„Am Samstag wird abgerechnet“ ist der vierte Roman, den Davide Longo gruppiert um das Figuren-Doppel Vincenzo Arcadipane, Polizei-Kommissar in Turin, und Corso Bramard, Arcadipanes bereits aus dem Dienst geschiedenen Ex-Chef. Wo zwei Ermittler, da gibt es auch was zu ermitteln, diesmal in einem Dorf in den einsamen Tälern der piemontesischen Westalpen. Dort wird ein betagter römischer Filmproduzent erdrosselt aufgefunden. Noch alarmierender jedoch ist, dass von seiner Frau, einer Film-Diva der 1960er-Jahre, gebürtig in ebendiesem Dorf, jegliche Spur fehlt.
Die Spurensuche führt die Ermittler erst einmal weit auseinander
Als Dozent für kreatives Schreiben weiß Longo um die Kunst, mit dem richtigen Quantum an der Spannungsschraube zu drehen. Doch ist das nicht das Entscheidende an den Romanen des Turiners. Was Longos Bücher vor allem ausmacht, ist der präzise Blick auf die Figuren und deren Lebenswelten. Wobei der Autor sich jegliches Klischee versagt, und wo er doch mal einem nahekommt, lässt er es durch ironische Spitzung ins Leere laufen. Das gilt für die bei Longo vor Skurrilitäten nicht freien Szenerien der Großstadt (neben Turin diesmal auch Rom) ebenso wie für die längst in die Sinnkrise geratene Welt der Bergbevölkerung. Dorfbewohner, die eisern gewillt sind, an archaischen Traditionen festzuhalten, was Bramard stutzig macht: Was hat es auf sich mit der „Sucho“, einem Ritual, das der Ex-Kommissar auf jahrhundertealten Fresken in der Dorfkirche entdeckt?
Bramard in den Tälern, Arcadipane in Rom, die Spurensuche geht erst einmal weit auseinander. Um schließlich, wie es bei Longo heißt, zusammenzuführen als „Ergebnis von Partien, die an verschiedenen Orten, zu verschiedenen Zeiten und mit verschiedenen Karten gespielt“ wurden. Sehr spannend und literarisch gelungen obendrein.
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