Künast betonte, in Gaucks zentralem Motiv, "Freiheit für und zu etwas" hochzuhalten, stecke ein ethischer Ansatz. "Im Zentrum steht nicht: Ich nehme mir die Freiheit heraus. Sondern es ist die Aufforderung an jeden Menschen, seine Freiheit zu nutzen, um für etwas anderes zu kämpfen, für ein besseres Leben", sagte Künast. Sie betonte: "Sein Freiheitsbegriff ist nicht der der FDP." Zugleich stehe Gauck damit aber in direkter Verbindung zum Grundgesetz.
Gauck könne mit diesem Ansatz den Sinn seines künftigen Amtes wieder neu ausfüllen, der weit über die Ausfertigung von Gesetzen hinausgehe. "Es hat etwas Sinnstiftendes, für Kinder, für einen würdevollen Umgang, für andere einzutreten", sagte Künast. "Er kann uns in den Debatten über Rechtsextremismus, über den Zusammenhalt in der Gesellschaft, über Europa weiterbringen." Zugleich habe Gauck eine Wirkung auf Menschen und könne sie dabei mitnehmen. Gerade deshalb hätten nicht zuletzt die Grünen Gauck für dessen ersten Anlauf auf das Amt des Bundespräsidenten vorgeschlagen.
Auf die Frage, ob sie den Schritt als ein Vorzeichen für ein Machtwechsel in der Bundesrepublik ansehe, sagte Künast: "Es ist schon ein Zeichen, dass Grüne und Rote in der Lage sind, einen angemessenen Vorschlag zu machen und ihn auch durchzusetzen, auch wenn es lange gedauert hat." Sie sei stolz darauf, an Gauck festgehalten zu haben, sagte Künast.
Kanzlerin Angela Merkel (CDU) hatte am Sonntag ihren Widerstand gegen den Favoriten von SPD und Grünen aufgegeben, nachdem sich die FDP auf den früheren DDR-Bürgerrechtler festgelegt hatte. (dpa)
Mitteilung der Staatsanwaltschaft