Eine Uraufführung zum zehnjährigen Jubiläum der in Dießen beheimateten Moreth Company im nicht ausverkauften Landsberger Stadttheater: Mit dem Dreipersonenstück „Adam & Ewald“ beschreibt Autor Eckhard Preuß einfach ausgedrückt, einen Bruderzwist. Beziehungsweise ein sich über die Jahre entwickeltes Auseinanderleben. Adam, der Introvertierte, hat sich aufs Bücherschreiben im stillen Kämmerlein festgelegt. Ewald hingegen sucht die Nähe zum Publikum, verdient seinen Lebensunterhalt als Travestiekünstler. Adams Verlegerin Kelly schließlich hat sich in den Kopf gesetzt, das Brüderpaar wieder zusammenzubringen. Eigentlich ein interessanter Stoff – bloß, was passierte da unter der Regie von Konstantin Moreth und Eckhard Preuß auf der Bühne im Stadttheater?
Verwirrend wirkte schon der Beginn. Ewald, verkörpert vom Autor Eckhard Preuß, stakste in altmodischen Damenschuhen und einer Jeans, aus der das Mittelalter-Bäuchlein quoll, über die Bühne und verabschiedete „sein“ Publikum. Noch ein mit französischem Slang vorgetragenes Liedchen – Spot aus und auf der anderen Bühnenseite an. Dort hatte Adam (Konstantin Moreth) seine Verlegerin (Nathalie Schott) in dem kleinen Telefonknopf im Ohr. Das Gespräch plätschert zwischen Bauchpinseln – „die Leser lieben dich“ – und Tipps für das Weiterkommen im neuen Buch. Kelly hat, das wird schnell deutlich, für Adam mehr als nur Geschäftliches übrig. Vielleicht auch deshalb möchte sie, dass sich die beiden Brüder wieder näher kommen.

Bei den Bemühungen kommt alles Mögliche ans Licht. Es geht um Lügen und Tricksereien, um Familie und Erbschaft und alles Mögliche andere. Vor allem aber wird nie deutlich, ist es nun Wahrheit, was erzählt wird, oder doch Lüge. Kelly beruhigt ihre Nerven am Vormittag bereits mit Hochprozentigem, Ewald lockert die Gespräche mit Witzchen auf. Schlussendlich schaffen alle drei gemeinsam an Adams Buch und eine Performance beendet die Aufführung auf der Bühne mit dem großen Etagenbett in der Mitte.
Eigentlich ein recht interessanter Stoff, doch so, wie Eckhard Preuß das Stück schrieb und die Regie es auf die Bühne brachte, blieb es seltsam blutleer. Dialoge schleppten sich ermüdend dahin, bei manchen Geschichten war der Bezug zum Stück schwer erkennbar. Ständige Telefonate verstärkten diesen Eindruck. Die Schauspieler, allen voran Nathalie Schott, konnten überzeugen – das als „humoreskes Melodram“ angekündigte Stück schaffte dies kaum. Gut kam die Idee an, die Schauplätze – alle befanden sich auf der Bühne – mit wechselnden Spots schnell, ohne Kulissenschieben wechseln zu können.
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