Mitten in München, direkt am Platzl, bot einst Alfons Schuhbeck Gourmetspeisen in seinem Edelrestaurant an. Doch wegen Steuerhinterziehung sitzt der einstige Starkoch im Gefängnis, von seinem Gastronomie-Imperium ist kaum etwas übrig geblieben. Nach langer Suche steht jetzt fest, wie es am Platzl weitergeht und wer die „Südtiroler Stuben“ übernimmt: die Staatsbrauerei Weihenstephan. Ab Anfang 2026 beginnt sie mit dem Ausschank am Platzl.
Nachfolge für Schuhbeck-Restaurant: Idee stammt von einem Staatsminister
Viel war diskutiert worden über die Frage, wer in die Räumlichkeiten einziehen könnte. Nach dem Silvestermenü 2022 hatten die „Südtiroler Stuben“ schließen müssen. Zuvor war Starkoch Alfons Schuhbeck im Oktober 2022 wegen Steuerhinterziehung verurteilt worden und sein Unternehmen in die Insolvenz gegangen. Für die leer stehenden Räume in bester Lage gab es einige Bewerber, unter anderem Hofbräu München.
Die Idee, dass die Staatsbrauerei Weihenstephan das Lokal beziehen könnte, stammte dann von Staatsminister Markus Blume (CSU) persönlich. „Weihenstephan zieht ins Münchner Wohnzimmer ein! Nach langen Verhandlungen und Vorbereitungen ist der Weg jetzt frei“, sagte der Minister für Wissenschaft und Kunst nun. Die Staatsbrauerei mit Verbindungen zur Hochschule für angewandte Wissenschaften Weihenstephan-Triesdorf in Freising fällt in seinen Zuständigkeitsbereich.

Am Donnerstagnachmittag besiegelte Blume die Entscheidung auch öffentlich. Gemeinsam mit dem Direktor der Staatsbrauerei Weihenstephan, Josef Schrädler, stach er das erste Fass an und feierte die Nachricht mit einem Stehausschank am Platzl. Städler freut sich über den Deal: „Für uns ist der Standort perfekt - nicht zu groß, nicht zu klein.“ Ab Anfang 2026 will Weihenstephan im Spezialausschank am Platzl für rund 180 Gäste eröffnen und neben Bier auch bayrisches Essen anbieten.
Älteste Brauerei Bayerns zieht in Münchner Innenstadt
Bei der Brauerei aus Freising handelt es sich um die älteste noch bestehende Brauerei der Welt. Auf dem Weihenstephaner Berg sollen bereits im Jahr 1040 die ersten Benediktinermönche im Kloster Weihenstephan das erste Bier ausgeschenkt haben. Heute ist die Staatsbrauerei, ebenso wie das Haus am Platzl, im Besitz des Freistaates Bayern. Das Bier wird in die ganze Welt exportiert. Mit den prominenten neuen Räumen in der Münchner Innenstadt soll es auch in Bayern präsenter sein, erklärte das Wissenschaftsministerium unserer Redaktion auf Anfrage. „Weihenstephaner ist starker Botschafter Bayerns in der Welt. Die Brauerei exportiert ihr bayerisches Premiumprodukt in 60 Länder“, sagte der Wissenschaftsminister weiter.
Alfons Schuhbeck verlor Imperium und Ansehen
Damit also folgt eine Staatsbrauerei auf das Gastro-Reich von Autor, Wirt, Fernsehkoch und Unternehmer Alfons Schuhbeck. Von seinen Tellern sollen einst die Queen, die Beatles und Charlie Chaplin gespeist haben. Er bekochte die Stars des FC Bayern und wurde als Fernsehkoch selbst zu einem Star. Umso tiefer sein Fall: Kaum eines seiner Lokale, kaum einer seiner Betriebe hat überlebt. Übrig geblieben sind nur noch die Gewürzläden in München, Altötting und Regensburg. Und die negativen Schlagzeilen über Schuhbeck häufen sich: Immer mehr Vorwürfe und Berichte von schlechten Erfahrungen werden laut, andere Unternehmen warten auf Zahlungen von Schuhbeck. Das Bild des beliebten Promi-Kochs bekommt weitere tiefe Risse.

Starkoch Schuhbeck steht vor neuem Prozess
Seit 2023 sitzt der ehemalige Unternehmer nun schon wegen Steuerhinterziehung in Haft, derzeit in der JVA Landsberg. Die wird er wohl auch so früh nicht verlassen dürfen. Im Juni startet ein neuer Prozess gegen den Koch. Der Vorwurf: Subventionsbetrug in 19 Fällen, neunfache Insolvenzverschleppung, Betrug in vier Fällen und versuchter Betrug in fünf Fällen. Eine erneute Haftstrafe von mindestens fünf Jahren gilt als wahrscheinlich. Weiteren Anschuldigungen, er habe in hunderten Fällen Arbeitsentgelt vorenthalten und veruntreut, wird nicht mehr nachgegangen. Auf Antrag der Staatsanwaltschaft wurden die Ermittlungen wegen anderer Taten und der voraussichtlichen erneuten Schuldsprechung eingestellt.
Zitat: "Weiteren Anschuldigungen, er habe in hunderten Fällen Arbeitsentgelt vorenthalten und veruntreut, wird nicht mehr nachgegangen. Auf Antrag der Staatsanwaltschaft wurden die Ermittlungen wegen anderer Taten und der voraussichtlichen erneuten Schuldsprechung eingestellt. " Das heisst, Schädigung des Staates, Schädigung von Lieferanten werden juristisch allemal schärfer bewertet als Schädigung der Arbeitnehmer. Zeigt irgendwie ein beredtes Bild, welchen Stellenwert die Gesellschaft in ihrem gesetzlichen Rahmen den jeweiligen (Interessens)Gruppen zuweist. Interessant ist auch zu beobachten, wie seine einstigen "Freunde" und Gönner und auch die sich in seinem Lichte sonnten, auf Distanz gehen. Seine Spezl vom Bayrischen Rundfunk und dem FC Bayern zum Beispiel können sich kaum noch daran erinner, dass er einer von ihnen war!
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