Der chinesische Tech-Gigant Tiktok kommt nach München. Wie das Unternehmen sowie das bayerische Digitalministerium am Donnerstag übereinstimmend mitteilten, eröffnet Tiktok in der bayerischen Landeshauptstadt seine Deutschland-Zentrale für die E-Commerce-Sparte „Tiktok Shop“. Von hier aus will das Weltunternehmen diesen Geschäftsbereich in Deutschland aufbauen. Die deutsche Zentrale von Tiktok sitzt in Berlin.
Darum kommt Tiktok nach München
Tiktok ist weltweit bekannt. Die Video-App aus China bietet Unterhaltung in Form von Kurzvideos, die meisten unter 90 Sekunden, und ist insbesondere bei Jugendlichen populär. Viele nutzen Tiktok auch, um sich zu informieren. In den USA und einigen anderen Ländern können die Menschen über die Plattform auch einkaufen. Diese „Tiktok Shop“ genannte Funktion kommt nun auch nach Deutschland, und dahinter steckt ein milliardenschweres Geschäftsmodell.
Denn künftig kann ein Video, in dem jemand ein Produkt vorstellt, gleich zur Einkaufsplattform werden. Per „Knopfdruck“ auf dem Bildschirm des Mobilgeräts geht es zum Einkauf. Die Grenzen zwischen Information, Unterhaltung und Werbung verschwimmen, User können mit Kaufanreizen nahezu „überschwemmt“ werden. Tiktok bietet Händlern und Herstellern so eine neue Plattform und bekommt dafür Provision. Hauptsächlich in China und den USA werden so Medienberichten zufolge bereits Waren im Wert von mehr als 30 Milliarden Dollar umgesetzt. Nun sollen Deutschland und der europäische Markt aufgerollt werden. Tiktok hat nach Angaben der Bundesbeauftragten für Datenschutz allein in Deutschland mehr als 20 Millionen regelmäßige Nutzer, weltweit sind es 1,5 Milliarden.
Das steckt hinter dem Tiktok-Shop
Diese Zahlen erklären, weshalb Bayerns Digitalminister Fabian Mehring die Niederlassung als Coup feiert. Laut Tiktok werden in München zusätzliche Stellen geschaffen. Eine konkrete Anzahl wollte das Unternehmen nicht nennen. „Aus Ländern wie England, in denen Tiktok-Shop bereits aktiv ist, wissen wir: Die Plattform fördert Innovationen und unterstützt insbesondere kleine und mittlere Unternehmen dabei, ihre Reichweite und Umsätze erheblich zu steigern. Von diesem Kuchen sollen in Zukunft auch die Unternehmen in Bayern etwas abbekommen.“
Für den Politiker passt die Ansiedlung perfekt in eine Reihe von Standortentscheidungen zugunsten Münchens, die auch Folge der gezielten Ansiedlungspolitik der Staatsregierung sei. Bayern werde immer mehr „zum Premium-Standort für die Zukunftstechnologien.“ In der Landeshauptstadt haben zuletzt bedeutende internationale Technologiekonzerne wie Apple, Amazon und Google große Niederlassungen eröffnet. Noch im Frühjahr wird Mehring zusammen mit Ministerpräsident Markus Söder den neuen Standort von OpenAI in München einweihen. Das US-Software-Unternehmen erforscht und entwickelt Künstliche Intelligenz und machte KI mit dem Programm ChatGPT weltweit bekannt. Seit fast zehn Jahren hat zudem Microsoft seine Zentrale in München-Schwabing.
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