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Wie der Streuobstwiesen-Verbund in Langenhaslach alte Obstsorten rettet und regionale Vielfalt fördert

Meine Heimat: Streuobstwiesen im Markt Neuburg

Retter der Streuobstwiesen: Ein Verein kämpft für Vielfalt, Tradition und Biodiversität

Im Rahmen der Baumschnittkurse, die der Verein anbietet, werden die Teilnehmenden von Experten unterrichtet. Der Verein profitiert vom enormen Engagement und Sachverstand seiner Mitglieder. Diese setzen sich mit Herzblut für den Erhalt der Streuobstwiesen ein.
Im Rahmen der Baumschnittkurse, die der Verein anbietet, werden die Teilnehmenden von Experten unterrichtet. Der Verein profitiert vom enormen Engagement und Sachverstand seiner Mitglieder. Diese setzen sich mit Herzblut für den Erhalt der Streuobstwiesen ein. Foto: Streuobstwiesen-Verbund

Als Marina und Harald Behr vor 15 Jahren ihren Bauernhof in Langenhaslach erwarben, war für sie klar: „Zu einem richtigen Haus gehört eine Streuobstwiese“. Schnell waren die ersten Obstbäume auf dem Grundstück gepflanzt – doch wie geht es weiter?

„Ein Obstbaum braucht im Schnitt fünf Jahre, bis er erste Früchte trägt. Hier muss man langfristig denken und den Baum als lebendes Wesen sehen, das gut gepflegt werden muss“, erklärt Harald Behr. Sei es die Herstellung von Saft oder der richtige Baumschnitt – das Ehepaar erkannte, dass viele Menschen unterschiedlichstes Interesse am Thema Streuobst haben. „Die Streuobstwiese ist in unseren Breitengraden die vielfältigste Kulturlandschaft, die wir kennen“, so die einhellige Meinung der beiden.

Gemeinsam für den Erhalt eines lebendigen Paradieses

Ihnen wurde bewusst, dass zu dessen Schutz und Erhalt viel mehr getan werden muss als bisher. Am 9. März 2023 gründeten Marina und Harald Behr offiziell den Verein „Streuobstwiesen-Verbund“ mit Sitz in Langenhaslach. Dieser hat derzeit 50 Mitglieder, darunter Spezialisten wie Baumpfleger, Forstwirtschaftsmeister, Baumschulgärtner, ein zertifizierter Streuobstpädagoge sowie eine Natur-, Umwelt- und Kräuterführerin. Von dieser vielseitigen Expertise sowie dem daraus entstandenen Netzwerk profitiert der Verein.

Bayerische Streuobstwiesen halten eine fantastische Genuss- und Artenvielfalt lebendig. Rund 3000 bis 5000 oftmals gefährdete Tier- und Pflanzenarten finden hier ihr Zuhause. Dazu kommen zahlreiche Obstsorten – vor allem Äpfel, Birnen, Kirschen, Pflaumen und Walnüsse, aber auch Quitten und Wildobst. Die UNESCO hat den Streuobstanbau in Deutschland als Immaterielles Kulturerbe aufgenommen.

Pflanzen, Fördern, Schützen – das Motto des Vereins

Harald Behr erklärt: „Früher prägte der Obstanbau die Struktur der Dörfer. Sogenannte Streuobstgürtel wurden am Dorfrand gepflanzt, als Schutz vor Wind und Witterung.“ Das Obst als saisonales Lebensmittel, welches sowohl zum Frischverbrauch als auch für die Vorratshaltung genutzt wurde, war für die Versorgung der Bevölkerung von großer Bedeutung. Doch diese nahm drastisch ab. Zur Förderung der Wirtschaftlichkeit wurden ab den 1950er Jahren sogar Rodungsprämien für Streuobstflächen bezahlt. Von 1950 bis heute sind die Streuobstbestände um bis zu 80 Prozent zurückgegangen.

Um dem entgegenzuwirken, hat die bayerische Staatsregierung im Jahr 2021 den Streuobstpakt und die Aktion „Streuobst für alle“ ins Leben gerufen. Wer Obstbäume pflanzt, kann Zuschüsse bekommen. Gemeinsam mit der Gemeinde Münsterhausen hat der Streuobstwiesen-Verbund im Rahmen dieser Kampagne kürzlich 27 neue Obstbäume gepflanzt. Bis zu 45 Euro gab es pro Baum. Auf dem Naturlandhof der Familie Schmidberger in Waltenhausen entstehen etwa zwanzig neue Obstbäume. Auch in diesem Jahr können sich Privatpersonen, Vereine, Verbände und Kommunen, die sich für eine Neupflanzung interessieren, beim Streuobstwiesen-Verbund melden.

