Viele Kommunen beschäftigt in diesen Tagen das Thema Wärmewende. Dillingen ist dabei etwas weiter als viele andere Städte und Gemeinden. Seit dem Jahr 2007 läuft in der Kreisstadt der Aufbau des Wärmenetzes. In der Christastraße steht das Biomasse-Heizkraftwerk, das mit Hackschnitzeln aus der Region betrieben wird. Nach einem Ringschluss über den Georg-Schmid-Ring hat der Versorger Energie Schwaben die Kapazitäten inzwischen nahezu verdoppelt. In der Innenstadt werden nun weitere große Verbraucher ans Netz angeschlossen. Oberbürgermeister Frank Kunz und Markus Last, Sprecher der Geschäftsführung bei Energie Schwaben, luden aus diesem Anlass am Donnerstagnachmittag zu einem „Baustellenauftakt“ in die Klosterstraße ein.
Dort verlegt die Holzheimer Firma Femo bereits weitere Wärmeleitungen. Nach der Akademie werden jetzt auch Behörden wie das Amtsgericht und das Finanzamt ans Wärmenetz angeschlossen, aber auch die Polizei, die Bundeswehr und das Kloster der Dillinger Franziskanerinnen. „Wir planen nicht, wir bauen“, sagt Oberbürgermeister Frank Kunz vor den Vertretern und Vertreterinnen der verschiedenen Institutionen. Die wichtigsten Einrichtungen in der Stadt könnten künftig mit regenerativer Wärme versorgt werden.
Oberbürgermeister Kunz: Die Wertschöpfung findet in der Heimat statt
Die Wertschöpfung, so Kunz, finde in der Heimat statt. Im Biomasse-Heizkraftwerk in der Christastraße wird Restholz, beispielsweise von Baumkronen, verbrannt. Zulieferer ist nach Informationen unserer Redaktion die Forstbetriebsgemeinschaft Dillingen. Der Anlieferungsbereich für das Holz, so hieß es bei einem Ortstermin im vergangenen Jahr, liege unter einem Radius von 50 Kilometern. Wie der Rathauschef erläutert, profitierten nicht nur die großen Institutionen von dem Fernwärmenetz. Alle Anwesen, die an der Leitungsstrecke liegen, könnten angeschlossen werden. Dies sei für Anlieger in der Altstadt eine gute Gelegenheit, ein altes Heizungssystem aufzugeben und sich an das Fernwärmenetz anzuschließen. Für denkmalgeschützte Gebäude in der Altstadt sei die Nahwärme „eine ausgezeichnete Versorgungsalternative“. Er kenne kaum eine Stadt mit 20.000 Einwohnern wie Dillingen, die über ein so großes Fernwärmenetz verfüge. In Dillingen seien inzwischen alle Behörden am Netz, betont Kunz. Angestoßen habe das Projekt noch sein Vorgänger Hans-Jürgen Weigl.

Das Wärmenetz in Dillingen wird in diesem Jahr um etwa 1,4 Kilometer erweitert – auf insgesamt mehr als zwölf Kilometer, informiert Markus Last von Energie Schwaben. Zudem wird im Biomasse-Heizkraftwerk ein weiterer Hackschnitzel-Kessel in Betrieb genommen. „Wir investieren knapp drei Millionen Euro in die Erweiterung“, sagt Last. Energie Schwaben habe bisher 150 Kunden ans Netz angeschlossen. Jetzt kommen 40 neue Anschlüsse, darunter wie in den vorherigen Abschnitten einige Großabnehmer, hinzu. Die Stadt sei schon jetzt „bestens aufgestellt für eine klimaneutrale Zukunft“. Projektleiter Andreas Kraus erläutert, dass die Anschlussleistung um vier Megawatt gesteigert werde. Dies entspreche rein rechnerisch dem Wärmebedarf von rund 160 Einfamilienhäusern. Insgesamt hat das Biomasse-Heizkraftwerk künftig eine Leistung von elf Megawatt, es kann umgerechnet etwa 400 Einfamilienhäuser versorgen. Im Jahr werden 30 Gigawattstunden an Wärme geliefert.
Dillingen könne durch das Wärmenetz jährlich bis zu 2000 Tonnen CO₂ einsparen, heißt es in einer Pressemitteilung. Wenn alles nach Plan läuft, sollen die Bauarbeiten im Spätherbst dieses Jahres abgeschlossen sein. Die Privatgebäude und öffentlichen Einrichtungen, die noch heuer an den neuen Netzabschnitt angeschlossen werden, bekommen bereits in der nächsten Heizperiode Wärme aus dem Netz, verspricht Energie Schwaben. Der im Heizkraftwerk gleichzeitig erzeugte Strom werde ins öffentliche Stromnetz eingespeist. Wie Energie Schwaben erläutert, sind weitere Erweiterungen des Wärmenetzes möglich.

In Dillingen und seinen Stadtteilen gibt es weitere Wärmenetze. Die Donau-Stadtwerke betreiben bereits seit 1984 ein lokales Wärmenetz, das von einem Blockheizkraftwerk beim Eichwaldbad gespeist wird. Damals begann die Versorgung von etwa 50 Haushalten und des Eichwaldbads. Die Theresia-Haselmayr-Schule ist ebenfalls angeschlossen. Das Gas für das Blockheizkraftwerk wird im Donauried von der Firma Berchtenbreiter Umwelttechnik erzeugt. In Fristingen gibt es seit 2013 ein Nahwärmenetz, an das etwa 120 Haushalte angeschlossen wurden. Die Biogasanlage des Donaualtheimers Bernhard Lederle versorgt seit 1999 etwa 1200 Haushalte mit Strom und liefert zudem Wärme für die BSH-Logistikhalle, Pflanzen Spengler und weitere Hallen im Gewerbegebiet Siemensstraße. Landwirt Hermann Kästle betreibt seit 2014 eine Biogasanlage im Norden von Steinheim, die bisher 60 Haushalte versorgte. Im Sommer des vergangenen Jahres wurden Pläne bekannt, dass weitere 120 Haushalte des Dillinger Stadtteils an das Nahwärmenetz angeschlossen werden sollen. Wie Oberbürgermeister Kunz informiert, prüfe Dillingen die Möglichkeiten, weitere Bereiche in der Kernstadt und in den Stadtteilen mit einem Wärmenetz zu versorgen.
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