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Interview: Bayreuther Festspielleiterin Katharina Wagner: "Es wird Überraschungen geben"

Interview

Bayreuther Festspielleiterin Katharina Wagner: "Es wird Überraschungen geben"

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    Nach einer krankheitsbedingten Pause leitet Katharina Wagner wieder die Bayreuther Festspiele.
    Nach einer krankheitsbedingten Pause leitet Katharina Wagner wieder die Bayreuther Festspiele. Foto: Nicolas Armer, dpa

    In Ihren ersten Jahren als Festspielleiterin setzten sich einige Inszenierungen auch mit der unseligen Vergangenheit Bayreuths auseinander – angefangen mit Ihren „Meistersingern“ 2007 bis hin zu Barrie Koskys „Meistersingern“ 2017, wo allerdings im ersten Aufzug auch eine komische, selbstironische Bayreuth-Komponente ins Spiel kam, fortgeführt im „Tannhäuser“ 2019. Könnte das eine neue Regie-Linie sein: bedeutungshuberischen Ernst zurücknehmen zugunsten eines auch Über-sich-selbst-lächelnden-Abstands?

    Katharina Wagner: Die Frage von „Regiehandschriften“ obliegt jeder Regisseurin und jedem Regisseur, für den Parsifal 2023 wird es einige Überraschungen geben, seien Sie gespannt.

    Hat Christian Thielemann eigentlich herzhaft lachen können über die Szene im letzten „Tannhäuser“, da ihm die Dragqueen „Le Gateau Chocolat“ bei einer Foto-Porträt-Reihe berühmter Bayreuth-Künstler regiegemäß Auge in Auge gegenübersteht?

    Wagner: Das müssen Sie ihn selbst fragen.

    Da wir gerade bei Christian Thielemann sind: Es ist schwer davon auszugehen, dass er gerne in Bayreuth dirigiert und Sie sich seiner anerkannten Kunst weiterhin versichern wollen. Woran also hapert es bei der Definition seiner künftigen Bayreuther Arbeit?

    Wagner: Es hapert gar nicht, wir sind in konstruktiven Gesprächen über die Art und den Umfang einer zukünftigen Zusammenarbeit. In diesem Jahr dirigiert Christian Thielemann den konzertanten Parsifal, im kommenden Jahr Lohengrin.

    Ihnen war 2020 kein schönes Jahr gegönnt. Erst Ihre persönliche Erkrankung, dann die Pandemie mit ihren Auswirkungen. Gleichzeitig sind Sie – in etwa – in der Lebensmitte angekommen. Da könnte man schon mal Halbzeitbilanz ziehen. Worüber freuen Sie sich besonders, dass es Ihnen gelungen ist, was fällt Ihnen als erstes ein, dass Sie besser anders oder gar nicht hätten machen sollen?

    Wagner: Ich schaue grundsätzlich nach vorn und widme mich mit vollem Einsatz den Planungen der kommenden Festspieljahre. Mit einem gewissen Stolz erfüllt mich der Erfolg unserer Kinderoper, die mittlerweile auch im Ausland gezeigt wird. Der Diskurs Bayreuth ist ein weiteres Projekt, welches mir sehr am Herzen liegt und gerade in diesem Jahr ohne den ursprünglich disponierten Ring war es uns wichtig, dem Publikum den Ring in anderer Form zu präsentieren. Das junge Team um den Komponisten Gordon Kampe hat nach einem Libretto von Paulus Hochgatterer das Eröffnungsstück des Bayreuther Projekts „Ring 20.21“ geschaffen. Mit Hermann Nitsch, der die Walküre bebildert, Jay Scheib und seinem virtuellen Drachenkampf sowie der japanischen Künstlerin Chiharu Shiota mit ihrer Installation zur Götterdämmerung im Festspielpark wird der Zyklus ebenso filigran wie überwältigend und visionär abgeschlossen.

    900 Zuhörer pro Vorstellung 2021 im Festspielhaus. Das dürfte manche Enttäuschung nach sich ziehen, obwohl die Zahl von 900 – gegenüber den Befürchtungen vor zwei Wochen – schon ausgeweitet ist. Die Organisation des Vorverkaufs wird wohl schwierig werden?

    Wagner: Wir sind in ständigem und engem Austausch mit allen zuständigen Behörden und hoffen, im Juli so viel Publikum wie möglich und zulässig bei uns begrüßen zu können. Der Online-Sofortkauf ist in diesem besonderen Jahr das probate Mittel, um an Karten zu gelangen. Voraussichtlich Anfang Juli werden die behördlich zulässigen Kontingente in den Online-Sofortkauf gehen.

    Als Monika Grütters, die Kulturbeauftragte der Regierung, vor einem knappen halben Jahr Änderungen bei den Gesellschafterverträgen Bayreuths ins Auge fasste, da wurden Sie als Festspielleiterin zwar ausdrücklich von ihr gestützt, andererseits aber stellte Grütters auch sorgenvolle Fragen, für deren Lösung Sie zumindest ja mitverantwortlich sind. Sie fragte nämlich: Wird die Bringschuld der Bayreuther Festspiele eingelöst? Werden die Erwartungen des Publikums angemessen berücksichtigt? Wie ist dieser scheinbare oder tatsächliche Widerspruch zu verstehen? Welche Hemmnisse zur beruhigenden Beantwortung der beiden sorgenvollen Fragen gab es denn für Sie bzw. für die Festspiele?

    Wagner: Ich unterstütze Frau Staatsministerin Grütters ausdrücklich darin, bestehende Strukturen den heutigen Erfordernissen anzupassen. Es wurde nun vom Stiftungsrat die Einsetzung einer Arbeitsgruppe zur Reform der Satzung der Richard Wagner Stiftung beschlossen.

    Und welcher Problemkreis könnte/müsste nach dem Vorstoß Grütters mit welcher Anpassung/Neuordnung gelöst werden?

    Wagner: Siehe vorherige Frage.

    Zur Person: Katharina Wagner, 1978 in Bayreuth geboren, ist die Urenkelin von Richard Wagner, Opernregisseurin und leitet seit 2008 die Bayreuther Festspiele künstlerisch.

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