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Eine Inszenierung rund um den gestrichenen Kulturbau: Kritik an Infopolitik der Stadt.

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Kultur im ULP-Gelände: Kunstschaffende sind verärgert und frustriert

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    Die Außenansicht des geplanten Kulturbaus auf dem ULP-Gelände in Landsberg.
    Die Außenansicht des geplanten Kulturbaus auf dem ULP-Gelände in Landsberg. Foto: ehret+klein/Auer Weber Architekten

    Stadt und Landkreis Landsberg haben vor wenigen Tagen wieder einmal zu einem „Kulturfrühstück“ ins Stadttheater eingeladen. Eines der aktuellen Themen war ein kurzes Update der Stadt über den Kulturraum im neuen Stadtviertel Urbanes Leben am Papierbach. Für Kritik im Nachgang sorgt eine Pressemeldung der Stadt zu der Veranstaltung. „Es werden Ereignisse dargestellt, die so nicht stattgefunden haben, sondern offensichtlich inszeniert wurden“, kritisiert Wolfgang Hauck von der Kunstbaustelle.

    Ende 2027 soll das neue Stadtviertel in Landsberg fertig sein: mit 658 Wohnungen und rund 1500 Bewohnenden sowie Flächen für Kunst und Kultur. Von einem Kulturbau ist aber nicht mehr die Rede, am Europaplatz wird ein reines Hotel errichtet. Das war das Fazit aus Gesprächen, die unsere Redaktion Ende 2024 mit Oberbürgermeisterin Doris Baumgartl und Projektleiter Marius Jung von Projektentwickler ehret+klein führte. „Wir wollen eine kulturelle Nutzung im Quartier haben und es dadurch beleben“, sagte Baumgartl. Die Stadt habe aber auch ein essenzielles Interesse an der Umsetzung eines Hotels.

    Die Kultur im neuen Stadtviertel war nicht nur beim „Kulturfrühstück“ ein Thema, sondern auch bei einem Workshop für Bewohnerbeiräte. Über beide Veranstaltungen informierte die Pressestelle der Stadt. In der Mitteilung wurden zunächst beide Termine als Workshops bezeichnet, in einer neuen Version nurmehr das Treffen der Bewohnerbeiräte, nachdem dies unter anderem von Wolfgang Hauck kritisiert wurde. In der Pressemeldung heißt es zudem, dass sich seit den ersten Überlegungen zur Entwicklung des Geländes am Papierbach wesentliche Rahmenbedingungen verändert hätten. Nun sollen die Bedürfnisse und Visionen der Bewohnerinnen und Bewohner in die weiteren Planungen einfließen.

    Diese würden sich kein isoliertes, großes Kulturzentrum wünschen, so die Zusammenfassung der Stadt zum Workshop mit den Bewohnerbeiräten. Es solle vielmehr ein Ort für kreative Begegnungen, kleinere Veranstaltungen und nachbarschaftlichen Austausch werden – kein anonymer Veranstaltungsort. Der Europaplatz vor dem Hotel solle zum Verweilen einladen. Diskutiert wurden regelmäßige Märkten, Open-Air-Kino-Abende oder Kulturveranstaltungen, heißt es in der Pressemeldung.

    Auf dem Gelände der früheren Pflugfabrik in Landsberg entstehen derzeit 658 neue Wohnungen. Das aktuelle Foto zeigt den Bauabschnitt B3.
    Auf dem Gelände der früheren Pflugfabrik in Landsberg entstehen derzeit 658 neue Wohnungen. Das aktuelle Foto zeigt den Bauabschnitt B3. Foto: Thorsten Jordan

    „Die Gestaltung von (Frei-)Räumen für Kunst und Kultur am Papierbach stand im Zentrum der Runde der Kulturschaffenden“, teilt die Pressestelle der Stadt zum „Kulturfrühstück“ im Stadttheater mit. Dabei sei klar geworden, dass sich seit der letzten Erhebung der kulturell nutzbaren Räume in Landsberg einige Veränderungen ergeben haben und neue Voraussetzungen für die Gestaltung am Papierbach gelten. Als Referent habe Architekt Patrick Lüth vom Büro Snohetta die Diskussionen geleitet und Impulse zu vielfältigen Kulturräumen gesetzt.

