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Kinder & Familie: Geld für frischgebackene Eltern: Wie das Elterngeld funktioniert

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Geld für frischgebackene Eltern: Wie das Elterngeld funktioniert

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    Damit sich Vater und Mutter frei von Arbeit um den Nachwuchs kümmern können, gibt es das Elterngeld.
    Damit sich Vater und Mutter frei von Arbeit um den Nachwuchs kümmern können, gibt es das Elterngeld. Foto: Mascha Brichta, dpa

    Für Eltern eines Neugeborenen steht der Alltag kopf. Zwischen Windeln wechseln und schlaflosen Nächten bleibt kaum Zeit, sich mit Finanzen auseinanderzusetzen. Christina Korbacher hat sich deshalb bereits während ihrer Schwangerschaft mit dem Elterngeld befasst. „Ich wollte nicht unter Zeitdruck geraten, wenn das Kind da ist“, sagt die Mutter eines sechs Monate alten Babys aus Mittelfranken. 

    Die Krankenschwester erhält aktuell 65 Prozent ihres Nettoeinkommens, das sie vor der Geburt ihres Kindes bezog, in Form des Basiselterngelds. Das ist schon einmal eine gute Hilfe. Auch ihr Ehemann hat sich zwei Monate Elternzeit genommen. Das Minimum, um Elterngeld zu erhalten. 

    Höhe des Elterngeldes hängt von Einkommen des betreuenden Elternteils ab

    Die Höhe des Elterngeldes hängt nach Angaben des Bundesfamilienministeriums davon ab, wie viel Einkommen der betreuende Elternteil vor der Geburt des Kindes hatte und ob nach der Geburt Einkommen wegfällt. Eltern mit höheren Einkommen erhalten 65 Prozent, Eltern mit niedrigeren Einkommen bis zu 100 Prozent des Voreinkommens. Je nach Einkommen beträgt das Basiselterngeld zwischen 300 Euro und 1800 Euro im Monat. 

    Das Elterngeld muss bei der zuständigen Elterngeldstelle beantragt werden. Ein Jahr lang besteht Anspruch auf Basiselterngeld. Zwei zusätzliche Monate, die Partnermonate, gibt es, wenn beide Elternteile das Elterngeld beantragen. Das Paar kann diese 14 Monate beliebig untereinander aufteilen. 

    Wer Teilzeit arbeitet, greift zum ElterngeldPlus

    Für Elternteile, die Teilzeit arbeiten, lohnt sich das ElterngeldPlus. Es ist in der Regel halb so hoch wie das Basiselterngeld und liegt damit zwischen 150 Euro und 900 Euro im Monat. Ein Monat Basiselterngeld kann in zwei Monate ElterngeldPlus umgewandelt werden. Die Höchstdauer beträgt also 28 Monate. Die insgesamt vier zusätzlichen ElterngeldPlus-Monate werden als Partnerschaftsbonus bezeichnet. Wenn im Haushalt ein Kind unter drei oder zwei Kinder unter sechs Jahren leben, kommt ein Geschwisterbonus von zehn Prozent obendrauf.

    Sechs Wochen vor und acht Wochen nach der Geburt gilt der Mutterschutz. In dieser Zeit wird Mutterschaftsgeld in Höhe des Nettolohns ausgezahlt. Maximal 13 Euro pro Tag übernimmt der Staat, den Rest der Arbeitgeber. Das Elterngeld wird vollständig damit verrechnet. 

    Hier gibt es in Schwaben Hilfe rund um das Elterngeld

    „Ich habe eine Weile gebraucht, bis ich es verstanden habe. Es ist sehr komplex aufgebaut“, sagt Korbacher. Beratungsstellen, die den Antrag übernehmen, seien oft kostenpflichtig. „Viele fühlen sich alleingelassen“, sagt die 26-Jährige. Das Ehepaar entschied deshalb, sich selbst einzulesen.

    In Schwaben können sich werdende Eltern im Zentrum Bayern Familie und Soziales (ZBFS) in Augsburg, Morellstraße 30, kostenlos beraten lassen. Am 1. Dezember dieses Jahres ist hier eine neue Kooperation angelaufen. „An jedem ersten Donnerstag eines Monats beraten wir und die Familienkasse abwechselnd auch bei der jeweils anderen Stelle“, sagt Florian Hofmann vom ZBFS.

