Beim Prozessauftakt wurde es schon vor dem Gerichtssaal emotional. Was sich jedoch im Sitzungssaal abspielte, blieb unklar. Die Verhandlung um die tödliche Messerattacke in einem Wald im Ulmer Stadtteil Wiblingen findet aufgrund des Alters des Angeklagten unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt. Ein 15-Jähriger soll in der Nacht von 27. auf 28. Dezember 2023 seine gleichaltrige Freundin erwürgt haben. Nun wurden die Plädoyers gehalten.
Wie eine Sprecherin des Landgerichts Ulm am Donnerstag mitteilt, hat die Staatsanwaltschaft beantragt, den Angeklagten wegen Totschlags zu einer Jugendstrafe von sechs Jahren und sechs Monaten zu verurteilen. Sein Verteidiger hingegen forderte, den zur Tatzeit 15-Jährigen wegen Totschlags zu einer Jugendstrafe von vier Jahren zu verurteilen. Ein Urteil soll laut Gerichtssprecherin voraussichtlich am Mittwoch, 9. Oktober, verkündet werden. Über den Ausgang des Verfahrens will die Pressestelle des Landgerichts mit einer Mitteilung informieren.
Tödliche Würge-Attacke im Wiblinger Wald: Was bislang bekannt ist
Die Staatsanwaltschaft war vor Beginn des Gerichtsprozesses davon ausgegangen, dass der Jugendliche kurz nach Weihnachten seine gleichaltrige Freundin erwürgte. Direkt nach der Tat habe er selbst die Polizei angerufen. Die leblose Jugendliche sei bei einer Suchaktion gefunden worden, so die Ermittler damals. Die 15-Jährige konnte zwar zunächst wiederbelebt und in ein Krankenhaus gebracht werden. An Neujahr sei sie dort jedoch an den Folgen der Tat gestorben. Die Polizei erklärte damals, sie habe den 15-Jährigen in der Nähe des Tatorts widerstandslos festgenommen. Ein Motiv habe er in seinem Notruf nicht genannt.
Für die Verhandlung hatte die 1. Große Jugendkammer elf Termine angesetzt. 28 Zeugen sollten vernommen werden. Ein psychiatrischer Sachverständiger sei ebenso geladen wie eine Rechtsmedizinerin. Laut Aushang im Gericht beim Prozessauftakt war der letzte Termin eigentlich auf diesen Mittwoch, 26. September, datiert. Warum es offensichtlich zu einer Verzögerung von einem Tag kam, ist unklar.
Vater des 15-jährigen Angeklagten tötete seine eigene Tochter in Wiblingen
Zusätzliche Brisanz bekam der Fall dadurch, dass es sich beim Angeklagten um den Sohn des Mannes handelt, der am Ostermontag 2023 ebenfalls in Wiblingen seine siebenjährige Tochter beziehungsweise die Schwester des 15-Jährigen "beim Indianer spielen" tötete. Das Landgericht Ulm ordnete gegen den Vater im November 2023 eine dauerhafte Unterbringung in einem geschlossenen psychiatrischen Krankenhaus an. Er galt aufgrund einer schizophrenen Psychose zum Tatzeitpunkt als schuldunfähig.
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