    Wolfgang Hauck war beim „Kulturfrühstück“ dabei. Er kritisiert, dass dabei von einem Workshop nie die Rede war. Zudem habe Claudia Weißbrodt vom städtischen Kulturbüro gleich zu Beginn klargemacht, dass es keine Diskussion zum Thema und den Vorträgen geben werde. „Mehrere Versuche meinerseits, dennoch eine Diskussion oder Nachfragen zu initiieren, wurden von ihr und Stadtbaumeisterin Annegret Michler strikt unterbunden“, schreibt Hauck unserer Redaktion. 

    Ist eine Postkartenumfrage eine aktive Einbindung?

    Unter den Teilnehmenden sei eine Postkartenumfrage verteilt worden, was später wohl als „aktive Einbindung der Kulturschaffenden“ dargestellt worden sei. Die Fragestellung der verteilten Umfragezettel lenke bewusst in eine bestimmte Richtung: Es gehe dort um die Frage „Wie können Kunst und Kultur das Quartier bereichern?“ Während die eigentliche Frage lauten müsste, welche kulturellen Räume im ULP-Areal für ganz Landsberg geschaffen werden sollen, so Hauck, der von einer „Alibiveranstaltung“ schreibt. Stadtplaner Patrick Lüth habe eine vorgefertigte Argumentation ohne fundierte Kenntnis der bestehenden Gutachten und betriebswirtschaftlichen Analysen zum Kulturraum auf dem ULP-Gelände präsentiert.

    Teilnehmer des „Kulturfrühstücks“ waren auch Gitarrist Christian Gruber und Edmund Epple, der unter anderem die Konzerte beim Musiksommer im Theatergarten des Stadttheaters auswählt. Beide teilen die Einschätzung von Wolfgang Hauck, wie sie im Gespräch mit unserer Redaktion sagen. Edmund Epple hat die Beratungen zum Thema Kulturbau von Anfang an begleitet und klingt frustriert. „Eine professionelle kulturelle Infrastruktur gibt es dort nicht mehr.“ Dabei sei anfangs immer wieder betont worden, dass ein Angebot geschaffen werden soll, dass der ganzen Stadt zugutekommen soll.

    Das „Kulturfrühstück“ fand im Foyer des Landsberger Stadttheaters statt.
    Das „Kulturfrühstück“ fand im Foyer des Landsberger Stadttheaters statt. Foto: Wolfgang Hauck

    Wie äußert sich die Stadt zur Kritik? Unsere Redaktion hat dazu bei Pressesprecherin Angelika Urbach nachgefragt. Der Bebauungsplan für das Gelände stamme aus dem Jahr 2017. Seitdem hätten sich zahlreiche Rahmenbedingungen geändert. „Das vom Investor in Auftrag gegebene Nutzungs- beziehungsweise betriebswirtschaftliche Konzept für den Kulturraum war offenbar nicht überzeugend und bislang bei der Suche nach einem Betreiber wenig hilfreich.“ Der städtebauliche Vertrag zwischen Stadt und Investor regele die Anmietung von 100 Quadratmetern für Räume der Museumspädagogik und die kostenfreie Nutzung eines Veranstaltungsraumes an 30 Tagen, sofern dieser gebaut wird.

    Beim „Kulturfrühstück“ habe selbstverständlich öffentlich diskutiert werden können. „Es wurde jedoch gebeten, von einer Diskussion im Plenum abzusehen und die persönlichen Fragen in Kleingruppen mit den Fachleuten zu erörtern“, teilt Angelika Urbach mit. In der Kürze der Zeit und der Vielfalt der zu erwartenden Fragen sei dies eine angemessene Lösung gewesen, die auch wahrgenommen und positiv angenommen worden sei. Bei der Veranstaltung seien rund 60 Teilnehmende gewesen, die über einen ständig aktualisierten Verteiler mit derzeit 140 Adressen eingeladen wurden.