    Antrag auf Elterngeld online stellen

    Seit der Einführung des Elterngeldes im Jahr 2007 gibt es im Freistaat die Möglichkeit, den Antrag auf Elterngeld online zu stellen. „Bayern war und ist hier Vorreiter. Andere Bundesländer, die bislang noch keinen Onlineantrag haben, ziehen nun in Form von ‚Elterngeld Digital‘ nach“, erklärt Benjamin Vrban, Pressesprecher des ZBFS. 

    Beim Onlineantrag besteht die Möglichkeit, den aktuellen Stand zwischenzuspeichern. Das kommt bei den Eltern gut an: „So konnte ich mich immer mal wieder dransetzen, wenn ich eine freie Minute hatte“, sagt zum Beispiel Christina Korbacher. 

    Auch Pro Familia Augsburg bietet Elterngeldberatungsgespräche an. „Das Elterngeld ist häufig das wichtigste Thema bei werdenden Eltern, die während der Schwangerschaft erwerbstätig sind“, sagt dort Beraterin Hanna Weißbeck. Sozialpädagogin Adelheid Schur bestätigt: „Wir erleben hier oft den Wunsch nach Sicherheit. Zwischen Basiselterngeld, ElterngeldPlus und der Aufteilung der Partnerschaftsmonate herrscht viel Verwirrung darüber, welches Modell für einen selbst das Beste ist.“ 

    Tipp: Antrag schon vor der Geburt des Kindes vorbereiten

    Pro Familia betont, keine rechtsverbindlichen Auskünfte zu geben, sondern lediglich zu informieren. „Unsere Erfahrung ist, dass wir durch das persönliche Gespräch bereits einen Großteil der Verwirrung beseitigen können“, sagt Weißbeck. Sie höre oft den Wunsch nach einer Vereinfachung des Antrags.

    Bewährt hat es sich, den Elterngeld-Antrag schon vor der Geburt vorzubereiten. Nach der Geburt ihres Sohnes musste Christina Korbacher so nur noch die Geburtsurkunde hinzufügen. „Gerade in den ersten Wochen hätte ich keinen Kopf dafür gehabt. Es kommt so viel Neues auf einen zu und man will natürlich die Zeit mit seinem Kind genießen“, sagt sie.

    Im Jahr 2021 wurden laut Zentrum Bayern Familie und Soziales 1,36 Milliarden Euro im Rahmen des Elterngelds allein im Freistaat ausgegeben. Über 180.000 Elternteile, deren Kinder im Jahr 2019 geboren wurden, haben bayernweit Elterngeld erhalten. Fast 150.000 davon bezogen Basiselterngeld, rund 35.000 ElterngeldPlus. Etwa 3400 nutzten den Partnerschaftsbonus. Über 60.000 Elternteile, die die Transferzahlung erhielten, waren Männer. Der Frauenanteil lag doppelt so hoch. 

    Hälfte der Väter in Bayern bezieht Elterngeld

    In Bayern bezieht übrigens rund die Hälfte der Väter Elterngeld. Damit liegt der Freistaat weit oben im Bundesvergleich. „Es wird versucht, verschiedene Lebensrealitäten abzubilden“, sagt Hofmann. Welches Modell Eltern letztlich wählen, sei eine individuelle Sache. 

    Das Ehepaar Korbacher entschied sich für eine Kombination. Sie haben die 14 Monate aufgeteilt in sieben Monate Basiselterngeld und die restlichen sieben in 14 Monate ElterngeldPlus umgewandelt. „Ich wollte die erste Zeit, bis sich alles eingespielt hat, das volle Elterngeld haben. Danach wechsle ich auf ElterngeldPlus“, sagt Christina Korbacher. 

    Dieser Text ist im Rahmen eines Kooperationsprojekts unserer Redaktion mit dem Master-Studiengang Fachjournalismus der TH Würzburg-Schweinfurt entstanden.

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