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Filmkritik zu „Bridget Jones: Verrückt nach ihm“

Kinokritik

Immer noch die liebenswerte Chaotin: „Bridget Jones – Verrückt nach ihm“

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    Großes Identifikationspotential: Renée Zellweger spielt auch im vierten Teil Bridget Jones.
    Großes Identifikationspotential: Renée Zellweger spielt auch im vierten Teil Bridget Jones. Foto: Jay Maidment, Universal/dpa

    Als romantische Antiheldin ist Bridget Jones Anfang des Jahrtausends auf ihre eigene, linkische Art in die Filmgeschichte eingegangen. Renée Zellweger spielte die unverwüstliche Katastrophenfrau, die in beruflichen wie amourösen Angelegenheiten kein Fettnäpfchen ausließ und auch als chronische Single-Frau den Traum vom Liebesglück im Jane-Austen-Format nicht aufgeben wollte. Schaut man sich die Filme des dreiteiligen Franchise heute an, wirken sie auf fast schon rührende Weise antiquiert. Diese Bridget Jones macht eine erfolglose Schlankheitskur nach der anderen, beginnt am Arbeitsplatz eine Affäre mit ihrem Chef und raucht genauso wie ihr weitläufiger Freundeskreis wie ein Schlot - alles Dinge, die heute ganz weit oben auf der Not-To-Do-Liste einer Filmheldin stehen. Aber Bridget Jones war nie als feministische Vorzeigeheldin konzipiert. Vielmehr bot sie durch ihre Fehlbarkeit ein großes, zeitgemäßes Identifikationspotenzial und sicherte sich als liebenswerte Chaotin einen festen Platz in den Herzen des Publikums.

    Neun Jahre nach dem letzten Bridget Jones-Film kommt jetzt die Fortsetzung

    Neun Jahre nach „Bridget Jones‘ Baby“ (2016) holt Regisseur Michael Morris („Better Call Saul“) nun zu einer Neuauflage aus. Gleich zu Beginn von „Bridget Jones: Verrückt nach ihm“ wird das hart erarbeitete Happy End der letzten Folge, bei dem die Titelheldin endlich ihren Mr. Darcy (Colin Firth) heiratete, sogleich wieder weggewischt. Der Menschenrechtsanwalt wurde bei einem humanitären Einsatz im Sudan von einer Mine getötet. Seit vier Jahren hat sich die Witwe nun schon mit dem zehnjährigen Sohn Billy (Caspar Knopf) und der jüngeren Tochter Mabel (Mila Jankovic) in ihrer Trauer eingemauert. Die Freunde drängen die 53-Jährige, sich wieder auf den Dating-Markt zu begeben, und melden sie bei Tinder an, während die Gynäkologin Dr. Rawlings (Emma Thompson) ihr zum Wiedereinstieg ins Berufsleben rät. Und so greift Bridget ihr letztes Tagebuch aus dem Regal und schlägt ein neues Kapitel auf.

    Mühelos findet sie wieder in ihren Job als TV-Produzentin und auch in romantischer Hinsicht weht bald ein frischer Wind. In den Hampstead Heights lernt sie den Studenten und Nebenerwerbs-Parkwächter Roxster (Leo Woodall) kennen. Zu ihrer eigenen Überraschung zeigt der 28-jährige deutliches Interesse an ihr – und es bleibt nicht nur bei einem One-Night-Stand. Auf der Party ihrer Chefin hat der gut aussehende Lover einen markanten Auftritt, als er seinen Luxuskörper in den Pool wirft, um einen Hund aus dem Wasser zu retten. Natürlich in Zeitlupe. In Szenen wie diesen läuft „Bridget Jones: Verrückt nach ihm“ wieder zu alter Form auf und findet zurück zu jenem Ironievermögen aus weiblicher Perspektive, das zum Markenzeichen dieser Filme gehörte. Schon bald kommt noch ein weiterer Mitbewerber um die Ecke: Der Biologie-Lehrer ihres Sohnes Mr. Wallaker (Chiwetel Ejiofor), der ganz Naturwissenschaftler, mehr von Fakten als Gefühlen versteht, wäre mit seiner verstockten Ernsthaftigkeit ein würdiger Darcy-Nachfolger.

    Bridget Jones ist gereift

    „Bridget Jones: Verrückt nach ihm“ ist mit seiner Hauptfigur gereift, gönnt ihr einige melancholische Momente und formuliert den Humor weniger schrill als die Vorgängerfilme aus. Szenen, in denen Bridget Jones beherzt die Grenzen der Peinlichkeit auslotet, fehlen hier weitgehend. Alles in allem ein würdiges, wenn auch kein furioses Revival, das die Fans jedoch direkt vor der Haustür abholt. Ganz der Alte ist Hugh Grant in der Rolle des ehemaligen Geliebten und Vorgesetzten Daniel Cleaver. In einigen wenigen Szenen läuft er als betagter Playboy und unkonventioneller Babysitter zu Höchstform und präsentiert sich erneut als Großmeister der Selbstironie.

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