„Jeder kann einen Käfer zertreten, aber kein Ingenieur kann einen herstellen“. Dieses Zitat gibt die Position treffend wieder, die Johann Diethei vertritt: wenn natürliche Ressourcen zerstört sind, können technologische Kompetenzen sie nicht adäquat ersetzen. Diethei ist mit seiner „Oekoprojekt21 Kinder und Zukunft Foundation“ in der Region angetreten, um Menschen und Gelder zu sammeln, damit Leben und Wirtschaften „eine neue Qualität bekommen“ und „Wohlstand und Wachstum eine neue Bedeutung“, wie dem Flyer der Organisation zu entnehmen ist.
Diethei ist ein Vertreter der Gemeinwohl-Ökonomie: der Erfolg wirtschaftlicher Aktivitäten soll dem Gemeinwohl zugutekommen, nicht einzelnen Unternehmen oder Personen. Zu diesem Konzept gehört ein wirtschaftlicher Kreislauf: die hergestellten Produkte werden gemeinsam vermarktet, die Erlöse fließen zurück an die Erzeuger. Bei Diethei, einem gelernten Gartengestalter aus Reimlingen, geht es um die Bewirtschaftung von Feldern und den Anbau von Lebensmitteln nach ökologischen Standards. Zur Umsetzung der Idee arbeitet er mit verschiedenen Gesellschaften: Oekoprojekt21 ist aktuell eine gemeinnützige Gesellschaft (gGmbH), die er mittelfristig in eine Stiftung umwandeln will. Sie wird die Erträge und Gewinne verwalten und verteilen. Den Vertrieb der landwirtschaftlichen Produkte übernimmt Ekopro Handeln, eine Gesellschaft, die Diethei neu gegründet hat und deren Geschäftsführer er ist. Für die Lebensmittelerzeugung will er zwei Ökoregionen entwickeln: die eine in Bosnien und Herzegowina, die andere im Ries. In diesen Regionen soll es ein Institut geben, das den ökologischen Anbau fördert und unterstützt, ein „Gesundhaus“, für die Bevölkerung und eine „Lebensschule“, die eine „lebensreale Bildung“ vermittelt, wie im Flyer zu lesen ist. So soll in den Ökoregionen nicht nur eine nachhaltige Bewirtschaftung von landwirtschaftlichen Flächen entstehen, sondern auch ein gemeinschaftliches Zusammenleben der Bewohner. Es gebe dort keine Konkurrenz, konkretisierte Diethei seine Vision. Man schaffe Arbeitsplätze, ohne die Umwelt zu zerstören.
Projekt von Johann Diethei: Grundstein in Bosnien Herzegowina soll im Juli gelegt werden
Eine interessante Idee. Wie sieht es mit der Umsetzung aus? In Bosnien Herzegowina gibt es laut Johann Diethei schon einen Termin für die Grundsteinlegung: Sie soll am 14. Juli 2025 sein. Die Förderung des Projektes soll aus Mitteln erfolgen, die das Land als EU-Beitrittskandidat erhält. Die Beantragung soll durch Geschäftspartner in Sarajevo erfolgen. Diethei hatte deswegen auch Kontakt mit dem Europaabgeordneten Manfred Weber, Mitglied der CSU und Vorsitzender der Europäischen Volkspartei. Weber habe mögliche Ansprechpartner in Bosnien-Herzegowina genannt. „Darüber sind weder Herr Weber noch unser Büro mit dem Projekt näher befasst“, teilte das Büro des Abgeordneten dazu am 24.12.2024 auf Anfrage mit.
Im Ries möchte Johann Diethei die Ökoregion im Kartäusertal errichten. Sie soll von der Kirche in Christgarten bis unterhalb der Ruine Niederhaus reichen. In diesem Gebiet liegt der Karlshof, den Diethei erwerben will. Auf dem Grundstück soll das EMA-Institut entstehen, das den Aufbau der Ökoregion unterstützt und fördert. „EMA“ steht dabei für „Eco-Macher“, einem Namen, mit dem Diethei seine Idee bewirbt. Ob der Kauf des Grundstücks möglich sein werde, ist laut Diethei noch offen. Er sei Initiator und Vernetzer und sammle jetzt Menschen um sich, die zusammen mit ihm etwas bewegen wollen. Die beiden Bürgermeister des Gebiets der geplanten Ökoregion sind noch nicht eingebunden, teilten Armin Sporys aus Hohenaltheim und Petra Eisele aus Ederheim mit. Das Oekoprojekt21, das ein Büro im TCW in Nördlingen bezogen hat, steht im Ries also noch am Anfang.
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