Viel zu tun hatte die Staatsanwältin in einem Prozess vor dem Schöffengericht am Landsberger Amtsgericht, als sie die Anklageschrift verlas. Verantworten muss sich ein 38-Jähriger aus Landsberg wegen diverser Delikte. Er hat zwei Arbeitgeber mutmaßlich in mehreren Fällen getäuscht. Bei einem davon soll er auch mehrfach Geld veruntreut haben. Zudem war er immer wieder mit Fahrzeugen unterwegs, obwohl er schon vor einigen Jahren seinen Führerschein verlor. Laut Richter Alexander Kessler kann das Gericht eine Freiheitsstrafe von bis zu vier Jahren verhängen.
Der Kfz-Mechaniker gab bei seiner Bewerbung bei einem Landsberger Unternehmen an, einen Meisterbrief erworben zu haben und reichte als Beleg gefälschte Zeugnisse ein. Zudem behauptete er fälschlicherweise, er habe auch eine Weiterbildung zum Betriebswirt erfolgreich absolviert. Die Unterlagen reichte er sowohl bei dem Unternehmen ein, für das er zwischen Juli 2021 und Dezember 2023 arbeitete, als auch bei der Firma, bei der er Anfang 2024 anfing. Tatsächlich hatte er nur zwei der vier Teilprüfungen zum Meister bestanden und diese auch nicht mit „sehr gut“, wie er bescheinigte.
Aus dem Tresor des Arbeitgebers werden 10.000 Euro entwendet
Die wohl schwerwiegendste Tat, die der Angeklagte begangen haben soll, ist der Einbruch bei seinem Arbeitgeber am Pfingstsonntag 2023. Damals wurden 10.000 Euro aus dem Tresor entwendet. Der Mann fuhr anschließend mit seiner Familie eine Woche in den Urlaub. Die Hotelkosten über 3200 Euro beglich er bar. Am Dienstag habe er per Fernzugang die Videokamera genutzt. „Vielleicht wollte er hören, was die Kollegen in der Firma reden“, so ein Polizist, der als Zeuge aussagte. Der Beschuldigte habe finanzielle Probleme gehabt, sagte der Beamte.
Der 38-Jährige kannte die PIN für den Schlüsselkasten, in dem sich der Tresorschlüssel befand. Der Täter hatte zuvor die Sicherung ausgeschaltet, sodass die Videokameras für einige Minuten ausfielen. Er ist auf dem Video dennoch teilweise zu sehen. Der Polizist sagte in dem Verfahren: „Wir haben die Situation vor der Tür zu dem Raum nachgestellt. Der Täter muss größer als 1,78 Meter sein, weil man sonst sein Gesicht gesehen hätte.“ Als „sehr ähnlich“ bezeichnete der Polizist auch die Schuhe mit Reflektor, die der Täter trug und die der Angeklagte abgeben musste, als ihn die Polizei aufsuchte. Auffällig sei auch, dass der Täter offenbar genau wusste, wo sich Kameras befinden und entsprechende Laufwege nutzte.
Beauftragte IT-Firma hakt wegen Stromausfall nach
Dass die Tat direkt am ersten Arbeitstag nach Pfingsten auffiel und wichtige Beweise erhalten blieben, war drei Umständen geschuldet. Zum einen bekamen alle Mitarbeiter des Fahrzeughändlers in der Früh eine Meldung auf ihren Rechner, dass es einen Stromausfall gab. Zum anderen fiel einer Mitarbeiterin auf, dass der Tresor nicht verschlossen war und zum Dritten erkundigte sich die beauftragte IT-Firma zu den Gründen des Stromausfalls. Der Geschäftsführer der Firma sagte: „Da bin ich stutzig geworden und habe mir die Videobänder angesehen. Hätten wir es erst einige Tage später gemerkt, wären die überspielt gewesen.“ Durch das Vier-Augen-Prinzip und die digitale Erfassung der Geldsummen sei immer klar, wie viel Geld im Safe ist, so der Chef.
Der Mitarbeiter sei „hoch engagiert“ gewesen und auch ein guter Freund, sagte der Geschäftsführer. Er habe ihn aufgrund seiner Leistung auch zum Serviceberater und Werkstattleiter gemacht, was deutlich mehr Lohn bedeutete. Wie das Kamerasystem ausgeschaltet werden kann, hätten nur er und der Beschuldigte gewusst. Die PIN für den Schlüsselkasten kannten demnach neben ihnen auch nur zwei weitere Personen. „Ich wollte es erst nicht wahrhaben, dass er es war.“ Auch sein Vater, Prokurist in der Firma, lobte die Fähigkeiten des Mitarbeiters, spricht aber auch von Manipulation: „Als wir ihn konfrontiert haben, hat er viele Ausreden geliefert, die alle erst mal glaubwürdig klangen.“
Gastanks für ein Zehntel des Preises an Kollegen verkauft
Im weiteren Verlauf der firmeninternen Untersuchungen kam unter anderem auf, dass der Beschuldigte in sieben Fällen Bargeldzahlungen von Kunden wieder aus dem System ausgebucht hatte. Der Verbleib des Geldes ist unklar. Es ging jeweils um niedrige vierstellige Summen. Er verkaufte zudem einem Kollegen zwei Gastanks für 150 Euro, die etwa den zehnfachen Wert hatten. Der Mitarbeiter – der sich nicht zu den Vorwürfen äußerte – fuhr im Auftrag seines Arbeitgebers auch nach Frankreich und Italien, obwohl er keinen Führerschein hatte. Auch sonst sei er dienstlich immer wieder unterwegs gewesen. Er hatte der Firma nur ein Foto eines gefälschten Führerscheins übermittelt.
Ende 2023 trennten sich die Wege des 38-Jährigen und des Unternehmens. Damals, so der Vorwurf, habe er einen Dienstwagen und 238 Euro entwendet. Der Wagen wurde am nächsten Tag vor einem Landsberger Schnellrestaurant gefunden. Im Januar fing er, wieder unter Vorlage falscher Zeugnisse, bei einem anderen Landsberger Arbeitgeber an. Dies bekam der Polizist mit und kontaktierte das neue Unternehmen. Der Prozess wird nächsten Mittwoch fortgesetzt.
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