Es ist schwer zuzuschauen, wie alle ihren Platz im Leben finden. Sich binden, Kinder planen oder schon eine Familie haben, angekommen sind – und man selbst? Katharina, Ende 30, top-organisiert im Job, eine Macherin mit einer gewissen Passion für Kniffel. Privat allerdings weiß sie nicht, wohin ihr Weg sie führen soll, das Single-Dasein und das Leben mit ihrer Katze Kasper fühlt sich allmählich schal an. Sie kommt schon klar, kann die Waschmaschine anschließen, Dübel in die Wand bringen, aber sie könnte manchmal „schreien von Alleinsein“. Niemand, mit dem sie „die ganze Scheiße und das ganze Schöne“ teilen kann. Der richtige Partner, um Kinder bekommen zu können, ist weit und breit nicht in Sicht. Und dann diese Diagnose, deren Folgen sie in eine Daseinskrise stürzen.
In Sonnenhang fragt sich Katharina: Wie viel Frau ist man eigentlich noch ohne Gebärmutter?
„Ein scheiß großes Myom“, dass man nur entfernen kann, wenn man die Gebärmutter herausnimmt. Der Lebenstraum, irgendwann doch noch ein Kind bekommen zu können, hiermit zerplatzt. Unabänderlich. Für immer. Auf dem selbst gezeichneten Kniffelblock fehlt die „verdammte große Straße“. „Wie viel Frau ist man eigentlich ohne Gebärmutter?“, fragt sich die Katharina. Wie soll man sich nun auf Tinder beschreiben? Als Frau mit Loch?
Ende Dreißig müssen Realitäten neu sortiert werden
Autorin Kathrin Weßling, ebenfalls Ende 30 wie ihre Protagonistin, lässt ihre Heldin verzweifeln, heulen und schreien wegen ihrer ungewollten Kinderlosigkeit, aber nein, „Sonnenhang“ kommt bestimmt nicht schwer daher. Dennoch erzählt Weßling intensiv und berührend über diese für Frauen richtungsweisende Lebensphase, in der, egal ob mit oder ohne Familie Träume aufgegeben und Realitäten neu sortiert werden müssen. Und das schafft Weßling tatsächlich mit einer großen Portion Humor – und mit ihrer temporeichen Sprache.
Neues Glück in der Seniorenresidenz
Weßling lässt ihre Heldin Erfüllung im Ehrenamt finden. In der Seniorenresidenz „Sonnenhang“ spielt sie samstags mit den Bewohnerinnen und Bewohnern, trinkt in Mannis geheimer Werkstatt Pfeffi und Prosecco und mag besonders die etwas bärbeißige Margot. Im Gebrauchtwerden findet Katharina vergessen geglaubte Glücksmomente und kann für einige Stunden Frieden finden. Kitschalarm? Keine Sorge.
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