In Berlin verhandelt das Spitzenteam der SPD mit der Union den neuen Koalitionsvertrag, in Bayern wird aus der Kommunalpolitik scharf gegen Co-Parteichefin Saskia Esken geschossen. Allen voran der Fürther SPD-Oberbürgermeister Thomas Jung fordert Eskens Rücktritt und eine Konzentration seiner Partei auf Lars Klingbeil als alleinigen Partei- und Fraktionsvorsitzenden.
Fürther Oberbürgermeister Jung fordert Rücktritt von SPD-Chefin Saskia Esken
„Eine starke Stimme allein findet mehr Aufmerksamkeit und Gehör. Das braucht die SPD jetzt“, sagte Jung am Mittwoch unserer Redaktion. „Saskia Esken hat bedauerlicherweise keine gewinnende Ausstrahlung und deshalb leider auch keine positive Wirkung für die SPD.“ Dem Tagesspiegel hatte Jung noch gesagt, er sehe „für die Genossin Esken eigentlich keine weiteren Aufgaben in der Parteiführung“.

Dass die 63-jährige Parteilinke, die bei der Bundestagswahl in ihrem Wahlkreis Calw nur knapp 13 Prozent der Stimmen auf sich vereinte, in der SPD viele Kritiker hat, ist nichts Neues. Auch Münchens Oberbürgermeister Dieter Reiter hatte sie in der Vergangenheit wegen ihrer „skurrilen Auftritte“ in Talkshows kritisiert. Unmittelbar nach der Wahl plädierte auch er für Klingbeil als alleinigen Chef; nicht wegen der Person Saskia Esken, sondern wegen inhaltlicher Unterschiede zu dem von ihr vertretenen linken Parteiflügel. „Wir müssen in der Mitte stärker werden, damit die Ränder schwächer werden“, so Reiter.
„Ich erwarte von unseren SPD-Männern anstatt Personaldebatten konstruktive Vorschläge, wie wir Deutschland nach vorne bringen.“
Simone Strohmayr, SPD-Landtagsabgeordnete
Dass es nach der SPD-Wahlschlappe Neustrukturierungen geben wird, hat die Partei bereits angekündigt. Auch Esken selbst verwies jüngst im „Morgenmagazin“ auf den Parteitag im Sommer. „Da werden auch personelle Konsequenzen notwendig sein. Das werden wir als Team entscheiden“, sagte sie.
In der in Bayern angezettelten Rücktrittsdebatte bekommt Esken auch Unterstützung – zum Beispiel von der schwäbischen Landtagsabgeordneten Simone Strohmayr: „Sie ist eine starke Frau und sie hat sich für unsere Partei eingesetzt“, sagte Strohmayr unserer Redaktion: „Und wenn sie auch mehr in unsere Partei als nach außen wirkt, erwarte ich von unseren SPD-Männern anstatt Personaldebatten konstruktive Vorschläge, wie wir Deutschland nach vorne bringen.“
Esken soll wohl weg weil sie noch eine originäre Sozialdemokratin ist.
Wenn jeder Politiker "Ausstrahlung" braeuchte, dann haetten wir bald keine mehr. Dass jemand nicht mit Parolen und Worthuelsen umherwirft, sondern Klartext redet, ist viel wichtiger.
… was heißt „muss weg“ Nachdem Annalena Baerbock zur UN „wegmacht“, wird sich für Frau Esken bestimmt eine tolle Anschluss-Verwendung finden. Wie wäre es mit Richterin am EuGH?
Ich finde es nicht richtig, wenn sich die Sozialdemokraten nun selbst zerlegen. Hinter den Kulissen können sie von mir aus machen, was sie wollen, aber so wie der Fürther OB – das ist kein guter Stil und im Moment nicht angebracht,
Die SPD hat sich schon immer selbst zerlegt, vor allem ist der linke Flügel toxisch. Davon können Brandt, Schmidt und auch Schröder ein Liedchen trällern.
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