Auf den Straßen im Landkreis sind immer mehr Elektroautos unterwegs. Das bringt für Polizei, Feuerwehr und Abschleppdienste einige Herausforderungen mit sich. Dies war auch Thema auf der Dienstversammlung des Kreisfeuerwehrverbands Landsberg. Dort hielt Michael Kemeny vom gleichnamigen Landsberger Abschleppunternehmen einen Fachvortrag. Er hat das „Kompetenzzentrum für Sicherheit im Verkehr“ gegründet und bietet Weiterbildungen an. Die Polizei und Kreisbrandrat Christoph Resch äußern sich auf Nachfrage unserer Redaktion.

Im Landkreis Landsberg waren Ende 2024 insgesamt 4449 Elektrofahrzeuge gemeldet, das sind fast 2700 mehr als zwei Jahre zuvor. Laut Polizeipräsidium Oberbayern Nord gab es in ihrem Zuständigkeitsbereich im vergangenen Jahr über 1600 Unfälle, in die Elektrofahrzeuge involviert waren. Wie in solchen Fällen am besten vorgegangen werden sollte, darüber sprach Kemeny bei der Versammlung in Denklingen.
„98 Prozent der E-Fahrzeuge verhalten sich sicher, was das Reagieren des Akkus angeht. Das Problem sind die zwei Prozent“, sagt er. Bei schweren Unfällen und der auftretenden Energie sei von einem Schaden im Akku auszugehen. Es könne zu einer Reaktion kommen. „Dann entstehen eine große Menge an Rauchgas sowie ein Brand, der nicht gelöscht werden kann. In diesem Fall kann nur gekühlt werden, indem man von jeweils vier Ecken des Fahrzeugs den Rauch und die heraus fliegenden Funken abkühlt. Man muss warten, bis dieser ausreagiert hat“, so Kemeny.
Auch werde im Brandfall ein hohes Maß an giftigen Gasen und Atemstaub freigesetzt. Daher sei der Einsatz zwingend unter Atemschutz durchzuführen. Kemeny rät auch dazu, beim Löschen nie direkt auf das Fahrzeug zu halten, sollte der Akku sehr heiß sein und die Gefahr bestehen, dass dieser reagiert. Wenn aus einem Ventil heißer Rauch strömt, sollte an jeder Ecke ein Feuerwehrmann stehen und so auf den Boden spritzen, sodass es von dort in den Radkasten spritzt, um den Rauch und die glühenden Teile abkühlen zu können.
Schnellstens vom E-Auto weg bei Pfeifen und einem Geräusch wie bei einem Bienenschwarm
„Wenn Sie ein Pfeifen hören oder ein Geräusch wie ein Bienenschwarm, dann holen Sie gegebenenfalls noch die Person aus dem Auto und dann so schnell es geht weg vom Fahrzeug.“ Eine Herausforderung seien auch die neuen Lithium-Starterbatterien. Da diese weder stoß- noch brandgeprüft seien, gehe von diesen eine hohe Gefahr aus. Auch Handys und Funkschlüssel sollten nach Möglichkeit mindestens zehn Meter vom Fahrzeug entfernt werden, damit diese nicht doch noch Signale senden und das Fahrzeug aktivieren, riet er den anwesenden Kommandanten.
Größte Vorsicht sei auch geboten, wenn der Vorbau nach einem Unfall verformt sei. Dann könnten wichtige Kabel abgerissen sein. „Solange nicht bekannt ist, ob das System abgeschaltet hat, ist ein Arbeiten nur mit Vorsicht und ausgebildetem Personal erlaubt.“ Kemeny riet zudem davon ab, den Akku zwecks Kühlung mit Wasser zu fluten, was derzeit als gängige Vorgehensweise gelte. Beim Löschen könnten sehr giftige Flüssigkeiten entstehen und das Reagieren eher beschleunigen als stoppen, sagte er.

Da oft nicht klar sei, wie es im Innern des Akkus aussehe, sei die sicherste Methode, die Fahrzeuge nach Unfällen in spezielle Säcke komplett zu verpacken und dann zu warten, bis der Akku sich „beruhigt“ hat. In Richtung der Bauträger und Kommunen riet er dringend davon ab, Lademöglichkeiten in Tiefgaragen oder anderen geschlossenen Räumen ohne ein sicheres Brandkonzept zu schaffen. „Da kommen Sie wegen der starken Rauchentwicklung im Brandfall nicht mehr rein und alles, was sich darin befindet, ist kontaminiert und durch die enorme Hitze beschädigt. Ich hatte in der Region im vergangenen Jahr sieben Fälle, in denen E-Autos beim Ladevorgang in Brand geraten sind.“
Kommandanten der Feuerwehren im Kreis Landsberg dienen als Multiplikatoren
Und wie gut sind die Feuerwehren im Landkreis auf solche Einsätze vorbereitet? Laut Kreisbrandrat Christoph Resch werden dazu seit 2023 in Kooperation mit einem externen Dienstleister Tagesseminare angeboten. „Neue Anforderungen werfen Fragen auf. Das war aber auch so, als die PV-Anlagen aufkamen oder bei den Fahrzeugen mit Erdgasantrieb. Ich denke, es ist bei den Elektrofahrzeugen handhabbar.“ Der Kreisfeuerwehrverband schule die Kommandanten der Wehren, die dann als Multiplikatoren die Informationen in die Orte tragen sollen.
Die Pressestelle des Polizeipräsidiums Oberbayern Nord informiert auf Nachfrage, dass das Gefahrenpotenzial nicht als höher bewertet werde als bei konventionellen Fahrzeugen. Einige Gefahrenquellen fielen weg, andere kämen hinzu. In Bezug auf die Gefahren bei Elektrofahrzeugen werden demnach polizeilicherseits die Einsatzkräfte regelmäßig mittels Handlungsempfehlungen sensibilisiert. „Des Weiteren existiert eine (polizeiinterne) Kompetenzstelle für E-Mobilität, um über die aktuellen Entwicklungen in diesem Bereich informiert zu sein.“
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