Pro: Solange das Kleingeld nicht abgeschafft ist, muss es irgendwo hin
Ja, das elektronische Bezahlen geht schneller. Und ja, die Herstellung der Cent-Münzen ist teurer als ihr Wert. Zugegeben, mit logischen Argumenten lässt sich aufseiten der Kleingeldliebhaber nichts gewinnen. Aber was soll's? Wer will schon den ganzen Tag der puren Logik folgen, wenn kreativer Müßiggang das Leben bereichert? Der Müßiggang war einst das Privileg des Adels – und was gäbe es Adligeres, als durch den Supermarkt zu schlendern, den Wohlstand zu zelebrieren und sich kreative Gerichte zu entsinnen?
Am Ende dieser Sinnesreise wartet eine kleine Knobelaufgabe: Den Einkauf schnell überschlagen und dann – oh Triumph! – den Betrag passend bezahlen. Und zwar mit goldenen, kupferfarbenen und silbernen Münzen, also mit allem, was der Geldbeutel hergibt. Auch wenn die Kopfrechnung nicht aufgeht, ist das Zahlen ein befriedigender Moment. Dieses kurze Glücksgefühl, wenn sich alles auf den Cent genau ausgeht und der Geldbeutel danach leichter ist. Sollte jede und jeder mal ausprobieren. Und wer sich über die paar Sekunden Warten aufregt, weil sich das Gezähle ein wenig hinzieht, sollte vielleicht mal über die eigene Ungeduld nachdenken.
Und was erzählt eine Plastikkarte schon? Sie steht für Effizienz und Langeweile. Die kleinen Münzen hingegen schaffen, so haarklein abgezählt, Raum für ein kurzes Pläuschen. Und solange das Kleingeld noch nicht abgeschafft ist, muss es ja irgendwo hin. Beim Bäcker oder Metzger freut sich der ein oder andere Verkäufer vielleicht sogar über Münzen in der Kasse, denn rausgeben muss er ja passend. Schlussendlich gibt es nur einen Fall, in dem Kunden getrost auf das Kleingeld verzichten können: Charmantes Lächeln, einmal aufrunden, stimmt so, danke. (Mira Herold-Baer)
Contra: Das Kleingeldgesuche kostet nicht nur die Kassierer Nerven
Manche mögen sich von der Hektik an der Supermarktkasse gestresst fühlen. Aber der Großeinkauf für die Familie mit quengelnden Kindern an der Hand und mehr Lebensmitteln auf dem Band als in die Tasche passen ist anstrengend genug. Im besten Fall ist die Schlange an der Kasse kurz und der Einkauf schnell erledigt.
Das letzte, was dann fehlt, ist das haargenaue Abzählen winziger, goldener, kupferfarbener und silberner Stahl-, Gold- oder Nickelmünzen mit einem Durchmesser von etwa 16 bis 25 Millimetern. Mal mit glattem Rand, mal mit 44, 50, drei Mal 29 oder 252 Riffeln am Rand. Die zwei bis acht Gramm leichten Münzen sehen sich trotz der unterschiedlichen Dicke – 1,67 bis 2,2 mm – zum Verwechseln ähnlich und da man selten einen Magneten dabei hat, kann man sie auch nicht anhand ihrer ferro-magnetischen Eigenschaft auseinanderhalten, wenn man auf den Milli-Cent genau den Einkauf bezahlen will.

Und hat mal jemand die Kassiererinnen und Kassierer nach ihrer Meinung gefragt? Jeden Cent oder Euro umdrehen und in das richtige Fach der Kasse einsortieren: eine nervigere Tätigkeit gibt es kaum. Und laut dem Ärzteverband Deutscher Allergologen kostet das Kleingeldgesuche nicht nur Nerven, sondern ist auch gesundheitlich bedenklich. Kassierer haben ein deutlich erhöhtes Risiko, eine Allergie zu entwickeln.
Man kann nur hoffen, dass Deutschland anderen EU-Staaten wie Finnland, Belgien oder Italien folgt und die Ein- und Zwei-Cent-Münzen aus den Portemonnaies verbannt. Mit der Karte zahlen geht präziser und schneller, für Zahlende wie Kassierende. Warum also nicht gleich das ganze Bargeld abschaffen? (Elisabeth Marx)
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