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Starnberg: Virtuelles Erlebnis: Mit VR-Brillen durch die Klosterbrauerei Andechs

Starnberg

Virtuelles Erlebnis: Mit VR-Brillen durch die Klosterbrauerei Andechs

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    Kloster Andechs soll für Besucher nun virtuell erlebbar sein.
    Kloster Andechs soll für Besucher nun virtuell erlebbar sein. Foto: Lilo Solcher

    Am Eingang zur Klosterbrauerei Andechs steht eine seltsame Gruppe Menschen. Mit den klobigen Brillen im Gesicht und eher unbeholfenen Bewegungen wirken die Frauen und Männer wie Aliens. Sie sehen auch nicht die neugierigen Blicke, die sie streifen. Sie sind in eine andere Wirklichkeit abgetaucht. Während am Himmel dunkle Wolken über dem Heiligen Berg aufziehen, scheint bei ihnen die Sonne auf grüne Wiesen und ein Kirchlein, das Pilger ansteuern. Andechs ist die erste Brauerei in Deutschland, die ihre Besucher mithilfe computergenerierter Wirklichkeit und sogenannter VR-Brillen durch den Brauprozess mitnimmt. 

    Im Sudhaus sehen die Teilnehmer über ihre Brillen, wie in den Kesseln Bier entsteht.
    Im Sudhaus sehen die Teilnehmer über ihre Brillen, wie in den Kesseln Bier entsteht. Foto: Lilo Solcher

    Entwickelt hat dieses neuartige Erlebnis das junge Münchner Unternehmen Timeride. 10.000 Arbeitsstunden, sagt Timeride-Gründer Jonas Rothe, habe man in das Projekt gesteckt und „sehr viel Liebe“. 120 Stunden Filmmaterial mussten gesichtet und komprimiert werden: „Wir rekonstruieren hier Welten.“ 

    Brauereiführung in Andechs für Timeride "neues Terrain"

    Für das Unternehmen, das mit fünf Zeitreisen in München, Köln, Berlin, Dresden und Frankfurt „Geschichte neu erlebbar macht“, war die Brauereiführung in Andechs ein „neues Terrain“. Schließlich, erklärt Produktleiterin Lisa Schulz, ging es nicht nur um die Geschichte der traditionsreichen Brauerei auf dem Heiligen Berg, sondern vor allem auch darum, Brauprozesse sinnlich erfahrbar zu machen. Dafür habe man aus der Menge des Arbeitsmaterials „die Essenz rausgesaugt“.

    Von Freitag an können Besucher mithilfe der VR-Brille den Brauprozess in sechs Stationen erleben. An diesem Tag aber testen Abt Johannes Eckert, Brauereichef Alexander Reiss und geladene Gäste die Tour schon einmal vorab. Nur Timeride-Chef Rothe sieht am Anfang Schwarz, kurz nachdem er die Brille aufgesetzt hat. Denn erst, wenn sich alle Brillen miteinander verbunden haben, können die Teilnehmer tatsächlich eine andere Wirklichkeit erleben.

    Brauereichef Alexander Reiss sagt: „Eine Brauerei muss man riechen, fühlen."
    Brauereichef Alexander Reiss sagt: „Eine Brauerei muss man riechen, fühlen." Foto: Lilo Solcher

    Zunächst tauchen sie in die Geschichte des Heiligen Bergs ein, erfahren vom Gründungsmythos mit der Maus. Der Legende nach ist es so einem Nagetier zu verdanken, dass der lange verschollene Reliquienschatz wiedergefunden wurde und damit die Wallfahrtstradition in Andechs neu belebt werden konnte. 

    Die Klosterbrauerei Andechs produziert jedes Jahr 100.000 Hektoliter Bier

    Von dieser Geschichtsstation aus geht es weiter zur Brauerei, wo die Teilnehmerinnen und Teilnehmer an den verschiedenen Stationen das Gefühl bekommen, dass sie sich mitten im Brauprozess befinden. Firmenchef Alexander Reiss sagt: „Eine Brauerei muss man riechen, fühlen. Timeride ist die perfekte Möglichkeit, die Brauerei mit allen Sinnen zu erleben.“

    Die Verantwortlichen der neuen Brauereiführung: Brauereichef Alexander Riess, Abt Johannes Eckert, Jonas Rothe und Lisa Schulz vom Entwickler Timeride.
    Die Verantwortlichen der neuen Brauereiführung: Brauereichef Alexander Riess, Abt Johannes Eckert, Jonas Rothe und Lisa Schulz vom Entwickler Timeride. Foto: Lilo Solcher

    Abt Johannes, der schon länger in das Projekt eingebunden war, ist überzeugt, dass die Optik durch die Brille auch die Sinneswahrnehmung verändert. „Man fühlt sich tatsächlich mittendrin.“ Und erfährt dabei spannende Details über die Klosterbrauerei, die einen Ausstoß von 100.000 Hektolitern Bier hat und in alle Welt exportiert. Nur nicht nach Russland, sagt Reiss, „den Export haben wir gleich nach Ausbruch des Ukraine-Kriegs gestoppt“.

    Die virtuelle Führung soll nicht nur das Brauereiverfahren intensiv erlebbar machen und eine Brücke schlagen zwischen alter Brautradition und neuester Technik, die auch in der Klosterbrauerei die Arbeit erleichtert, wo etwa Roboterarme 50-Liter-Fässer stapeln. 

    Zum Abschluss der virtuellen Führung werden die Gäste noch einmal in eine andere Wirklichkeit gebeamt, die ihnen einen bildschönen Sonnenuntergang über dem Heiligen Berg und einen Kirchenbesuch beschert. Sogar ein leeres Bräustüberl gibt es dank der VR-Brille zu erleben. Das Bier, das es im Anschluss zu trinken gibt, aber ist ganz real. 

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