später filmt niemand mehr.

    Stattdessen rennen die, die es noch können, um ihr Leben. Denn nun bahnt sich eine Lawine aus Schlamm, Geröll und Wasser ihren Weg durch die Stadt an der ecuadorianischen Grenze. Am Sonntagabend war von mindestens 230 Toten die Rede. Es wird mit weiter steigenden Opferzahlen gerechnet.

    Schlammlawine in Kolumbien: Es gibt nicht genug Särge

    Die Bilder, die sich am Samstag bei Tagesanbruch zeigen, sind erschütternd: Entwurzelte Bäume, eingestürzte Häuser, dazu riesige Felsbrocken, die mit dem Wasser alles niederwalzten. Dazwischen Helfer, die Schwerverletzte und Leichen transportieren.

    Auch Kolumbiens Präsident Juan Manuel Santos ist schockiert, als er sich vor Ort ein Bild macht. Santos ringt hörbar um Worte und kündigt schließlich an, alles zu tun, damit die Opfer würdig beerdigt werden können. Schon jetzt ist abzusehen, dass es eine große Trauerfeier geben wird. Dabei gibt es im Moment nicht einmal genug Särge, berichtet ein lokaler Radiosender.

    Noch am Unglücksort löst Santos Katastrophenalarm aus, damit entsprechende Mittel aus dem Staatshaushalt freigegeben werden können. In der verhängnisvollen Nacht seien 30 Prozent der Regenmenge niedergegangen, die normalerweise in einem Monat zu erwarten sind, erklärt er. Diese Massen hätten die Flüsse nicht aufnehmen können. Am Sonntag ist er mit mehreren Ministern erneut nach Mocoa gereist.

    Starke Regenfälle treffen Kolumbien

    Wie in Peru vor wenigen Wochen wird auch Kolumbien derzeit von ungewöhnlich heftigen Regenfällen heimgesucht. „Die halbe Stadt ist weggespült“, ruft ein Bewohner aus der Ferne, als er am Samstag den Tross um Santos sieht. Die Katastrophe hat die „Nabelschnur“ der Stadt durchtrennt. Es gibt keinen Strom, kein Trinkwasser, kein Gas. Im Krankenhaus fehlt es an Betten, Medikamenten und Hilfsmitteln, um die Verletzten zu versorgen.

    Insgesamt sind 17 von 40 Stadtvierteln von der Katastrophe betroffen. Viele Häuser existieren nicht mehr, die Bewohner hatten keine Chance. Ihnen wurde im wahrsten Sinne des Wortes der Boden unter den Füßen weggespült. Andere wurden in den Trümmern zerquetscht oder ertranken. Mocoas Bürgermeister José Antonio Castro sagte, dass viele zwar rechtzeitig gewarnt worden seien, es dann aber nicht mehr geschafft hätten, aus den betroffenen Stadtvierteln in höher gelegene Stadtteile zu gelangen.

    Die Katastrophe aus der Luft: Ganze Wohnviertel wurden bei Überschwemmungen und Erdrutschen unter Schlamm begraben oder weggerissen.
    Die Katastrophe aus der Luft: Ganze Wohnviertel wurden bei Überschwemmungen und Erdrutschen unter Schlamm begraben oder weggerissen. Foto: Cesar Carrion/Colombian Presidential Press Office (dpa)

    Was die Lage für die Kleinstadt besonders dramatisch macht: Zwei Brücken – die einzigen, die in der Nähe über die Flüsse führen – sind eingebrochen. Etwa 2500 Helfer waren am Wochenende im Einsatz, die kolumbianische Armee und das Rote Kreuz leisteten schier Übermenschliches. Papst Franziskus sowie Bundeskanzlerin Angela Merkel zeigten sich tief betroffen.

    In Kolumbien hatte sich nach Ausbruch des Vulkans Nevado del Ruiz vor 31 Jahren die weltweit bisher schlimmste Katastrophe durch eine Schlammlawine ereignet. Damals wurde die Stadt Armero ausgelöscht, 25 000 Menschen starben.

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