Für eine kleine Gemeinde wie Riesbürg erscheint eine Investition von 11,1 Millionen Euro brutto auf den ersten Blick als kaum realisierbar, weil sie eine hohe Verschuldung für die Kommune mit sich bringt und die weitere wirtschaftliche Entwicklung des Landes nicht vorausgesehen werden kann. Dennoch nimmt der Gemeinderat diese Herausforderung an und will trotz vereinzelter Bedenken in der Bürgerschaft eine neue Ganztagsgrundschule (5,5 Millionen) bauen und parallel dazu die in die Jahre gekommene Römerhalle in Utzmemmingen (5,6 Millionen) generalsanieren lassen. Bürgermeister Willibald Freihart, der mit Verve, aber auch mit Augenmaß die beiden Großvorhaben vorantreibt, hat freilich gute Argumente auf seiner Seite.
Zum einen wird es ab 2026 einen Rechtsanspruch auf eine Ganztagsbetreuung von Kindern im Grundschulalter geben. Auf der anderen Seite hat die 1981 entstandene Römerhalle ihre besten Zeiten hinter sich und bedarf dringend einer Modernisierung. In der jüngsten Sitzung des Gemeinderates hat Architekt Mathis Tröster vom Büro ACT aus Rainau bei Ellwangen die beiden Projekte im Detail vorgestellt. Für ihn und sein Büro stellten sie eine große Herausforderung dar, räumte er ein. Sowohl er als auch die Gemeinde hätten nicht damit gerechnet, zum Jahresanfang einen Förderbescheid aus Stuttgart über 1,4 Millionen Euro aus dem Investitionsprogramm Ganztagsausbau des Landes zu erhalten. Diese Finanzzusage sei schließlich der Impuls dafür gewesen, die beiden ehrgeizigen Vorhaben früher als geplant anzugehen. Im Laufe des Jahres wird laut Bürgermeister Freihart die Kommune weitere Zuschussmittel des Landes beantragen.
Riesburg baut eine neue Grundschule und saniert Römerhalle
Nach Darstellung des Architekten wird die Ganztagsgrundschule „einfach konstruiert“ sein und getrennte Bereiche für den normalen Unterrichtsbetrieb sowie den Ganztagsbereich erhalten. Das Gebäude selbst bestehe aus einem Erd- und einem Obergeschoss. Der untere Teil sei Massivbauweise, der oberen bestehe aus Holzelementen. Das gesamte Bauwerk biete Barrierefreiheit. Tröster legte Wert darauf zu betonen, dass bei der Konzeption der beiden Vorhaben die Nutzung von zahlreichen Synergien im Vordergrund gestanden habe. So werde etwa eine neue Küche sowohl für die Halle selbst, als auch die Schule genutzt. Für kleine Veranstaltungen sei eine kleinere Teeküche geplant. Neu wird Tröster zufolge eine Mensa sein, in der die Schüler vom benachbarten Schulgebäude ihr Mittagessen einnehmen können. Dieser Raum eigne sich jedoch auch für andere Nutzungen.
In dem neuen Schultrakt gibt es dem Architekten zufolge vier Klassenzimmer für den Regelunterricht, zwei im Erdgeschoss und zwei oben. Drei separate Räume dienten der Ganztagsbetreuung außerhalb der Unterrichtszeiten. Zusätzliche Zimmer gebe es für Basteln, Lesen oder „Chillen“. Der Schützenverein Sankt Martin bleibe wie bisher in seinem Domizil im Untergeschoss der Römerhalle, wo sich auch Umkleiden und Duschen für den Sportbetrieb befinden. Die Energieversorgung soll laut Rathauschef Freihart mittels Fernwärme oder Hackschnitzel erfolgen. Der Bürgermeister geht auch davon aus, dass sich die Bürgerschaft mit Eigenleistungen einbringe.
Im November wird die Römerhalle geschlossen und mit den Bauarbeiten begonnen. Ausweichquartier ist für die nächsten Jahre die Goldberghalle in Pflaumloch. Der Schulbau soll im Februar/März 2026 starten. Fertig müssen die Großvorhaben im August 2027 sein.
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