    „Diese Aussage ist nicht nachvollziehbar“

    Und die Kritik, dass die Kulturschaffenden nicht aktiv eingebunden wurden? „Diese Aussage ist nicht nachvollziehbar. Die Kulturschaffenden waren immer wieder in den Entwicklungsprozess eingebunden“, so die Pressesprecherin. Beim Impulsvortrag habe es die zusätzliche Möglichkeit gegeben, sich schriftlich über eine vor Ort verteilte Postkarte zu folgenden Fragestellungen zu äußern: Welche kulturellen Angebote oder Formate fehlen deiner Meinung nach in Landsberg? Was braucht es, damit sich Kulturschaffende im Quartier am Papierbach entfalten können? Wie können Kunst & Kultur den öffentlichen Raum im Quartier am Papierbach bereichern? Gibt es Veranstaltungen, die nicht stattfinden konnten, weil es an Räumen oder Flächen gefehlt hat? Wenn ja, welche?

    Die Forderung nach Kulturräumen sei generell nachvollziehbar und mitunter richtig. „Die wesentliche Frage ist: Was ist leistbar und sinnvoll?“, schreibt Angelika Urbach unserer Redaktion. Es gehe um die Interessen der gesamten Stadt, es gehe um Ansehen und Bedeutung, um Qualität und Vielfalt, um Miteinander und Füreinander in einer konstruktiven Auseinandersetzung – nach innen und nach außen. „Die Kulturschaffenden tragen hierzu wesentlich bei, dafür steht Kultur in einer Stadtgesellschaft.“

    Was sind Bewohnerbeiräte?

    Wie soll sich das Quartier am Papierbach weiterentwickeln? Welche Angebote fehlen? Und was kann am Europaplatz stattfinden? Diese und weitere Fragen standen im Mittelpunkt eines Workshops für Bewohnerbeiräte, zu dem die Stadt Landsberg ins Verwaltungsgebäude geladen hatte. Die Bewohnerbeiräte sind gewählte Vertreter der Bewohner des neuen Stadtviertels.

    Laut einer Pressemeldung der Stadt, hätten die Bewohnerbeiräte bei dem Workshop in intensiven Gesprächen aufgezeigt, welche Angebote und Aktivitäten sie in ihrem Quartier vermissen. Besonders der Wunsch nach mehr Begegnungsräumen, kulturellen Veranstaltungen und einer nachhaltigen Gestaltung sei im Fokus gestanden. Ein zentraler Punkt sei zudem die Entwicklung des Europaplatzes als lebendiger Treffpunkt für alle Generationen gewesen.

    Einige Anwohnerinnen und Anwohner, die das LT befragte, waren überrascht über die Einschätzung der Bewohnerbeiräte gegenüber der Stadt Landsberg, dass man sich „kein isoliertes, großes Kulturzentrum wünsche, keinen anonymen Veranstaltungsort.“ Wie könne ein solcher Veranstaltungsraum mitten im Quartier anonym sein? Dies war nur eine der Fragen, die die Anwohnerinnen stellten. Im Gegenteil: Die befrageten Anwohner bedauerten sehr, dass man von den Planungen einer Kulturhalle Abstand genommen habe, denn es fehle in Landsberg an den Möglichkeiten für große Konzerte oder Veranstaltungen. Eine solcher Saal hätte die Möglichkeiten fürs Quartier und die ganze Stadt erweitert und sei eine große Chance gewesen. Sie sei jetzt vertan.

    Die bereits bewohnten Gebäude im Stadtviertel Urbanes Leben am Papierbach werden von einer Münchener Hausverwaltung verwaltet. Als Bindeglied zwischen Hausverwaltung und Bewohnenden fungieren die Bewohnerbeiräte für einzelne Gebäude. Die ehrenamtlichen Bewohnerbeiräte wurden bei Versammlungen gewählt. Eine ihrer Aufgaben ist die Prüfung der Jahresrechnung, in der die Nebenkosten aufgeführt sind.

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