Wenn Gewalttäter ihre Verbrechen live ins Netz stellen, ist das entsetzlich. Plötzlich wird eine Plattform, die für Millionen Menschen zum Alltag und zur Unterhaltung gehört, zum Komplizen von Kriminellen. Man kann nun über die Abartigkeit dieser Menschen klagen.
Aber mindestens genauso sehr sollte man sich fragen: Wer schaut da zu? Fällt 200 Menschen, die in einem deutlich gekennzeichneten Live-Video eine Vergewaltigung sehen, nichts Besseres ein als zu gaffen? Das ist fast genauso abartig wie die Tat selbst. Deshalb kann man die Schuld nicht nur bei Facebook suchen.
Zivilcourage gilt auch im Internet
Der Konzern muss seine Inhalte besser prüfen, das ist richtig. Aber was im Netz akzeptiert wird und was nicht, ist auch eine Frage der gesellschaftlichen Werte und Normen. Da spielt Zivilcourage eine Rolle und die Achtung der Würde anderer Menschen. Die Hemmschwelle, ab der man Bilder unerträglich findet und die Polizei ruft, ist erlernt. Will man also nicht, dass die Gesellschaft weiter abstumpft, müssen diese alten Werte auch in der neuen, der digitalen Welt eine Rolle spielen. Dafür ist jeder verantwortlich.
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