Apfelfest in Stoffenried lockt viele Besucher

Das ist nur eine der vielen Aktionen und Veranstaltungen, die für den Verein in diesem Jahr auf dem Programm stehen. Unter anderem werden wieder Baumschneidekurse, ein Kurs zur Veredelung von Obstbäumen sowie das beliebte Apfelfest in der Kreisheimatstube in Stoffenried stattfinden. „Wir haben großes Glück, dass so viele unserer Mitglieder wirklich aktiv dabei sind“, so Marina Behr.

Das Apfelfest in Stoffenried ist ein Höhepunkt im Kalender
aller Obst- und Naturliebhaber des Landkreises.
Das Apfelfest in Stoffenried ist ein Höhepunkt im Kalender aller Obst- und Naturliebhaber des Landkreises. Foto: Streuobstwiesen-Verbund

Einer von ihnen ist Benedikt Knaier. In seiner Freizeit ist er oft in der Region unterwegs – auf der Suche nach außergewöhnlichen Apfelsorten. Wenn ihm ein besonderer Schatz in die Augen fällt, unterhält er sich mit den Besitzern und nimmt eine erste Analyse vor. Anschließend schickt er den Apfel zu verschiedenen Pomologen (Apfelkundlern) um dessen Herkunft bestimmen zu lassen. Wenn selbst diese ihn nicht kennen, hat er eine echte Rarität entdeckt.

Alte Obstsorten für die Zukunft erhalten

Mit Einverständnis des Besitzers können nun Reiser vom Baum entnommen, die Pflanze veredelt und in Töpfe gesetzt werden. Der Zweck des Ganzen? Alte Obstsorten auch in Zukunft zu erhalten. „Im Handel gibt es maximal fünf Apfelsorten, die sich geschmacklich wenig unterscheiden. Das ist bei den alten Sorten anders, hier schmeckt man die Vielfalt“, sagt Marina Behr. Das übergeordnete Ziel des Vereins ist die Anlage eines Sortenerhaltungsgartens, in dem alte, regionale Sorten gepflanzt werden, um sie für die Zukunft zu erhalten. Derzeit ist der Verein noch auf der Suche nach einem passenden Grundstück.

Ein weiteres Anliegen des Vereins: Obst aus regionalen Streuobstbeständen ohne lange Transportwege erntefrisch und vollreif auf den Tisch bringen. Mitglieder verkaufen ihr Streuobst an umliegende Anbieter, beispielsweise an den Augsburger Stadtmarkt oder einen Unverpackt-Laden in Ulm. Marina und Harald Behr vermitteln den Kontakt. „In einigen der Verkaufskisten liegen mittlerweile sogar Bilder von den Streuobstwiesen, von denen geerntet wurde. So hat der Konsument wieder einen regionalen Bezug zu seinem Produkt“, so Marina Behr. Dieser sei vielen Menschen im Laufe der Zeit verloren gegangen.

Mehr als „nur“ ökologisches Engagement

Obwohl das Thema Streuobst oftmals emotionale Erinnerungen bei den Menschen hervorruft, wie Harald Behr erzählt. Ein duftender Bratapfel aus dem Ofen, ein selbst gebackener Zwetschgenkuchen oder ein Glas frischer Apfelsaft – all das fühlt sich für manchen an, wie eine Reise in die Vergangenheit, zu Besuch bei Oma und Opa. Die Arbeit des Streuobstwiesen-Verbundes ist mehr als ökologisches Engagement. Es geht um einen wertvollen Kulturschatz, der unbedingt für nachfolgende Generationen erhalten bleiben muss.

Wissenswertes zum Streuobstwiesen-Verbund e.V.

Termine und Kurse Icon Pfeilspitze nach unten
  • Samstag, 15. März 2025: Veredelung von Obstbäumen, Neuburg an der Kammel
  • Samstag, 29. März 2025: Schneiden von Obstbäumen, Neuburg a.d. Kammel
  • Sonntag, 27. April 2025: Streuobstwiesentag beim Bauernmarkt, Neuburg a.d. Kammel
  • Sonntag, 12. Oktober 2025: Apfelfest, Kreisheimatstube Stoffenried
Infos und Kontakt Icon Pfeilspitze nach unten

Streuobstwiesen-Verbund e.V. Marina und Harald Behr Edelstetter Str. 20 86476 Langenhaslach

E-Mail: info@streuobstwiesen-verbund.de

Weitere Infos unter: www.streuobstwiesen-verbund.de

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