Laut Fahrplan sollte er längst da sein, doch der Bus taucht einfach nicht an der Haltestelle auf. Wann er kommt? Die Wartenden wissen es nicht. Für sie bleiben nur wenige Alternativen: warten, frieren, schimpfen. Es ist nur eines der Probleme, das der Verkehrsverbund Großraum Ingolstadt (VGI) in den vergangenen Jahren angehen wollte.
Seit 2022 gab es in Ingolstadt das Projekt VGI NewMind
Im Jahr 2022 ist der Startschuss gefallen für ein Projekt namens VGI NewMind, das den Öffentlichen Nahverkehr in der Region nachhaltig verbessern sollte. „MIND“ steht dabei für Mobilität, Innovation, Nachhaltigkeit und Digitalisierung. Bis Ende des vergangenen Jahres sind auf diese Weise 21,4 Millionen Euro vom Bund in die Region geflossen. Nach dem Abschluss des Projekts zeigt sich VGI-Chef Robert Frank mit den Ergebnissen jedenfalls sehr zufrieden. Beim offiziellen Resümee an der THI konnten sich die Gäste in einer kleinen Ausstellung über das Angebot informieren, das mithilfe der Förderung ins Rollen gekommen war. Von einer Fahrgemeinschaftsapp über eine neue Form des Rufbussystems bis hin zu komfortableren Möglichkeiten des Ticketkaufs, neuen Buslinien und besseren Taktungen. Insgesamt rund 50 Einzelmaßnahmen sind umgesetzt worden.
Ein Großteil der Gelder ist in die Digitalisierung des Busverkehrs in der Region geflossen. So haben sämtliche Busse der Flotte - sowohl die städtischen als auch die der privaten Betreiber - moderne Bordcomputer bekommen. Das war auch eine technische Herausforderung, weil die gesamte Struktur vereinheitlicht werden musste, damit alles in der Leitstelle auf einer Plattform laufen kann.
Sämtliche Busse in der Region Ingolstadt sind miteinander vernetzt
In die Bordcomputer ist nicht nur ein Navigationsgerät integriert, sondern sie bilden auch die Basis für das Handy-Ticketing. Ebenso ist es auf diese Weise möglich, die Ankunftszeiten der rund 400 Fahrzeuge der Busflotte in Echtzeit zu verfolgen. Die Technik an den einzelnen Haltestellen ist genauso darauf ausgelegt worden wie die VGI-App. Zudem kann jetzt in allen Bussen bargeldlos bezahlt werden. Noch ein weiterer Aspekt rund ums Busfahren ist in den vergangenen Jahren automatisiert worden.
Wo einst händisch die Fahrgäste gezählt wurden, kommt jetzt ein neues, technisches System zum Einsatz. Das trägt dazu bei, betont Frank, dass Routen optimiert und damit Kosten gespart werden können. Zudem sollen die Fahrgäste auch direkt davon profitieren: Denn es zeigt die Auslastung der einzelnen Busse an. Wer will, kann so einen alternativen Bus mit weniger Fahrgästen nutzen.

Aber die Fördergelder wurden nicht nur in neue Technik, sondern auch in einen Ausbau der Verbindungen und in neue Formen der Mobilität investiert. So gibt es mit der Linie X90 einen neuen Schnellbus aus dem östlichen Landkreis Eichstätt nach Ingolstadt und vor allen Dingen flexible On-Demand-Angebote, von denen insbesondere Menschen auf dem Land profitieren sollen.
Die sogenannten Flexibusse sind eine moderne Form der Rufbusse. Per App lassen sie sich im Voraus buchen, inzwischen gibt es Forschungsprojekte, wie mithilfe von KI der Einsatz weiter optimiert werden kann. In Ingolstadt richtet sich das Angebot vor allem an Mitarbeitende des Klinikums, weil deren Schichtzeiten oft nicht zum herkömmlichen Fahrplan der Busse passen. Auch in den drei Landkreisen der Region 10 sind Flexi-Busse unterwegs.
Im Kreis Neuburg-Schrobenhausen wird das Gebiet Baar-Ebenhausen/Karlskron von diesem Angebot abgedeckt - noch. Denn die Zahl der Fahrgäste reicht nicht aus, um die Busse weiter zu finanzieren, weshalb das landkreisübergreifende Projekt zum Jahresende eingestellt wird. Das hat der Kreisausschuss beschlossen. Insgesamt waren in den Kreis Neuburg-Schrobenhausen zwei Millionen Euro Fördergelder im Rahmen von VGINewMind geflossen.
Wegen der Finanzmisere der Kommunen wurden einige VGI-Angebote wieder eingestellt
Die klammen Kassen der Kommunen, die sich trotz der Fördergelder auch mit eigenen Mitteln am Ausbau des Nahverkehrs beteiligt sind, haben bereits auch zu anderen Kürzungen geführt. So wurden die engeren Taktzeiten auf den Linien 70 (Mailing - Klinikum) und 21 (Audi-Sportpark - Mailing) bereits wieder zurückgenommen.
Frank jedenfalls zieht ein positives Fazit des Programms: „Wir sind dankbar, dass wir diese Möglichkeit hatten“. Sollte erneut ein Förderprogramm aufgelegt werden, werde sich die VGI jedenfalls wieder bewerben. Die gut 20 Millionen Euro, die bislang geflossen sind, habe der VGI laut Frank nicht in billige Tarife oder in eine Leistungsausweitung investiert, sondern vor allen Dingen „weitsichtig in die Infrastruktur“.
Besonders in der Verzahnung zwischen dem Autoverkehr und den Öffentlichen Nahverkehr in der Region sieht Frank noch Potenzial. Erste Ansätze gibt es bereits mit zwei Apps: GoFlux soll vor allen Dingen Pendlerinnen und Pendlern dabei helfen, auf digitalem Wege Fahrgemeinschaften zu finden. Und mit Fairtiq ist es Menschen, die nur hin und wieder rund um Ingolstadt in einen Bus oder Zug steigen, möglich, ihr Ticket zu bezahlen. Die App berechnet dann automatisch den günstigsten Tarif.
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