Seit das Autohaus Hermann vor vier Jahren die „Hermann-Clinic-Card“ eingeführt hat, sind Chefarztbehandlung und 1-Bett-Zimmer für die Beschäftigten im Krankheitsfall Standard. Die eigene betriebliche Krankenversicherung (bKV) des Unternehmens übernimmt die Leistungen. Den Vertrag hat das Autohaus Hermann mit der Gothaer Versicherung abgeschlossen. Das Unternehmen war damit eine der ersten großen Handelsgruppen Deutschlands, die ein solches Versicherungsmodell anbietet.
Wie ein Baukasten für die Gesundheit lässt sich die bKV flexibel zusammenstellen. Sie ergänzt die gesetzliche Krankenversicherung dort, wo diese Lücken lässt. Von der Zahnzusatzversicherung bis zur Auslandsreisekrankenversicherung – die Palette der Möglichkeiten ist breit. Welche Leistungen die bKV letztendlich abdeckt, ist je nach Betrieb unterschiedlich. Auch die Finanzierung ist flexibel wählbar und kann sowohl vollständig vom Arbeitgeber getragen werden, wie im Fall des Autohaus Hermann, als auch zwischen Arbeitnehmer und Arbeitgeber aufgeteilt werden.
Vorteile einer betrieblichen Krankenversicherung: Arbeitgeber steigert Attraktivität
Gerade in Zeiten von Fachkräftemangel wird dieses Versicherungsmodel für Unternehmen immer attraktiver, so Alexander Braas von der Allianz-Versicherung. „Die Nachfrage nach betrieblichen Krankenversicherungen aus unserem Haus steigt seit Jahren. Immer mehr Unternehmen erkennen den Wert einer bKV als Teil ihrer Personalstrategie.“ Der Gedanke dahinter: Sich als Arbeitgeber besonders attraktiv für potentielle Arbeitnehmer präsentieren und bei den Angestellten die Bindung zum Unternehmen stärken.
47.000 Unternehmen in Deutschland boten Stand Juni 2024 ihren Arbeitnehmern eine betriebliche Krankenversicherung an. „Das sind fast 20 Prozent mehr als zum Jahresende 2023“, schreibt der Verband der Privaten Krankenversicherungen auf seiner Webseite. Für Braas ist diese Entwicklung nur logisch: „Ein Chef, der Vorsorgeuntersuchungen oder den Zahnarztbesuch bezahlt, erzeugt Emotionalität. Das bindet nachhaltig, erhöht Vertrauen sowie Motivation der Mitarbeitenden und hilft gleichzeitig, Fehlzeiten niedrig zu halten.“ Stark nachgefragt sei die bKV derzeit überall dort, wo besonders viele qualifizierte Bewerber fehlten, insbesondere in der Pflege- und Gesundheitsbranche, im IT-Sektor sowie im Transportwesen, bestätigt Braas von der Allianz-Versicherung.
Was man bei einer betrieblichen Krankenversicherung beachten muss
Wie wichtig eine umfassende Gesundheitsversorgung für die Arbeitnehmer ist, lässt sich auch in Zahlen ausdrücken. In einer Umfrage des Verbands der Privaten Krankenversicherungen erklärten 45 Prozent der Befragten, eine bKV sei ihnen wichtiger als andere Zusatzleistungen wie Tickets für den Personennahverkehr oder ein Mobiltelefon, das vom Unternehmen gestellt wird. Die Vorteile, die sich für beide Seiten also aus einer betrieblichen Krankenversicherung und den damit verbundenen Zusatzleistungen ergeben, liegen also auf der Hand. Doch ein paar Dinge muss man als Arbeitnehmer dennoch beachten.
Ein entscheidender Aspekt ist die Frage der Fortführbarkeit: Welche Möglichkeiten und Bedingungen gibt es, um den Versicherungsschutz aufrechtzuerhalten, wenn man den Job wechselt, in den Ruhestand tritt oder der Arbeitgeber den bKV-Vertrag beendet? Diese Fragen müssen bei allen Vorteilen, die die betriebliche Krankenkasse gewährt, geklärt werden, um zu vermeiden, dass es beim Jobwechsel plötzlich ein böses Erwachen gibt. Denn ist das Eintrittsalter in einen neuen Tarif höher, sind die Beiträge automatisch schon höher. Zudem fallen ohne eine Zusatzversicherung all die Leistungen, die nicht von der gesetzlichen Krankenkasse abgedeckt werden, weg.
Sind diese Fragen geklärt, kann diese Art der Versicherung für Unternehmen und Belegschaft Vorteile bieten. Beim Autohaus Hermann gibt es hier sogar noch einen weiteren Gewinner: Die Familienangehörigen der Arbeitnehmer bekommen auch die „Hermann-Clinic-Card“ und damit eine bessere Gesundheitsversorgung.
Hinweis: Dieser Beitrag ist in Kooperation mit dem Masterstudiengang Fachjournalismus der Technischen Hochschule Würzburg-Schweinfurt entstanden.
Es ist ja Alles schön und gut was Sie zur bKV geschrieben haben a b e r das eigentlich Wichtige, dass die (politische) Krankenversicherung schon seit Jahren gegen die Wand gefahren wird, fällt völlig unter den Tisch.
Ich hoffe wir bekommen kein amerikanisches System ala Lebensversicherungen in denen das Unternehmen der Begünstigte ist....
bKV ist eine gute Sache, gerade weil die GKV an die Wand gefahren wurde. Ich finde nicht, dass dem Artikel etwas fehlt, weil das Elend des gesetzlichen Systems nicht angesprochen wird. Wenn die bKV klug aufgesetzt wird, ist sie meist besser als andere Vergünstigungen und Arbeitnehmer, die bspw. aufgrund Vorerkrankungen keine private Versicherung bekommen, können sich oftmals über die bKV wenigstens ein Stück weit zusätzlich absichern, da die Zugangshürden niedriger sind.
Tolle Sache, junge gesunde Arbeitnehmer sparen mit der bKV viel Geld, ebenso wie ihre Arbeitgeber. Wenn dann aus Altersgründen die bKV zu teuer wird oder der Mitarbeiter ausscheidet, ist doch logisch, dass die GKV die jetzt vielleicht nicht mehr so gesunden älteren Menschen zurücknimmt. Finanziert wird das ganze System von den Deppen, die diese Möglichkeit nicht haben. Deutschland geht immer mehr kaputt
Sie haben die bKV nicht verstanden. Sie ersetzt keine Versicherung, sie ergänzt diese lediglich. Es ist eine Zusatzversicherung.
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