Nach der Jahrhundertflut im Juni 2024, von der unter anderem Schrobenhausen massiv betroffen war, und mehreren Starkregenereignissen im Landkreis Neuburg-Schrobenhausen, steht der Hochwasserschutz in vielen Gemeinden weit oben auf der Liste der kommunalen Prioritäten. Zwar waren Karlshuld und weite Teile des Donaumooses davon kaum direkt betroffen, dennoch beabsichtigt die Gemeinde, Mitglied in der ARGE „Solidarischer Hochwasserschutz“ zu werden, die entsprechende Maßnahmen in der gesamten Paar-Region plant. „Auch wir können etwas beitragen, weil wir beispielsweise viel Wasser speichern können. Deswegen wäre eine Mitgliedschaft sinnvoll“, warb Bürgermeister Michael Lederer für einen Beitritt, der auch dem Wissenstransfer diene.
ARGE „Solidarische Hochwasserschutz“ wurde nach der Jahrhundertflut 2024 gegründet
Die Arbeitsgemeinschaft geht auf eine Initiative des Landtagsabgeordneten Roland Weigert und des Pfaffenhofener Landrats Albert Gürtner (beide FW) zurück. Nach dem extremen Hochwasser im vergangenen Sommer, das in Schrobenhausen und Baar-Ebenhausen massive Schäden verursacht hat, ist die Idee hinter der ARGE, den Hochwasserschutz für die gesamte Paar-Region gemeinschaftlich zu denken und zu verbessern.
„Die Bevölkerung erwartet, dass der Hochwasserschutz zeitnah und mit konkreten Maßnahmen verbessert wird“, sagte Weigerts Büroleiter Thomas Assenbrunner, der das Projekt dem Gemeinderat vorstellte. Derzeit sind die Kommunen Hohenwart, Aresing, Gachenbach, Berg im Gau, Reichertshofen, Manching, Waidhofen, Schrobenhausen und Baar-Ebenhausen mit dabei, dazu die Landkreise Neuburg-Schrobenhausen und Pfaffenhofen. Somit deckt die ARGE ein Einzugsgebiet von rund 325 Quadratkilometern ab, in dem 61.000 Einwohnerinnen und Einwohner leben.
„Kern des Projektes ist ein natürlicher Hochwasserschutz, bei dem natürliche Räume genutzt werden sollen, um das Wasser aus den Siedlungen und in die Fläche zu bekommen und damit massive Schäden wie im vergangenen Jahr zu vermeiden“, fasste Assenbrunner zusammen. Helfen sollen dabei innovative Technologien sowie ein verbesserter Austausch der wichtigsten politischen und wissenschaftlichen Akteure.
Herzstück der Arbeitsgemeinschaft ist der geplante digitale Zwilling der Paar-Region
Strategisches Herzstück der Arbeitsgemeinschaft ist der sogenannte digitale Zwilling der Paar-Region, für dessen Aufbau Roland Weigert über die Fraktionsinitiativen der Freien Wähler und der CSU jüngst 890.000 Euro an Fördermitteln akquirieren konnte. Dabei handelt es sich um ein präzises, virtuelles Abbild der realen Welt, das mit einer Vielzahl von Daten von Satelliten, Sensoren, Geoinformationssystemen und Wettermodellen gespeist wird. Damit können etwa Hochwasserszenarien simuliert und die Auswirkungen von Schutzmaßnahmen getestet werden. Feuerwehren und andere Einsatzkräfte können sich so genauer auf solche Ereignisse vorbereiten und im konkreten Notfall Ressourcen effizienter einsetzen. Und auch Privatpersonen können sich über eine App einloggen, die Auswirkungen eines Hochwassers auf ihr Grundstück simulieren und so erfahren, wo genau und wie hoch sie Sandsäcke stapeln müssen, um sich zu schützen.
Die Anwendungsmöglichkeiten für digitale Zwillinge sind jedoch viel breiter, wie der Gemeinderat im Anschluss erfuhr. Denn bereits im vergangenen Jahr hatte sich das Gremium mit dem Thema beschäftigt und nun Vertreter des Ingenieurbüros Wipfler und der Firma Riwa eingeladen, um sich die Vorzüge einer digitalen Version Karlshulds vorführen zu lassen. Markus Tum, der bei Riwa die Abteilung Smart Cities & Regions leitet, hatte den digitalen Zwilling der Gemeinde Burgheim mitgebracht, um die Vorteile zu erläutern. Und die sind in der Tat beeindruckend.
Digitale Zwillinge bieten Gemeindeverwaltungen und Bürgern viele Vorteile
So lassen sich in dem 3D-Modell der Gemeinde etwa Architekturskizzen geplanter Gebäude einsetzen. Damit können dann Schattenwürfe über Jahre hinweg simuliert und auch andere Auswirkungen auf das Ortsbild und die Nachbarschaft verbildlicht werden. Durch Sensoren können Temperaturen und Pegelstände gemessen werden, um schnelle Vorwarnungen aussprechen zu können. Ebenso ist es möglich, den Verkehrsfluss durch den Ort abzubilden und die Auswirkungen von neuen Tempolimits zu simulieren. In Burgheim wird der digitale Zwilling auch zur Wirtschaftsförderung genutzt. Vereine und örtliche Geschäfte können für sich werben oder neue Stellenausschreibungen einspeisen, auch leer stehende Gebäude sind verzeichnet und mit kurzen Exposés für potenzielle Interessenten versehen. „Man sagt immer, durch die Digitalisierung müsste niemand mehr ins Amt gehen. Aber es muss auch niemand mehr aus dem Amt raus, weil sich quasi alle Vermessungsaufgaben so lösen lassen“, so Markus Tum.
Ob sich Karlshuld nun so einen digitalen Zwilling leisten will, bleibt abzuwarten. Der Vortag am Montag diente lediglich der Vorstellung, ein Angebot oder eine Kostenaufstellung gibt es bisher nicht. Und auch ob Karlshuld tatsächlich Mitglied der ARGE „Solidarischer Hochwasserschutz“ wird, ist noch nicht gesichert. Zunächst muss die ARGE nämlich Mitgliedsbeiträge festlegen, erst dann kann der Gemeinderat einen finalen Beschluss fassen.
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